Geschichte des Peloponnesischen Kriegs
- 5.5.1
Auf der Ueberfahrt nach Sicilien und auch wieder auf seiner Rückfahrt hatte Phäax mit einigen Städten in Italien wegen eines Freundschaftsbündnisses mit den Athenern unterhandelt, und er begegnete auch den Lokrischen Ansiedlern, die aus Messana ausgetrieben worden waren. Nach dem Friedensschluß der Sikelioten nämlich waren die Messanier unter sich zerfallen, und da die eine Partei die Lokrer herbeiries, so schickten diese Ansiedler dorthin und so war Messana eine Zeit lang lokrisch. Auf diese nun stieß Phäax, als sie nach ihrer Austreibung überfuhren, that ihnen jedoch kein Leides; denn eS waren zwischen ihm und den Lokrern Verabredungen wegen eines Vertrages mit den Athenern getroffen worden. Sie allein nämlich von allen Teilnehmern des Krieges hatten damals, als die Sikelioten sich aussöhnten, keinen Vergleich mit den Athenern abgeschlossen, und sie hätten es auch jetzt nicht gethan, wenn nicht der Krieg mit den Jtoniern und Meläern, ihren Gränznachbarn und Pflanzbürgern sie in Verlegenheil gebracht hätte. — Phäax selbst kam einige Zeit daraus nach Athen zurück.
- 5.6.1
Kleon aber, nachdem er damals von Torone gegen Amphipolis gesegelt war, setzte sich in E'l'on fest und machte von da aus einen Angriff auf Stageiros, eine Pflanzstadt der Andrier, nahm sie jedoch nicht; Galepsos aber, die Pflanzstadt der Thasier, nahm er mit Gewalt. Auch schickte er Gesandte an den Perdikkas, daß er der Bundespflicht gemäß mit einem Heere ershceine, und andere nach Thrakien zum Odomanter-König Polles, daß er Thrakische Söldner in möglichster Zahl zuführe. Er selbst verhielt sich in der Gegend von E'l'on ruhig. Brasidas aber, als er hievon Kenntniß erhielt, nahm bei Kerdylion selbst eine Stellung gegen jenen. Dieser Platz gehört den Argiliern und liegt jenseits des Flusses auf einer Höhe, nicht sehr weit von Amphipolis entfernt, und von hier aus konnte die ganze Gegend eingesehen werden, so daß es nicht unbemerkt hätte bleiben können, wenn Kleon mit dem Heere von dort aufgebrochen wäre. Brasidas erwartete nämlich, daß Kleon dieß wirklich thun und aus Geringschätzung ihrer unbedeutenden Zahl mit dem eben anwesenden Heere gegen Amphipolis ziehen werde. Zugleich suchte er sich aber auch zu verstärken, indem er fünfzehn Hundert Thrakische Söldlinge und alle streitbaren Edoner zu Hülfe rief, leichte Schildträger sowohl als Reiter. Auch von den Myrkiniern und Chalkidiern erhielt er zu den leichten Schildträgern, die er in Amphipolis hatte, noch Tausend andere. An Schwerbewaffneten hatte er im Ganzen gegen zwei Tausend zusammengebracht, Hellenische Reiter drei Hundert. Mit fünfzehn Hundert Mann dieser Truppen nun hatte Brasidas bei Kerdylion Stellung genommen, die Uebrigen standen unter dem Befehl des Klearidas in Amphipolis.
- 5.7.1
Eine Zeit lang nun hielt sich Kleon ruhig, dann wurde er aber doch genöthigt zu< thun, was Brasidas erwartet hatte. Seine Soldaten waren nämlich über das unthätige Stillsitzen unwirsch und stellten Vergleiche an, mit welchem Unverstände und welcher Mattherzigkeit gegenüber solcher Erfahrung und Kühnheit der Feldzug von Seiten des Kleon werde geführt werden; dazu waren sie schon von Haus aus nur widerwillig unter seiner Führung ausgezogen. Da er nun den Wind merkte und nicht wollte, daß sie sich durch längeres unthätiges Verweilen belästigt fühlten, so hieß er sie aufbrechen und führte sie aus Ei'on. Und auf dieselbe Art, die ihm bei Pylos so glückliche Früchte getragen hatte, — weßhalb er sich denn auch sehr klug dünkte — verfuhr er auch hier. Er glaubte nämlich gar nicht, daß Einer zur Schlacht gegen ihn ausziehen werde, sondern sagte, daß er nur ausziehe, um die Gegend in Augenschein zu nehmen. Er kam also und ließ sein Heer vor Amphipolis auf einem starken Hügel Stellung nehmen, während er selbst die Sumpfgegend des Strymon und die Lage der Stadt gegen Thrakien hin untersuchte. Er dachte aber, zu jeder Zeit, wann er nur wolle, ohne Kampf abziehen zu können; denn weder zeigte sich Jemand auf den Mauern, noch zogen welche zu den Thoren heraus, sondern es blieben diese alle geschlossen. Deßhalb rechnete er es sich auch als einen Fehler an, daß er keine Maschinen von Athen mitgenommen habe; denn mit diesen, dachte er, hätte er die von Vertheidigern entblößte Stadt gewiß genommen.
- 5.8.1
BrasidaS aber, sobald er die Bewegungen der Athener wahrnahm, verließ sogleich auch seine Stellung bei Kerdylion und zog hinab in die Stadt. Dock unternahm er es nicht gegen die Athener auszuziehen und sich in Schlachtordnung aufzustellen, denn er scheute den Zustand seiner Streitmacht, die er für schwächer hielt, nicht in Hinsicht der Zahl, denn die hielt sich auf beiden Seiten so ziemlich das Gleichgewicht, sondern in Rücksicht des inneren Werthes — denn was von den Athenern mit ausgezogen war, waren ächte Kerntruppen, und so auch von Seiten der Lemnier und Jmbrier die Tüchtigsten. Er wollte also bei seinem Angriff List anwenden. Wenn er nämlich, dachte er, den Gegnern die Zahl und die nothdürftige Ausrüstung seiner Truppen zeigte, so werde ihm der Sieg wohl mehr Schwierigkeit machen, als wenn jene sie vorher nicht mit Augen gesehen und aus Kenntniß ihrer wirklichen Zustände sie verachten gelernt hätten. Er wählte sich also hundert und fünfzig Schwerbewaffnete aus und theilte die Andern dem Klearidas zu, in der Absicht die Athener sogleich anzugreifen, bevor sie wieder abzögen; denn er dachte, daß sich ihm wohl eine ähnliche Gelegenheit, sie so vereinzelt zu treffen, nicht zum zweiten Mal bieten werde, wenn erst der Zuzug sich mit ihnen vereinigt hätte. Er rief also sämmtliche Soldaten zusammen und redete zu ihnen, um sie zu ermuthigen und seine Absicht wissen zu lassen, wie folgt:
- 5.9.1
,,Ihr peloponnesischen Männer, es möge genügen, euch kurz zu erinnern, aus wie berühmtem Lande wir hieher gekommen sind, und daß unser Muth dasselbe immer frei erhalten hat; dann auch, daß ihr als Dorier gegen Jonier zu kämpfen im Begriff seid, die ihr immer zu besiegen gewohnt wäret. Ich will euch nun zeigen, auf welche Art ich den Angriff zu unternehmen gedenke, damit es euch nicht unzureichend dünke, daß wir in geringer Zahl und nicht mit gesammter Macht ausziehen, und damit Keiner deßhalb muthlos werde. Ich vermuthe nämlich, daß die Feinde mit Verachtung unser hieher gegen die Stadt gerückt sind und wohl gar nicht darauf gerechnet haben, daß Einer zum Kampf gegen sie ausziehe; und jetzt glaube ich, daß sie sich ohne Ordnung und sorglos mit Untersuchung der Gegend beschäftigen. Wer aber solche Fehler seiner Gegner am besten durchschaut und zugleich nach dem Verhältniß seiner eigenen Macht den Angriff nicht sowohl ans offener Schlachtaufstellung unternimmt als vielmehr nach dem Vortheil, den der Augenblick bietet, der möchte wohl am meisten ausrichten. Und dergleichen erstohlene Erfolge gewähren den schönsten Ruhm; denn so täuscht Einer den Feind auf's Gröblichste und nützt den Freunden am meisten. So lange sie also noch unvorbereitet und in sorgloser Sicherheit mehr an unbemerktem Abzug denken, wie ich an ihnen wahrzunehmen glaube, als an's Standhalten, und so lange sie in ihrer Lässigkeit zu keinem Beschlusse kommen und bevor sie sich noch mehr besonnen haben, will ich sie mit meinen Leuten hier wo möglich überraschen und im Sturmschritt die Mitte ihres Heeres anfallen. Du, Klearidas, sollst später, wenn du mich schon im Gefecht und, wie zu erwarten steht, sie in Verwirrung bringen siehst, plötzlich die Thore öffnen lassen, deine Leute mit den Amphipoliten und den übrigen Bundesgenossen hinausführen, aus jene anstürmen und so schnell als möglich handgemein zu werden suchen. Auf diese Weise haben wir am meisten Hoffnnng, Schreck und Verwirrung unter ihnen zu verbreiten; denn eine Abtheilung, welche später angreist, ist dem Feinde furchtbarer als die, mit der er bereits im Gefecht ist. So zeige dich also selbst als einen tapferen Mann, wie du es sein mußt, denn du bist ein Spartaner, und ihr, waffenverbündete Männer, folgt muthig und denket, daß zu rühmlicher Kriegführung entschlossener Wille und Ehrgefühl und Gehorsam gegen die Oberen gehöre! Denkt auch, daß es heute sich entscheiden wird, ob ihr durch Tapferkeit die eigene Freiheit erwerbet und den Ruhm, der Lakedämonier Bundesgenossen genannt zu werden, oder die Schande Athenischer Knechtschaft; im letzteren Falle, — wenn es noch aus'S Beste abgeht, ohne daß ihr als Sklaven verkauft oder hingerichtet werdet, — habt ihr jedenfalls noch eine härtere Knechtschaft zu erdulden, als ihr sie bis jetzt ertrüget; für die andern Hellenen aber werdet ihr ein Hinderniß der Befreiung. Also zeigt auch euch nicht weibisch, da ihr seht, um wie große Dinge der Kampf sich dreht; und auch ich werde euch beweisen, daß ich es nicht besser verstehe, Andere zur Tapferkeit zu ermuntern, als selbst Hand an's Werk zu legen."
- 5.10.1
Nach diesen Worten schickte sich Brasidas selbst zum Ausfall an und stellte auch die Andern unter Klearidas beim sogenannten Thrakischen Thore auf, damit sie ipäter, wie ausgemacht worden war. herausbrechen sollten. Da nun sein Abzug von Kerdylion ganz offen geschehen war, und man sah, wie er in der Stadt, die von Außen her eingesehen werden konnte, beim Tempel der Athene opferte nnd jene Anstalten traf, so wurde dem Kleon, der damals gerade auf Umschau sich genähert hatte, die Meldung gemacht, daß in der Stadt das ganze feindliche Heer auf den Beinen zu sehen sei, und daß man unter dem Thore durch die Fuße vieler Pferde und Menschen erblicken könne, als ob ein Ausfall geschehen solle. Auf diese Meldung ging jener näher hinzu, und da er sich mit eigenen Augen überzeugt hatte, aber doch keine entscheidende Schlacht liefern wollte, bevor nicht der Zuzug gekommen sei, und auch glaubte noch Zeit genug zum Rückzug zu haben, so befahl er den Abmarsch und hieß seine Leute, die Richtung auf den linken Flügel zu nehmen, wie es auch allein ausführbar war, und sich gegen Ei'on zurückzuziehen. Da ihm dieß aber zu langsam zu geheu schien, so ließ er selbst den rechten Flügel schwenfen, wodurch er dem Feinde die ungedeckte Flanke bot, und führte so das Heer zurück. In diesem Augenblick, als Brasidas die dargebotene Gelegenheit sah, und wie das Heer der Athener sich bewegte, sagte er zu seiner Mannschaft und den Andern: „Diese Leute werden uns nicht Stand halten, das kann man an der Bewegung der Lanzen und der Köpfe sehen; denn wo einmal das vorkommt, da pflegt ein Angriff keinen Widerstand zu finden; also öffne mir Einer das bestimmte Thor, und dann laßt uns rasch und muthig über sie herfallen!"
- 5.10.2
Er marfchirte also durch das Thor bei dem Psahlwerk, daS erste in der langen Mauer, wie sie damals war, heraus, schlug den geraden Weg nach der Gegend ein, wo jetzt an dem stärksten Punkt des Platzes das Siegeszeichen steht, fiel in die Athener, welche wegen ihrer eigenen Unordnung nicht weniger als über die Kühnheit jenes in Furcht geriethen, und drang nach der Mitte des Heeres vor. Und zugleich fiel auch Klearidas, wie verabredet war, durch das Thrakische Thor heraus und stürzte sich auf das Heer los. So geriethen die Athener also durch den unerwarteten plötzlichen Angriff auf zwei Seiten in Verwirrung, und ihr linker Flügel, der mehr gegen Ei'on hin stand und bereits auch einen Vorsprung hatte, riß sich sogleich ab und lief davon. Da wird Brasidas, der sich beim Weichen dieses Flügels nun gegen den rechten wendete, verwundet und die Athe ner zwar nahmen seinen Fall nicht wahr, die in seiner Nähe Stehen- den aber hoben ihn auf und trugen ihn weg. Der rechte Flügel der Athener hielt länger Stand; Kleon zwar, der von vorn herein nicht an's Standhalten gedacht hatte, lief spornstreichs davon, wurde aber von einem Myrkinischen leichten Schildträger eingeholt und getödtet. Seine Schwerbewaffneten jedoch zogen sich nach dem Hügel zusammen und wehrten den Angriff des Klearidas zwei oder drei Mal ab, und nicht eher wichen sie, als bis die Myrkinische und Ehalkidische Reiterei und die leichten Schildträger sie umstellten und durch ihre Schüsse zur Flucht nöthigten.
- 5.10.3
So war also bereits das ganze Heer der Athener geschlagen, und nur mit Mühe und aus vielen Wegen flüchteten die über das Gebirge, welche nicht sogleich im Handgemenge geblieben oder von der Ehalkidischen Reiterei und den leichten Schildträgern getödtet worden waren. Die Uebrigen entkamen nach Ei'on. Die den Brasidas aufgehoben und aus dem Schlachtgetümmel gerettet hatten, brachten ihn noch athmend in die Stadt; daß die Seinigen gesiegt, hörte er noch; danach aber gab er rasch den Geist aus. Das übrige Heer, als es unter Klearidas von der Verfolgung zurückkehrte, zog den Todten die Waffenrüstung aus und stellte ein Siegeszeichen'aus.
- 5.11.1
' Danach begruben den Brasidas die Bundesgenossen, insgesammt in Waffen ihm das Geleit gebend, auf öffentliche Kosten in der Stadt vor dem Platz, wo jetzt der Markt ist; und die Amphipoliten zogen später eine Einfassung um sein Grabmal und opfern ihm in die Erde als einem Heros, und haben zu seinen Ehren Kampfspiele und ähnliche Opfer eingeführt und legen ihm auch die Gründung ihrer Stadt bei, als habe er den Grund dazu gelegt; die HagnonishcenGebäude aber rissen sie nieder und machten dem Boden gleich, was sonst noch als Erinnerungszeichen an die Gründung der Stadt durch diesen Mann hätte dienen können; denn Brasidas, glaubten sie, sei als ihr Netter erschienen; zugleich wollten sie auch unter den gegenwärtigen Umständen aus Furcht vor den Athenern die Bundesgenossenschaft mit den Lakedämoniern recht warm halten und glaubten, daß bei der feindlichen Stimmung jener gegen Athen die Verehrung des Hagnon ihnen weder Nutzen bringen noch auch von jenen angenehm vermerkt werden möchte. — Die Todten verabfolgten sie an die Athener. Es waren aber von den Athenern gegen sechs Hundert gefallen; von den Gegnern aber nur sieben, weil nicht von beiden Seiten aus gleicher Schlachtaufstellung, sondern unter so merkwürdigen Umständen und gegen einen bereits in Verwirrung befindlichen Feind gekämpft worden war. Nachdem die Todten gesammelt waren, schifften die Athener nach Haus zurück. Die unter Klearidas trafen in Amphipolis ihre Einrichtungen.
- 5.12.1
Um dieselbe Zeit gegen Ende des Sommers führten die Lakedämonier Namphias und Autocharidas und Epikydidas eine Hülsstruppe von neun Hundert Schwerbewaffneten nach den Thrakischen Gränzlanden, und als sie nach dem Trachinischen Heraklca '') kamen, änderten sie, was an den dortigen Verhältnissen ihnen nickt gefallen wollte. Während sie nun hier verweilten, fiel jene Schlacht vor, und so ging der Sommer zu Ende.
- 5.13.1
Sogleich als der Winter eintrat zog die Truppe des Ramphias in Thessalien weiter und kam bis Pierion; da aber jetzt die Thessaler den Durchzug wehrten, und Brasidas, dem sie das Heer zuführen wollten, überdieß nicht mehr am Leben war, so marschirten sie wieder nach Hause zurück. Denn sie dachten, es sei jetzt nicht mehr der rechte Zeitpunkt, nachdem die Athener geschlagen und schon abgezogen wären; und sie hielten sich auch nicht für die Männer, um das auszuführen, was jener im Plane hatte. Hauptsächlich aber marshcirten sie deßhalb zurück, weil sie wußten, daß die Lakedämonier zur Zeit ihres Ausmarsches mehr dem Frieden zugeneigt waren.
- 5.14.1
Es geschah aber sogleich nach der Schlacht bei Amphipolis und dem Rückzüge des Ramphias aus Thessalien, daß keiner von beiden Theilen mehr sich an Kriegsunternehmungen wagen wollte, sondern beide ihre Gedanken mehr auf Frieden wendeten; die Athener, weil sie bei Delion und bald danach wieder bei Amphipolis hart getroffen worden waren und nicht mehr das zuversichtliche Vertrauen auf ihre Macht hatten, mit welchem sie früher den Vertrag von sich gewiesen, weil sie bei ihrem damaligen Glücke die entschiedene Oberhand zu behalten geglaubt. Dann fürchteten sie auch, daß die Bundesgenossen durch ihre Niederlagen noch weiter zum Abfall angespornt würden, und es reute sie jetzt, daß sie nach den Ereignissen in Pylos, wo sich ein ehrenvoller Anlaß bot, nicht in die dargereichte Hand eingeschlagen hatten. Den Lakedämoniern auf der andern Seite kam der Verlauf des Krieges ganz wider Erwarten, denn sie hatten geglaubt, die Macht der Athener in wenigen Jahren zu Boden zu werfen, wenn sie nur ihr Land verwüsteten; nun aber hatte sie das Unglück auf der Insel (Sphakteria) betroffen, wie ein ähnliches der Stadt Sparta niemals zugestoßen war, und von Pylos und Kythera aus wurde ihnen das Land verwüstet. Auch die Heloten liefen über, und sie mußten immer erwarten, daß auch die Zurückgebliebenen, auf den Beistand der auswärts Befindlichen bauend, ihnen, wie schon früher geschehen IV, Unruhen erregen würden. Dazu kam noch, daß auch der dreißigjährige Friedensvertrag mit den Argivern seinem Ende nahe war, und einen neuen wollten die Argiver nicht eingehen, außer wenn man ihnen die Landschaft Kynuria wieder zurückgebe. Und unter solchen Umständen schien es unmöglich, gegen Argiver und Athener zugleich Krieg zu führen. Auch von den peloponneisschen Städten hatten sie einige im Verdacht, daß sie aus Seite der Argiver treten würden, waS denn auch wirklich eingetroffen ist.
- 5.15.1
Solche Ueberlegungen pflogen beide Parteien, und beide glaubten deßhalb, man solle einen Frieden abschließen. Auch hatten die Lakedämonier keine geringe Sehnsucht, ihre Leute von der Insel zurückzuerhalten; denn es waren darunter die vornehmsten Männer unter den Spartiaten und mit ihnen allen gleicherweise verwandt. Sie hatten darum auch sogleich nach ihrer Gefangennehmimg ihretwegen zu unterhandeln angefangen, aber die Athener in ihrem Glücke wollten durchaus keinen Frieden abschließen, der beide Theile auf gleichem Fuße ließ. Nachdem diese aber bei Delion eine Schlacht ver loren, dachten die Lakedämonier sogleich, daß sie schon eher nachgeben würden, und schlössen den einjährigen Waffenstillstand ab, in dessen Annahme die Unterhandlung wegen eines längeren Friedens eingeschlossen war.
- 5.16.1
Als nun aber auch die Niederlage von Amphipolis die Athener betroffen hatte und Kleon und Brasidas nicht mehr am Leben waren, welche auf beiden Seiten dem Frieden am meisten entgegen- arbeiteten, — Brasidas, weil er glücklich war und der Krieg ihm Ruhm brachte, Kleon aber, weil er glaubte, daß nach wiedergekehrter Ruhe seine 'Schurkenstreiche eher an's Licht kommen und seine Verläumdüngen weniger Glauben finden würden; so konnten demnach in Athen wie in Sparta die beiden Männer, welche am eifrigsten den ersten Rang für sich erstrebten, nämlich Pleistoanax, des Pausanias Sohn, König der Lakedämonier, und Nikias, Sohn des Nikeratos, damals der glücklichste Feldherr, um so eifriger zum Frieden arbeiten. Nikias nämlich, der nie ein Unglück erfahren und hoch geehrt wurde, wünschte auch weiterhin sein Glück zu bewahren und für die Zukunft sowohl selbst der Mühseligkeit überhoben zu sein, als auch seine Mitbürger davon zu befreien; auch wollte er der kommenden Zeit den Ruf hinterlassen, als ob er sein ganzes Leben hindurch dem Staate niemals einen Unfall veranlaßt habe; das aber, glaubte er, werde Einem in gefahrloser Zeit zu Theil, und wenn Einer sich den Launen des Glücks so wenig als möglich aussetze; Gefahrlosigkeit aber werde der Friede gewähren ^).
- 5.16.2
Pleistoanax hingegen wurde von seinen Feinden wegen seiner Rückkehr aus der Verbannung verläumdet und mußte seinen Namen > den Lakedämoniern gegenüber von jenen immer gemißbraucht hören; denn so oft den Staat ein Unglück traf, hieß es immer, das komme von der gesetzwidrigen Zurückberufung des Pleistoanax. Sie beschuldigten ihn nämlich: er mit seinem Bruder Aristokles habe die Oberpriesterin in Delphi beredet, den Lakedämoniern, wann sie in heiliger Sendung kamen, lange Zeit immer wieder das Orakel zu geben: „des Halbgottes und Zeussohnes Samen sollten sie von fremder Erde in die heimische zurückführen, sonst würden sie mit silberner Pflugschaar pflügen müssen" und so habe er endlich die Lakedämonier dahin gebracht, ihn aus seinem Zufluchtsort, dem Lykäon IV, — wo er wegen seines vermeintlich durch Bestechung erkauften Rückzuges aus Attika in der Verbannung lebte und aus Furcht vor den Lakedämoniern damals in einem Hause wohnte, das zur Hälfte auf dem Grunde des Zeusheiligthums stand — nach neunzehn Jahren mit denselben Chortänzen und Opferfeierlichkeiten nach Sparta zurückzuführen, mit denen die Gründer Lakedämons die ersten Könige eingesetzt hatten.
- 5.17.1
Diese Verläumdung nun war ihm sehr lästig und dazu glaubte er, daß wenn Frieden eintrete, den Staat kein Unglück mehr betreffen könne, und auch zugleich die Lakedämonischen Gefangenen zurückkommen würden, und dann wäre er seinen Feinden unantastbar; so lange aber Krieg sei, wären die hervorragenden Männer in Folge von Unglücksfällen nothwendig immer der Verläumdung ausgesetzt; und deßhalb wünschte er eifrig den Frieden. Diesen Winter über nun wurde beiderseits verhandelt, und gegen den Frühling hin drohten bereits die Lakedämonier mit neuen Rüstungen, die sie durch die Städte ansagen ließen, gleich als beabsichtigten sie eine Belagerung, damit die Athener eher Gehör geben sollten. Bei den Verhandlungen nun wurden beiderseits viele Ansprüche vorgebracht, doch traf man 'eine Vereinbarung dahin, der Friede solle unter der Bedingung geschlossen werden, daß beide Theile, was sie durch Kampf gewonnen, zurückgäben. Nisäa aber sollten die Athener behalten; als diese nämlich die Herausgabe von Platäa verlangten, erklärten die Thebaner, sie hätten den Platz nicht durch Gewalt oder Verrath, sondern durch freiwillige Uebergabe seitens der Platäer in ihren Besitz gebracht, gerade wie die Athener Nisäa. Daraus riefen die Lakedämonier ihre Bundesgenossen zusammen, und da mit Ausnahme der Böotier und Korinther nnd Eleer und Megarer, welche nicht einverstanden waren, die Andern für den Frieden stimmten, so schlössen sie den Vertrag ab und bekräftigten ihn gegen die Athener, wie diese gegen die Lakedämonier, durch Opfer und Eidschwur. Er lautete aber so:
- 5.18.1
„Es haben Frieden geschlossen die Athener und die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen unter diesen Bedingungen, auf welche alle Städte geschworen haben:
- 5.18.2
„Was die gemeinsamen Heiligthümer betrifft, so mag opfern und den Gott befragen und heilige Sendungen schicken nach väter- licher Weise wer da will, zu Wasser und zu Lande, ungefährdet. Das, Heiligthum aber und der Tempel des Apollo zu Delphi und Delphi selbst sollen ihr^ eigenen freien Gesetze haben und an Niemanden Steuer zahlen und eigene Gerichtsbarkeit haben, die Einwohner über sich selbst und ihr Land nach Weise der Väter" 18).
- 5.18.3
,,Fünfzig Jahre soll der Friede bestehen zwischen den Athenern und den Bundesgenossen der Athener und den Lakedämoniern und den Bundesgenossen der Lakedämonier ohne Arglist und Gefährde zu Wasser und zu Lande."
- 5.18.4
„Waffen tragen zur Schädigung dürfen weder die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen gegen die Athener und ihre Bundesgenossen, noch auch die Athener und ihre Bundesgenossen gegen die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen, auf keinerlei Art und Weise."
- 5.18.5
„Wenn sie aber unter einander eine Streitsache haben, so sollen sie des Rechts gebrauchen und Eide schwören, wie sie unter einander vereinbart haben."
- 5.18.6
„Die Lakedämonier und Bundesgenossen sollen den Athenern Amphipolis zurückgeben."
- 5.18.7
„In allen Städten, welche die Lakedämonier an die Athener zurückgeben, sollen die Einwohner ausziehen dürfen, wohin sie wollen, sie selbst sammt Hab und Gut. Die Städte sollen nur den von AristideS festgesetzten Beitrag leisten und ihre eigenen Versassungen behalten. Und vom Abschluß des Friedens an dürfen die Athener und ihre Bundesgenossen die Städte, wenn sie ihre Steuer leisten, nicht mit gewaffneter Hand angreifen. Es sind aber diese Städte: Argilos, Stagciros, Akanthos, Skolos, Olynthos, Spartolos. Diese sollen neutral sein, weder den Lakedämoniern noch den Athenern verbündet. Wenn aber die Athener diese Städte überreden können, daß sie mit ihrem freien Willen in den Waffenbund der Athener treten, so soll ihnen das erlaubt sein."
- 5.18.8
„In Mekybernä und Sana und Singä sollen die Bürger dieselben Freiheiten haben wie die Olynthier und die Akanthier."
- 5.18.9
„Die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen sollen den Athenern auch Panakton zurückgeben."
- 5.18.10
„Die Athener sollen den Lakedämoniern Koryphasion und Kythera und Methone und Pteleon und Atalante zurückgeben und dergleichen auch alle Männer, die den Lakedämoniern angehören und zu Athen oder sonstwo auf Athenischem Gebiet in Gewahrsam sind. Auch sollen sie die in Skione belagerten Peloponnesier sowie alle Bundesgenossen der Lakedämonier, die dort sind, freigeben und auch Alle diejenigen, welche Brasidas dorthin geschickt hat, deßgleichen auch alle Bundesgenossen der Lakedämonier, die zu Athen oder sonstwo im Gebiet der Athener in Gewahrsam sind. Gleicher Weise sollen auch die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen die bei ihnen gefangenen Athener und Bundesgenossen freigeben."
- 5.18.11
„Was aber die Skionäer und Toronäer und Sermylier betrifft, und welche Stadt sonst noch die Athener bereits genommen haben, über diese und die andern Städte sollen die Athener nach Gutdünken beschließen."
- 5.18.12
„Es sollen die Athener in allen Städten der Lakedämonier und ihrer Bundesgenossen den Eid schwören. Beide Theile sollen aber den Eid schwören, der nach der Landessitte der höchste ist, Männer aus jeder Stadt für sich. Der Schwur soll so lauten: „„Ich werde diesen Frieden und diese Verträge in Treuen und ohne Arglist beobachten." " Ebenso sollen auch die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen den Athenern den Schwur leisten, und beide Theile sollen jedes Jahr den Schwur erneuern."
- 5.18.13
„Denksäulensollen errichtet werden zu Olympia und Pytho und auf dem Jsthmos und zu Athen in der Stadt und zu Lakedämon im Amykläon" 2').
- 5.18.14
„Wenn aber einer von beiden Theilen irgend etwas zu erwähnen vergessen hat, so soll es für Beide im Eide einbegriffen sein, daß sie unter rechtsgemäßem Verfahren Abänderungen treffen, wie sich beide Theile einigen, Athener und Lakedämonier."
- 5.19.1
„Es beginnt die Wirksamkeit des Vertrages unter dem Ephoren Pleistolas am siebenten Tage des absteigenden Monds Artemisios, und unter dem athenischen Archonten Alkäos am fünften Tage des absteigenden Monds Elaphebolion ^). Die Eidschwüre und Opfer haben vollzogen von Seiten der Lakedämonier: Pleistoanax, Agis, Pleistolas, Damagetos, Chionis, Metagenes, Akanthos, DaVthos, Jschagoras, Philocharidas, Zeuxidas, Antippos, Tellis, Alkinidas, Empedias, Menas, Laphilos, — von Seiten der Athener Lampon, Jsthmionikos, Nikias, Laches, Euthydemos, Prokles, Pythodoros, Hagnon, Myrtilos, Thrasykles, Theagenes, Aristokrates, Jolkios, Timokrates, Leon, Lamachos, Demosthenes."
- 5.20.1
Dieser Vertrag wurde geschlossen zu Winters Ende, mit Frühlingsanfang, sogleich nach dem städtischen Dionysosfeste ^), als, einige Tage auf- oder abgerechnet, gerade zehn Jahre verflossen waren, seit der erste Einfall in Attika geschah und damit dieser Krieg begann. Es möge aber der Leser nach den wirklichen Zeiten rechnen und nicht vielmehr der Aufzählung der Thatsachen nach den Namen der jedesmaligen Archonten oder sonst eines Würdenträgers Glauben schenken, welche zur Feststellung der früheren Ereignisse dienen ^). Denn damit ist nicht genau bestimmt, ob eine Thatsache in den Anfang oder in die Mitte oder in sonst einen andern Zeitpunkt einer Amtsdauer fällt. Zählt man aber nach Sommern und Wintern, wie bei Abfassung dieses Werkes geschehen ist, so wird man finden, da jeder von diesen beiden Zeiträumen eine Jahreshälfte ausmacht, daß dieser erste Krieg die Dauer von zehn Sommern und eben so vielen Wintern hatte.
- 5.21.1
Die Lakedämonier aber — denn sie waren durch das Loos dazu bestimmt worden, mit Herausgabe dessen, was sie gewonnen hatten, den Anfang zu machen — entließen sogleich die Kriegsgefangenen, welche sich in ihrer Hand befanden, und schickten in die Thrakischen Gränzlande als Abgeordnete den Jschagoras und Menas und Philocharidas mit dem Befehle an den Klearidas, Ainphipolis den Athenern zu übergeben, und daß auch die Andern den vereinbarten Friedensvertrag annehmen sollten. Die aber wollten nicht, weil sie die Bedingungen nicht für zureichend hielten, und auch Klearidas gab den Ehalkidiern zu gefallen Amphipolis nicht heraus, vorgebend, es sei ganz unmöglich die Stadt gegen den Willen jener zu übergeben. Doch reiste er selbst mit Gesandten von dort in aller Eile nach Lakedämon, um sich zu vertheidigen,-wann ihn JSchagoras und dessen Begleiter des Ungehorsanis anklagen würden; zugleich wollte er auch sehen, ob an dem Vertrag Nichts zu ändern sei; da er ihn aber bereits rechtsgültig abgeschlossen fand, so reiste er in Sendung der Lakedämonier sogleich wieder zurück mit dem Befehle, den Platz wo möglich zu überliefern; wenn aber nicht, so solle er mit allen Peloponnesiern von dort abmarshciren.
- 5.22.1
Da gerade die Bundesgenossen in Lakedämon anwesend waren, so forderten die Lakedämonier diejenigen unter ihnen, welche den Frieden nicht angenommen hatten, aus, sich demselben anzuschließen. Diese aber wiesen das Ansinnen unter demselben Vorwaiide zurück, wie auch das erste Mal, und weigerten sich dem Friedensschluß beizutreten, wenn man nicht billigere Bedingungen durchsetze. Da sie also kein Gehör gaben, so wurden sie von den Lakedämoniern entlassen, und diese schlössen nun ein Schutzbündniß mit den Athenern. Sie dachten nämlich, die Argiver, die schon bei Gelegenheit der Sendung des Ampelidas und Lichas den Frieden nicht hatten erneuern wollen, würden es zwar jetzt um so weniger wollen, seien aber ohne die Athener nicht zu fürchten, und der übrige Peloponnes werde sich wohl ruhig verhalten; erlaubten es freilich die Verhältnisse, so würden sie (die Argiver) sich mit den Athenern verbünden. — Da nun Gesandte der Athener anwesend waren, so einigten sie sich nach vorangegangenen Unterhandlungen, und es wurde folgender Waffenbund beschworen:
- 5.23.1
„In Gemäßheit dieses sollen die Lakedämonier (und Athener) aus fünfzig Jahre Bundesgenossen sein. Wenn Einer das Land der Lakedämonier feindlich angreift und den Lakedämoniern Schaden zufügt, sollen die Athener den Lakedämoniern aus jede Weise helfen, und mit so kräftiger Unterstützung es ihre Mittel nur erlauben. Haben aber die Angreifer das Land verwüstet und ziehen dann ab, so soll ihr Staat von den Lakedämoniern und Athenern als Feind betrachtet und von beiden gezüchtigt werden. Frieden sollen beide Staaten in Gemeinschaft schließen, und das Alles in Treuen und mit allem Eifer und ohne Arglist. Wenn aber die Sklaven aufstehen sollten, so müssen die Athener den Lakedämoniern nach ihren Mitteln mit ganzer Macht beistehen. Beschwören werden diesen Bund, von beiden Seiten diejenigen, welche auch den ersten Vertrag beschworen haben. Er soll aber aus jedes Jahr erneuert werden, indem die Lakedämonier zum Dionysossest nach Athen kommen, und die Athener zum Hyakinthossest nach Lakedämon. Beide Theile sollen eine Dcnksäule ausstellen, die eine zu Lakedämon neben der Bildsäule des Apollo im Amykläon, die andere zu Athen in der Stadt neben der Athene. Wenn es aber den Lakedämoniern und Athenern gut dünkt, zu diesen Punkten Zusätze zu machen oder etwas davon zu thun, was es auch immer sei, so soll das für beide Theile im Eid einbegriffen sein."
- 5.24.1
Den Eid schwuren von Seiten der Lakedämonier diese: Pleistoanax, Agis, Pleistolas, Damagetos, Chionis, Metagenes, Akanthos, Dai'thos, Jschagoras, Philocharidas, Zeuxidas, Antippos, Alkinadas, Tellis, Empedias, Menas, Laphilos, — von Seiten der Athener: Lampon, Jsthmionikos, Laches, Nikias, Euthydemos, Prokles, Pythodoros, Hagnon, Myrtilos, Thrasykles, Theagenes, Aristokrates, Jolkios, Timokrates, Leon, Lamachos, Demotshenes.
- 5.24.2
Dieser Waffenbund wurde nicht lange nach dem Friedensver-trage abgeschlossen, und die Athener gaben jetzt den Lakedämoniern die Leute von der Insel ^Sphakteria^ heraus, zur Zeit als der Somnier des eilsten Jahres anfing.
- 5.24.3
Hiemit ist der erste Krieg beschrieben, der ohne Unterbrechung zehn Jahre gedauert hat ^).
- 5.25.1
Nach dem Friedensvertrage und dem Waffenbunde der Lakedämonier und der Athener, welche zu Ende des zehnjährigen Krieges abgeschlossen worden waren, als Pleistolas Ephore in Lakedämon und Alkäos Archon in Athen war, herrschte zwar Friede zwischen denen, welche denselben angenommen hatten, die Korinthier aber und einige peloponnesifche Städte suchten den Vertrag zu erschüttern, und bald ergab sich auch noch weiteres Zerwürfniß zwischen Lakedämon und seinen Bundesgenossen. Aber auch den Athenern wurden die Lakedämonier im Verlaufe der Zeit verdächtig, denn sie erfüllten in einigen Punkten nicht, was vereinbart worden war. Sechs Jahre zwar und zehn Monate enthielten sie sich feindlicher Einfälle in das gegenseitige Gebiet, auswärts aber fügten sie sich unter trügerischer Waffenruhe einander großen Schaden zu, und später wurden sie dann genöthigt, den nach dem zehnjährigen Kampf geschlossenen Vertrag zu lösen und den offenen Krieg von Neuem zu beginnen.
- 5.26.1
Auch dieß hat derselbe Thukydides, Bürger von Athen, der Ordnung nach beschrieben, wie Alles auf einander gefolgt ist, nach Sommern und Wintern, bis die Lakedämonier und ihre Verbündeten der Oberherrschaft der Athener ein Ende machten und die langen Mauern und den Piräeus besetzten T Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Krieg im Ganzen sieben und zwanzig Jahre gedauert. Wenn aber Einer die dazwischen fallende Vertragszeit nicht auch zum Kriege mitgerechnet haben möchte, so wird er nicht recht urtheilen. Er möge nur sehen, inwiefern jene Zeit sich durch die Thatsachen unterscheidet, und er wird sinden, daß sie mit Unrecht eine Zeit des Friedens genannt würde, da weder herausgegeben noch in Empfang genommen wurde, was der Vertrag vorschrieb. Dazu kam auch noch der Mantineische und der Epidaurische Krieg und andere Verstöße beiderseits. Auch verharrten die Bundesgenossen in den Thrakischen Gränzlanden nach wie vor in feindlicher Stellung, und die Böotier beobachteten nur einen Waffenstillstand, der von zehn zu zehn Tagen erneuert wurde. Mit dem zehnjährigen ersten Krieg also und der darauf fol- genden zweideutigen Waffenruhe und dem aus derselben hervorgehen- den späteren Kriege wird man, um wenige Tage auf oder ab 2 7), eben jene Zahl von Jahren finden, wenn man die Zeiten berechnet. Und denen, welche sich au Orakelsprüche halten, ist dieß allein richtig eingetroffen; denn ich erinnere mich, von Anfang des Krieges bis zu seinem Ende von Vielen immer gehört zu haben, daß derselbe dreimal neun Jahre dauern müsse. Ich selbst habe den ganzen Krieg mit erlebt, befand mich in einsichtigeren Jahren und habe ihm ernste Aufmerksamkeit gewidmet, so daß ich Zuverlässiges darüber wissen kann; auch hat es sich mir ereignet, daß ich nach meinem Feldzug gegen Amphipolis zwanzig Jahre meine Vaterstadt meiden mußte, und so konnte ich in der Nähe der beiderseitigen Ereignisse, meiner Verbannung wegen nämlich auch der Peloponnesischen, in Ruhe den Gang der Dinge beobachten.
- 5.26.2
Nun will ich den nach den (ersten) zehn Jahren eingetretenen Zwist und die Auflösung des Vertrages erzählen, und was danach für Kriegsthaten geschehen sind.
- 5.27.1
Nachdem der fünfzigjährige Friedensvertrag nnd danahc der Waffenbund abgeschlossen waren, reisten die Gesandtschaften, welche zu diesem Zwecke berufen worden, wieder von Lakedämon ab; die Andern nun gingen nach Hause, die Korinther aber wendeten sich zuvor nach Argos und verabredeten mit einigen Argivern, die in Amt und Würden tsanden: weil die Lakedämonier nicht in guter Absicht sondern zur Unterjochuug des Peloponnes Frieden und Bundessreuudschaft mit den Athenern geschlossen hätten, die doch vorher ihre erbittertsten Feinde gewesen seien, so sollten die Argiver zusehen, daß die peloponnesische Freiheit gerettet werde, und sie sollten beschließen, daß welche Stadt der Hellenen nur wolle, sofern sie nur ihre freie Verfassung habe und Allen gleiches Recht gewähre, mit den Argivern ein Waffenbündniß zum Schutz ihrer gegenseitigen Gebiete eingehen könnte. Und sie sollten dazu einige wenige Männer ernennen, die in Ansehung ihrer Gewalt ganz freie Hand hätten; vor das Volk aber solle man die Verhandlungen nicht bringen, damit wenn die Menge sich nicht überreden lasse, die Namen jener Männer nicht bekannt würden. Sie behaupteten auch, daß aus Haß gegen die Lakedämonier Viele sich ihnen anschließen würden. Nachdem die Korinther diese Maßregeln an die Hand gegeben, kehrten sie nach Hause zurück.
- 5.28.1
Die Beamten der Argiver aber hatten ihnen Gehör geschenkt, und als sie die Sache vor die Obrigkeit und die Volksversammlung brachten, nahmen die Argiver die Vorschläge durch allgemeinen Beschluß an und wählten zwölf Männer, mit welchen Wer von den Hellenen immer wolle, mit Ausnahme der Athener und Lakedämonier, ein Waffenbündniß abschließen könne; von diesen beiden aber solle Keiner ohne die Entscheidung der Argivischen Volksversammlung dem Bunde beitreten können. Solche Vorschläge nahmen aber die Argiver hauptsächlich aus dem Grunde an, weil sie sahen, daß ihnen ein Krieg mit den Lakedämoniern bevorstehe; denn ihr Waffenstilltsandsvertrag mit denselben ging seinem Ende zu, und dann hofften sie auch, die Oberleitung des Peloponnes zu gewinnen, denn um jene Zeit hatte der Ruf Lakedämons sehr gelitten und es wurde schon seiner Unfälle wegen über die Achsel angesehen; die Argiver andererseits tsanden sich aber damals von Allen am besten, weil sie an der Last des Attischen Krieges nicht mitgetragen hatten und als mit beiden Theilen im Frieden lebend ihre Einkünfte ungeschmälert genossen. Die Argiver also nahmen auf diese Weise in ihren Waffenbund auf, wer von den Hellenen nur wollte.
- 5.29.1
Zuerst traten zu ihnen die Mantineer^) und deren Bundesgenossen, ans Furcht vor den Lakedämoniern; denn die Mantineer batten sich noch während des Krieges gegen die Athener einen Theil Arkadiens unterworfen, und sie dachten nun, die Lakedämonier würden sie nicht ruhig darüber herrshcen lassen, wenn sie nur erst selbst Muße fänden. Es war ihnen deßhalb erwünscht, sich an Argos anschließen zu können; denn sie hielten dieß für einen mächtigen Staat, der mit den Lakedämoniern von jeher in Feindschaft gelebt habe und wie sie selbst eine demokratische Verfassung besitze. Als die Mantineer abgefallen waren, begann auch im übrigen Peloponnes das Gerede, daß man es ihnen nachthun müsse; denn man glaubte, jene wüßten etwas mehr und seien darum abgefallen. Dann waren sie auch aus die Lakedämonier erbittert, sowohl aus andern Ursachen als auch weil es in dem Attischen Vertrage hieß, es solle dem Eid nicht schaden, wenn beide Staaten, die Lakedämonier und Athener, an dem Vertrage nach beiderseitigem Gutdünken etwas zu- oder abthun wollten. Diese Bestimmung machte im Peloponnes viel böses Blut und erregte den Verdacht, die Lakedämonier möchten in Verbindung mit den Athenern sie unterjochen wollen; denn es wäre gerecht gewesen, daß die Erlaubniß zu Abänderungen auf alle Bundesgenossen ausgedehnt worden wäre. Deßhalb also schwebten die Meisten in Furcht und waren geneigt, sowohl mit den Argivern als auch unter einander einen Waffenbund zu schließen.
- 5.30.1
Als die Lakedämonier nun merkten, daß solches Gerede durch den Peloponnes gehe und die Korinther hiezu die Weise angäben und auch für sich selbst beabsichtigten, mit den Argivern in Bund zu treten, so schickten sie Gesandte nach Korinth um dem vorzubauen, und beschuldigten sie, daß sie das Ganze angegeben hätten; und wenn sie von ihnen abfallen und der Argiver Bundesgenossen werden wollten, so würden sie damit ihre Eide verletzen. Und schon damit thäten sie Unrecht, daß sie den Vertrag mit den Athenern nicht annähmen, da doch ausgemacht worden wäre, daß für Alle verbindlich sei, was die Mehrzahl der Bundesgenossen beschließen würde,'es sei denn, daß von den Göttern oder Heroen ein Verbot käme.
- 5.30.2
Die Korinther nun in Gegenwart derjenigen Bundesgenossen, welche gleichfalls den Vertrag nicht angenommen hatten — sie hatten dieselben nämlich schon vorher selbst eingeladen — widersprachen den Lakedäinoniern. Doch sagten sie ihnen nicht gerade in's Gesicht, worin sie wirklich übervortheilt worden waren, nämlich daß sie von den Athenern weder Sellion noch Anaktorion zurück erhalten hätten, oder wodurch sie sonst benachtheiligt zu sein glaubten, sondern sie nahnien sich zur Ausrede, daß sie die Bundesgenossen in den Thrakischen Gränzlanden nicht verrathen wollten. Denn sie hätten denselben damals besondere Eide geshcworen, als sie mit den Potidäern ihren Abfall in's Werk setzten, und später noch andere. Sie verletzten also, sagten sie, damit die Eide gegen ihre Bundesgenossen nicht, daß sie dem Vertrag mit den Athenern nicht beitreten wollten; denn nachdem sie ihnen bei den Göttern Trene zugeschworen, so wäre das ein schlechtes Eidhalten, wenn sie dieselben jetzt preisgeben wollten. Es sei ja vereinbart worden: „wenn nicht von den Göttern oder Heroen ein Verbot ausgehe", und das scheine ihnen eben ein göttliches Verbot zu sein. So viel sagten sie in Betreff der früheren Eidschwüre; über das Bündniß mit den Argivern, erklärten sie, würden sie mit ihren Freunden Rathes pflegen und thun, was Recht sei. Damit kehrten dann die Lakedämonischen Gesandten nach Hause zurück. Es waren aber auch Abgeordnete der Argiver zu Korin^ anwesend, welche die Korinther aufforderten in ihren Bund einzutreten und nicht zu zaudern, worauf diese sie aufforderten sich zu der auf später bei ihnen anberaumten Versammlung einzufinden.
- 5.31.1
Es kam aber auch gleich damals eine Gesandtschaft der Eleer 29), schloß zuerst mit den Korinthern ein Bündniß und ging von da, wie ihnen daheim befohlen worden war, nach Argos, wo sie der Argiver Bundesgenossen wurden. Sie hatten nämlich Lepreon's wegen einen Span mit den Lakedämoniern. Denn es war einst zwischen arkadischen Städten und den Lepreaten zum Krieg gekommen, worauf diese die Bundesgenossenschaft der Eleer anriefen mit dem Erbieten, ihnen den Ertrag ihres halben Gebietes zu überlassen. Die Eleer legten nun den Krieg bei, überließen aber das Land den Lepreaten selbst zur Benützung und legten ihnen nur ans, dem Olympischen Zeus (jährlich) ein Talent zu entrichten. Bis zum Attischen Kriege nun wurde dasselbe auch entrichtet, als aber dann die Lepreaten die Zahlung einstellten und den Krieg zum Vorwand nahmen, wurden sie von den Eleern dazu gezwungen, und nun wandten sich jene an die Lakedämonier. Die Sache wurde einem Lakedämonischen Schiedsgericht übergeben; da aber dann die Eleer vermutheten, wohl kein billiges Urtheil zu erhalten, so traten sie wieder zurück und ver wüsteten das Gebiet der Lepreaten. Nichtsdetsoweniger aber gaben die Lakedämonier den Entscheid, die Lepreaten sollten ganz frei sein< und die Eleer hätten Unrecht; und weil diese ihren Beitritt zu ihrem Schiedsgericht wieder zurückgenommen hatten, so legten sie eine Besatzung von Schwerbewaffneten nach Lepreon. Die Eleer aber sahen die Sache so an, als ob die Lakedämonier eine von ihnen abgefallene Stadt angenommen hätten, und beriefen sich aus den Vertrag, in welchem bestimmt war, daß was die Teilnehmer zu Anfang des Krieges besessen hätten, sie auch am Schlüsse desselben als Eigenthum haben sollten; es sei ihnen also Unrecht geschehen; und deßhalb traten sie zu den Argivern über und schlossen, wie erzählt ist, auch ihrerseits den Waffenbund. Bald nach ihnen wurden auch die Korinther und die Thrakischen Chalkidier der Argiver Verbündete. Die Böoter aber und die Megarer, obgleich sie dieselbe Sprache führten, verhielten sich theilnahmlos, da die Lakedämonier überhaupt kein Augenmerk mehr auf sie hatten, und sie selbst der Argiver demokratische Verfassung ZU) ihren eigenen oligarchischen Einrichtungen weniger förderlich hielten als die Staatsverfassung der Lakedämonier.
- 5.32.1
Um dieselbe Zeit in jenem Sommer endete die Belagerung Skione's mit Eroberung der Stadt, und die Athener ließen die Erwahcsenen männlichen Geschlechts hinrichten, Weiber und Kinder aber verkauften sie als Sklaven und des Land überließen sie zur Benützung den Platäern. Die Delier führten sie wieder nach Delos zurück, weil sie sich ihre Niederlagen zu Gemüthe führten, und auch weil der Gott in Delphi es befohlen hatte ^Damals begann auch der Krieg zwischen Phokiern und Lokrern.— Die Korinther und Argiver, die sich bereits verbündet hatten, gingen jetzt auch nach Tegea um diese Stadt den Lakedämoniern abwendig zu machen. Sie sahen nämlich, daß das Gebiet ein beträchtliches Stück Landes war, und wenn dasselbe auf ihrer Seite stünde, dachten sie, so würde der ganze Peloponnes ihnen gehören. Als aber die Tegeaten zur Antwort gaben, daß sie nichts Feindliches gegen die Lakedämonier unternehmen würden, so ließen die Korinther, die bis jetzt mit Leidenschaft in diesem Sinne gearbeitet hatten, von ihrer Großmachtsucht in etwas > nach und besorgten, es möchte von den Andern jetzt Niemand mehr zu ihnen treten. Gleichwohl gingen sie noch zu den Böotern und baten sie, ihre und der Argiver Bundesgenossen zu werden und auch sonst mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Ferner verlangten sie, die Böoter sollten mit ihnen nach Athen gehen und ihnen einen eben solchen zehntägigen Waffenstillstand auswirken, wie er zwischen Athenern und Böotern nicht lange nach dem fünfzigjährigen Friedensvertrage war abgeschlossen worden; wenn aber die Athener darauf nicht eingingen, so sollten sie diesen Waffenstillstand aufkündigen und dann künftig ohne sie keinen neuen Vertrag schließen. In Betreff des Bündnisses mit den Argivern nun gaben die Böoter auf das Ansuchen der Korinther zur Antwort, man solle ihnen noch etwas Zeit lassen. Nach Athen geleiteten sie die Korinther, konnten aber den zehntägigen Waffenstillstand für sie nicht erwirken, sondern die Athener gaben zur Antwort, es bestehe ja schon ein Bündniß zwischen ihnen und den Korinthern, sofern diese Bundesgenossen der Lakedämonier seien. Die Böoter aber kündeten deßhalb ihren zehntägigen Stillstandsvertrag nicht auf, so viel auch die Korinther baten und ihnen Vorwürfe machten, daß sie doch so übereingekommen seien; zwischen Korinthern und Athenern herrschte aber doch Waffenruhe, auch ohne besonderen Vertrag.
- 5.33.1
Die Lakedämonier unternahmen in diesem Sommer unter Führung ihres Königs Pleistoanax, Sohnes des Pausanias, mit ihrer gesammten Macht einen Zug in das Gebiet der Parrhasier in Arkadien, Unterthanen der Mantineer ^?), da diese sie innerer Unruhen wegen herbeiriefen; zugleich aber dachten sie auch die Festung Kypsela wo möglich zu schleifen, welche die Mantineer verschanzt und mit einer Besatzung versehen hatten. Dieselbe liegt im Parrhasischen Gebiet an der Gränze gegen die Skiritische Landschaft in Lakonien. Die Lakedämonier ihrerseits verwüsteten das «Gebiet der Parrhasier; die Mantineer aber überließen die Besatzung ihrer Stadt Argivern und übernahmen selbst den Schutz ihrer Bundesgenossen. Sie konnten aber die Festung von Kypsela und die Parrhasischen Städte nicht zugleich decken und zogen deßhalb wieder ab. Nun gaben die Lakedämonier den Parrhasiern Unabhängigkeit, rissen die Festung nieder und zogen wieder ab nach Hause.
- 5.34.1
In demselben Sommer, als die mit Brasidas ausmarschirten Truppen, welche Klearidas nach dem Friedensschlüsse wieder abzuführen hatte, aus Thrakien zurückkamen, beschlossen die Lakedämonier, daß die Heloten, welche unter Brasidas gefochten hatten, frei sein sollten und sich ansiedeln könnten, wo sie wollten, und nicht lange danach, weil sie doch schon einmal mit den Eleern in Streit lebten, verpflanzten sie dieselben sammt den Neodamoden nach Lepreon an der Gränze von Lakonika und Eleia. Damals erklärten sie auch die Spartiaten, welche sich auf der Insel gefangen gegeben und ihre Waffen ausgeliefert hatten, für ehrlos, obgleich einige von ihnen bereits wieder Aemter bekleideten. Sie fürchteten nämlich, dieselben möchten jenes Unfalls wegen glauben, sie müßten hinter den Andern zurückstehen, und deßhalb ans Neuerungen ausgehen, wenn man ihnen die Bürgerehre lasse. Ehrlos aber waren sie nur, insofern sie kein Amt verwalten und rechtsgültig weder etwas kaufen noch verkaufen konnten. Einige Zeit danach aber wurden sie wieder für ehrlich erklärt 2»).
- 5.35.1
In demselben Sommer nahmen auch die Diktidier das am Athos gelegene Thyssos, eine den Athenern verbündete Stadt.
- 5.35.2
Diesen ganzen Sommer durch verkehrten Athener und Peloponnesier friedlich unter einander; es hatten aber schon sogleich nach dem Friedensschlüsse Athener und Lakedämonier auf einander Argwohn, weil Keiner dem Andern die eroberten Plätze auslieferte. Die Lakedämonier hatte nämlich das Loos getroffen, mit der Uebergabe von Amphipolis den Anfang zu machen; sie hatten aber weder diese Stadt noch auch die andern Plätze herausgegeben und verhielten auch weder die Bundesgenossen in den Thrakischen Gränzlanden noch auch die Böoter und Korinther zur Annahme des Vertrages, obgleich sie immer die Redensart im Munde führten, sie wollten jene, falls sie sich weigerten, mit den Athenern gemeinsam dazu zwingen, und sie bestimmten sogar auch einen gewissen Zeitpunkt, —jedoch ohne sich schriftlich zu verpflichten —, von welchem an diejenigen, die bis dahin nicht beigetreten wären, von beiden Theilen als Feinde behandelt werden sollten. Als aber die Athener sahen, daß von Allem dem gar Nichts wirklich geschah, so fingen sie an zu argwöhnen, daß die Lakedämonier nichts Gutes im Schilde führten, und sie gaben deßhalb trotz der Forderung jener nicht nur Pylos nicht zurück, sondern es reute sie sogar, die Gefangenen von der Insel herausgegeben zu haben. Und auch die übrigen Plätze behielten sie und wollten abwarten, bis erst jene ihren Verpflichtungen nachkämen.
- 5.35.3
Die Lakedämonier hingegen behaupteten gethan zu haben, was in ihrer Macht stehe; denn sie hätten die bei ihnen gefangen gehaltenen Athener frei gelassen und ihre Truppen aus den Thrakischen Gränzlanden weggezogen und sonst gethan, was ihre Macht erlaubte; über Amphipolis aber seien sie nicht in soweit Herr gewesen, daß sie es hätten übergeben können; die Böoter und Korinther würden sie immer noch zur Annahme des Friedensvertrages zu bewegen suchen, von ihnen auch Panakton herausfordern und alle in Böotien befindlichen Kriegsgefangenen der Athener ihnen zurückverschaffen. Pylos, verlangten sie, solle man ihnen zurückgeben, oder wenn das nicht, so doch wenigstens die Messenier und Heloten herausziehen, wie sie selber es in Thrakien gethan hätten; die Athener könnten ja den Platz selbst besetzen, wenn sie wollten. Nachdem nun im Laufe dieses Sommers oft und viel unterhandelt worden war, bewogen sie die Athener endlich dazu, die Messenier und die Uebrigen, Heloten nämlich und wer sonst aus Lakonika übergelaufen war, aus Pylos zu ziehen. Diese Leute erhielten dann Wohnsitze zu Krania auf Kephallenia. — Diesen Sommer also herrschte Ruhe, und beide Theile verkehrten unter einander.
- 5.36.1
Im folgenden Winter, — da schon andere Ephoren als die, unter welchen der Vertrag zu Stande gekommen war, die Negierungsgewalt hatten und unter ihnen auch einige Gegner des Friedens, — kamen Gesandte der Bundesgenossenschaft (nach Lakedämon) und auch Athener, Böoter und Korinther waren zugegen, und sie verhandelten da viel unter einander, kamen aber zu keinem Ziel; als nun die Andern schon wieder abgereist waren, knüpften Kleobulos und Lenares, diejenigen unter den Ephoren, welche am meisten den Vertrag zu beseitigen wünschten, mit den Böotern und Korinthern besonders Unterhandlungen an und forderten sie auf, mit einander nur dasselbe Ziel im Auge zu haben; die Böoter sollten versuchen, zuerst für sich selbst Bundesgenossen der Argiver zu werden und dann sich selbst sammt den Argivern mit den Lakedämoniern zu verbünden; so würden sich die Böoter am besten davor schützen, zur Annahme des Attischen Vertrages gezwungen zu werden; denn die etwaige Feindschaft der Athener und eine Auflösung des Vertrages sei für die Lakedämonier nicht von der Bedeutung wie Freundschaft und Wassenbündniß mit den Argivern; sie wußten nämlich wohl, wie die Lakedämonier von jeher den Wunsch hegten, es möge zwischen ihnen und Argos auf ehrenvolle Weise ein freundschaftliches Verhältniß, hergestellt werden, weil sie dafür hielten, daß in diesem Fall ein Krieg außerhalb des Peloponnes ihnen weniger drückend falle. Was Panakton betrifft, so baten sie die Böoter, dasselbe an die Lakedämonier zu übergeben, damit sie wo möglich Pylos dafür eintauschen könnten, und so für den Krieg gegen die Athener um so besser gestellt wären.
- 5.37.1
Nachdem die Böoter und Korinther von Lenares und Kleobulos und deren Freunden jene Aufträge erhalten hatten, um sie ihren Staatsbehörden mitzutheilen, reisten beide Gesandtschaften wieder ab. Aus sie aber warteten von den Argivern zwei Mitglieder der höchsten Obrigkeit auf ihrem Heimwege und traten mit ihnen in Unterhandlung, ob nicht die Böoter sich ebenso mit ihnen verbunden wollten wie die Korinther und- Eleer und Mantineer; denn wenn das zu Stande käme, würden sie ihres Erachtens sowohl zu den Lakedämoniern als auch erforderliches Falles zu jedem Andern leicht in Kriegs- oder Friedensstand treten können, wenn sie wollten, da die Verbündeten ja mit ihnen gemeinsame Sache machen würden. Den Gesandten der Böoter behagten diese Anträge; denn zufällig ersuchten die Argiver eben um das, was die Freunde zu Lakedämon in Auftrag gegeben hatten, und als die Argivischen Männer sahen, daß jene ihnen Gehör gaben, so verabschiedeten sie sich mit dem Versprechen, Gesandte zu den Böotern schicken zu wollen. Die Böoter kamen zu Hause an und meldeten den Böotarchen, welche Aufträge man ihnen von Lakedämon mitgegeben habe ind um was die Argiver ersucht, mit denen sie zusammengetroffen waren. Auch den Böotarchen gefielen diese Dinge, nnd sie gingen um so eifriger darauf ein, weil es sich von zwei Seiten so glücklich traf, daß ihre Freunde unter den Lakedämoniern dasselbe Anliegen hatten, auf welches auch die Argiver hinzielten. Nicht lange danach erschienen denn auch Argivische Gesandte, welche zur Annahme der Vorschläge aufforderten. Die Böotarchen stimmten ihrem Ansuchen bei und entließen sie mit dem Versprechen, Gesandte nach Argos schicken zu wollen, um den Waffenbund zu betreiben.
- 5.38.1
Unterdessen beschlossen die Böotarchen und die Korinther sammt den Megarern und den Thrakischen Gesandten, sich zuerst unter einander gegenseitig Eide zu schwören, im Fall der Noth treulich dem beizustehen, der es bedürfen solle, und weder Krieg zu führen noch Frieden zu schließen ohne gemeinsame Übereinkunft; und so sollten denn sogleich die Boöter und Megarer, — denn hier waltete Einstimmigkeit ob —, mit den Argivern den Vertrag abschließen. Bevor jedoch die Eide geshcworen wurden, machten die Böotarchen darüber Mittheilung an die vier Rathsbehörden der Böoter, welche in allen Dingen die oberste Entscheidung haben, und trugen darauf an, daß alle Städte den Schwur leisten sollten, welche sich ihnen zu gemeinsamem Nutzen eidlich verbinden wollten. Die im Rath der Böoter gingen aber darauf nicht ein aus Besorgniß, sie möchten etwas den Lakedämoniern Anstößiges thun, wenn sie Eidgenossen der Korinther würden, die von jenen abgefallen waren. Denn die Böotarchen hatten ihnen nicht mitgetheilt, welche Nachrichten aus Lakedämon mitgebracht worden waren, — daß nämlich die Ephoren Kleobnlos und Xenares und deren Freunde aufgefordert hatten, zuerst Bundesgenossen der Argiver und Korinther und dann mit diesen Verbündete der Lakedämonier zu werden —, in der Meinung, der Rath werde auch ohne diese Mittheilung nichts Anderes beschließen, als was sie selbst vorher ausgemacht und dann zum Beschluß empfohlen hatten. Da nun so ein Riegel vorgeschoben war, so reisten die Korinther und die von Thrakien gekommenen Gesandten unverrichteter Dinge wieder ab; die Böotarchen aber, welche, wenn sie erst damit durchgedrungen wären, beabsichtigt hatten, den Abschluß eines Waffen- bündnisses mit den Argivern zu versuchen, stellten jetzt gar keine Anträge mehr an die Nathsbehörden in Betreff der Argiver und schickten nicht einmal die versprochene Gesandtschaft nach Argos, wie denn das ganze Geschäft nachlässig und schläfrig betrieben wurde.
- 5.39.1
In demselben Winter nahmen die Olynthier durch Ueberfall das von den Athenern besetzte Mekyberna.
- 5.39.2
Danach — denn immer noch wurden zwischen Athenern und Lakedämoniern Verhandlungen gepflogen der Plätze wegen, die sie noch Einer vom Andern in Besitz hatten — oachten die Lakedämonier, wenn die Athener erst Panakton von den Böotern zurückerhielten, so würden auch sie Pylos bekommen. Sie schickten also Gesandte an die Böoter mit dem Ansuchen, ihnen Panakton und die Athenischen Kriegsgefangenen auszuliefern, damit sie PyloS dagegen eintaushcen könnten. ^Dte Böoter. aber, gaben, zur Antwort, sie würden jen^S, unter keiner andern Bedingung herausgeben, als wenn die Lakedämonier mit ihnen ein besonderes Waffenbündniß, wie mit den Athenern, abschlössen. Die Lakedämonier wußten nun zwar, daß damit den Athenern Unrecht geschehe, weil ausgemacht worden war, daß ein Theil ohne den andern weder Krieg führen noch einen Vertrag schließen dürfe, sie wünschten aber gleichwohl, Panakton zu erhalten, um Pylos dagegen einzutaushcen, und da auch diejenigen unter ihnen, welche den Vertrag zu lösen bestrebt waren, die Sache der Böoter eifrig betrieben, so schlössen sie mit denselben zu Ende des WinterS und gegen FrühlingS-Anfang das Waffenbündniß ab. Panakton 'wurde dann sofort dem Erdboden gleich gemacht. Damit ging das eilfte Jahr des Krieges zu Ende
- 5.40.1
Sogleich mit Frühlings-Anfang^im folgenden.-,Sommer, da die Gesandten nicht kamen, welche die Böoter zu schicken.versprohcen, und.die Schleifung von Panakton bekannt wurde, und daß zwischen Böotern und Lakedämoniern ein besonderes Waffenbündniß abgeschlossen worden sei, geriethen die Argiver in Furcht, sie möchten vereinzelt gelassen werden, und die ganze Bundesgenossenschast zu den Lakedämoniern übertreten.,? Sie ^dachten nämlich, die. Böoter^hätten sich von den Lakedämoniern überreden lassen/Panakton niederzureißen und dem Vertrage -mit den Athenern beizutreten,/und die Athener wüßten um Alles. ^Sie glaubten deßhalb, es sei jetzt nicht einmal mehr Zeit für sie, mit den Athenern ein Bündniß zu schließen, während sie früher bei dem Zwist beider Mächte gehofft hatten, daß ihnen jedesfalls daS.Bündnißmit? den Athenern offen stehe, wenn sieben Vertrag mit den Lakedämoniern nicht erneuern wollten.^..Das also setzte die Argiversin Verlegenheit, .und.da sie'fürchteten, mit...den Lakedämoniern, Tegeaten, Böotern und Athenern zugleich in Krieg verwickelt'^ werden,. so schickten sie, —'die von den Lakedämoniern einen Vertrag nicht hatten, annehmen wollen sondern sich .im stolzen Traum der Herrschaft über-den; Peloponnes gewiegt,.—-so schnell sie nur.'konnten den.EustrophoS und. den. Aeson die als sehr befreundet mit den Lakedämoniern galten, als Gesandte nach Sparta, ent- schlossen unter den gegenwärtigen Umständen um jeden Preis, möge es kommen wie es wolle, mit'de« Lakedämonietn einen Vertrag zu schließen/um nur Ruhe zu haben.
- 5.41.1
diese Gesandten angekommen waren, unterhandelten sie-mit'den Lakedämoniern, auf welcbe ^Bedingungen hin'sie einen Vertrag erhalten könnten. Undczuerst verlangten die-Argiver,.. es solle'entweder eine Stadt 'oder ein einzelner Mann einen shciedsrichterlichen Spruch -in Betreff der Landschaft Kynuria fällen; wegen deren'sie' immer'? hadern; es ist dieß das Gränzgebiet zwischen beiden Staaten, mit den Städten Thyrea und Antbene, und die Nutztileßüisg'davon haben die LakedänioNier. > Da" diese-aber-nicht erlauben-wollten, daß der Sache auch nur Erwähnung geschehe, jedoch sich "bereit erklärten/ unter den früheren Bedingungen'den Vertrag zu erneuern, wenn es ihnen genehm sei, so vermochten die Argivischen Gesandten'gleichwohl die Lakedämonier zu folgendem Zugeständnis Für' jetzt solle ein fünfzigjähriger Friede geschlossen werden, es solle aber beiden-Theilen frei stehen, zu'einer Zeit, wo weder Seuche noch Krieg in Lakedämon und Argos herrsche, den andern herauszufordern, um über den Besitz jenes Landstriches die Waffen entscheiden zu lassen, Wie schon früher einmal geschehen sei,' wo-aber beide Theile sich den Sieg zuschrieben-35); es solle aber dann nicht erlaubt sein einander tveitel' als' bis zu" den'Gränzen °-von'->ArgoS und Lakedämon zu verfolgen.' Den'Lakedämoniern erschien dieser Vorschlag-zwar Anfangs als Verrücktheit, dann aber — weil sie auf jede Weise mit Argos Frieders haben wollten — fügten'sie sich der Forderung und faßten den Vertrag schriftlich ab. Doch bevor er rechtskräftig würde, hießen siegle Gesandten nach Haus zurükckehren und ihn der Volksversammlung vorlegen, und wenn die zustimme) so sollten sie zum Fest der Hyakinthien wiederkommen, um die Eide zu leisten.' So reisten denn jene ab. ^ -
- 5.42.1
Zu derselben Zeit, während welcher die Argiver diese Unterhandlungen führten, kamen die Abgeordneten der Lakedämonier, Androckenes, PhädimoS und Antimenidas, welche Panakton und die Kriegsgefangenen von den Böotern übernehmen und den Athenern aushändigen sollten, an und trafen Panakton bereits von den Böo- tern selbst geschleift, unter dem Vorwand, daß zwischen Athenern und Böotern von einem Streite her aus alter Zeit noch Eide rechtskräftig seien, wonach keiner von beiden Theilen den Platz allein bewohnen, sondern nur beide gemeinsam ihn beweiden dürften; die Kriegsgefangenen hingegen, welche die Böoter von den Athenern in Händen hatten, übernahmen Andromenes und seine Begleiter, brachten sie nach Athen und übergaben sie daselbst; was Panakton betreffe, erklärten sie, so sei dasselbe geschleift, und damit meinten sie es zurück- gegeben zu haben, denn es könne jetzt dort kein Feind der Athener mehr wohnen. Das nahmen aber die Athener sehr übel auf-und glaubten von den Lakedämoniern durch die Schleifung Panaktons übervortheilt worden zu sein, da sie ihnen den Platz in ordentlichem Stande hätten übergeben sollen, und dazu erfuhren sie jetzt auch noch, daß jene auch mit den Böotern ein besonderes Bündniß geschlossen hätten, während sie doch früher ihr Wort gegeben hatten, daß sie mit Athen gemeinsam die Andern znr Annahme des Friedensvertrages zwingen wollten. Auch die andern Bestimmungen des Vertrages, die noch zu erfüllen waren, suchten sie hervor und behaupteten betrogen worden zu fein, weßhalb denn auch die Gesandtschaft mit einer unwirschen Antwort abziehen mußte.
- 5.43.1
Diesen Zwiespalt unter den Lakedämoniern und Athenern suchte nun die Partei in Athen, welche den Friedensvertrag zu brechen wünschte, allsogleich festzuhalten und zu benutzen. Zu dieser gehörte unter Andern auch Alkibiades, des Kleinias Sohn, ein Mann, der in einem andern Staat damals noch für zu jung gegolten hätte, aber seiner vornehmen Abkunft wegen in Ansehen stand 27). - Derselbe glaubte nun zwar wirklich, daß es besser sei, sich mit den Argivern zu verbünden, daneben war es aber auch verletzter Stolz und Ehrgeiz, weßhalb er den Frieden bekämpfte, weil nämlich die Lakedämonier durch Vermittelung des Nikias und des Laches den Vertrag zu Stande gebracht, ihn selbst aber seiner Jugend wegen übersehen hatten. Auch war er von ihnen nicht so geehrt worden, wie er es gemäß dem Verhältniß der ehemals zwischen ihnen bestandenen Staatsgastfreundschaft erwartete, die sein Großvater zwar aufgekündigt, er selbst aber durch Gefälligkeiten gegen ihre Kriegsgefangene von der Insel wieder zu erneuern gesucht hatte. So glaubte er auf alle Weise zurückgesetzt zu sein und hatte deßhalb schon Anfangs widersprochen, indem er behauptete, man dürfe den Lakedämoniern nicht trauen sondern sie suchten nur deßhalb den Frieden, um, wenn sie die Athener durch den Vertrag unschädlich gemacht, zuerst die Argiver zu überwältigen und dann gegen das vereinzelte Athen loszugehen; und als nun-damals jener Zwiespalt dazu kam, schickte er sogleich in seinem eigenen Namen Leute nach Argos, mit dem Auftrag, jene sollten mit den Mantineern und Eleern so schnell als möglich kommen und um ein Bündniß ansuchen, denn jetzt sei der rechte Zeitpunkt dazu, und er selbst werde sie aus's Kräftigste unterstützen.
- 5.44.1
Die Argiver nun auf diese Meldung hin, und als sie auch erfuhren, daß jenes Bündniß mit den Böotern durchaus nicht im Einvernehmen mit den Athenern zu Stande gekommen, sondern daß vielmehr eine große Spannung mit den Lakedämoniern eingetreten sei, nahmen gar keine Rücksicht auf ihre Gesandten in Lakedäyion, welche dort>.eines Vertrages wegen unterhandelten, und richteten ihr Augenmerk wieder mehr auf die Athener, deren Staat von jeher mit ihnen befreundet gewesen und, wie ihr eigener, demokratisch regiert sei, auch eine große Seemacht besitze und deßhalb, wie sie glaubten, mit den Waffen für sie. einstehen werde, falls sie in einen Krieg verwickelt würden. Sie schickten also sogleich Gesandte an die Athener eines Waffenbundes wegen, und auch von den Eleern und Mantineern« gingen Abgeordnete mit. Es kam aber auch von den Lakedämoniern in aller Eile eine Gesandtschaft, und zwar Männer, die in Athen beliebt zu sein schienen, Philocharidas nämlich und Leon und Endlos. Jene fürchteten nämlich, die Athener möchten in ihrem Unwillen ein Bündniß mit den Argivern abschließen, zugleich aber wollten sie auch Pylos für Panakton verlangen und sich wegen des Bündnisses mit den Böotern entschuldigen, daß sie es nicht zum Schaden Athens abgeschlossen hätten.
- 5.45.1
Als diese Gesandten nun vor der Rathsversammlung über diese Dinge sprachen und erklärten, daß sie bevollmächtigt seien, über alle strittigen Punkte eine Vereinbarung abzuschließen, so gerieth Alkibiades in Furcht, jene möchten, wenn sie auch vor der Volksversammlung also redeten, die Menge für sich gewinnen, so daß diese das Bündniß mit den Argivern von sich weise. Darum ersann er nun gegen sie folgende List: Er beredete die Lakedämonier und verpfändete ihnen sein Wort, wenn sie sich nicht vor der Volksversammlung als Bevollmächtigte erklären wollten, so werde er ihnen Pylos zurückverschaffen; dazu könne er die Athener eben so leicht überreden, wie er sie jetzt durch seinen Widerspruch davon abhalte, — und auch betreffs der übrigen Punkte werde er eine Aussöhnung zu Stande bringen. Dabei war aber seine Absicht, sie dem Nikias abwendig zu machen und sie beim Volke in Mißachtung zu bringen, als ob sie nichts Aufrichtiges im Sinne hätten, da sie ja jetzt anders redeten als vorher, und auf die Weise dachte er das Bündniß mit den Argivern, Eleern und Mantineern durchzusetzen. Und so kam es auch wirklich. Denn als jene vor dem Volke auftraten und auf Befragen nicht Mehr wie früher vor der Rathsversammlung erklärten, daß sie mit Vollmacht gekommen seien, da hielten die Athener ihren Unwillen nicht mehr zurück, sondern schenkten dem Alkibiades, der nun noch weit mehr Geschrei gegen die Lakedämonier erhob als früher, unbedingtes Gehör und erklärten sich bereit, die Argiver und die mit ihnen Gekommenen sogleich vorzulassen und mit ihnen ein Bündniß abzuschließen; da aber, bevor es noch zum gültigen Beschluß kam, ein Erdbeben eintrat, so wurde diese Volksversammlung hinausgeschoben 28).
- 5.46.1
In der folgenden Versammlung trat Nikias aus, und obgleich er in Betreff der verläugneten Vollmacht eben so wie die Lakedämonier selbst getäuscht worden war, so erklärte er gleichwohl, es sei besser, Freund der Lakedämonier zu bleiben. Man solle die Argiver einstweilen noch warten lassen und erst noch eine Gesandtschaft nach Lakedämon schicken, um ihnen ihrer eigentlichen Gesinnung wegen auf den Zahn zu suhlen. Wenn man jetzt den Krieg noch hinausschiebe, meinte er, so könne dabei i'.r eigener Ruhm nur wachsen, während jene noch mehr bloßgestellt würden. Denn für sie selbst, deren Angelegenheiten auf's Beste ständen, sei es bei Weitem das Vortheilhafteste, wenn man diesen glücklichen Zustand ruhig fortdauern lasse; für jene sei es aber in ihrer mißlichen Lage ein gefundener Handel, wenn ihnen so bald Gelegenheit geboten werde, wieder den Kampf entscheiden zu lassen. Und wirklich überredete er sie, Gesandte, unter denen auch er war, abzuschicken, mit der Aufforderung an die Lakedämonier, wenn sie ehrliche Absichten hätten, so sollten sie Panakton in ordentlichem Stande und Amphipolis. übergeben und das Bündniß mit den Böotern wieder lösen, wenn diese nicht dem Friedensvertragc beitreten wollten, wie ja auch ausgemacht worden sei, daß kein Theil ohne den andern ein Bündniß eingehen solle. Und hinzufügen sollten sie, wenn die Athener hätten Unrecht thun wollen, so würden sie die Argiver bereits zu ihren Bundesgenossen gemacht haben; denn diese befänden sich eben in dieser Absicht bei ihnen. Und auch ihre sonstigen Ansprüche gaben sie dem Nikias und den mit ihm Abgeschickten zu vertreten auf. / '
- 5.46.2
Als nun jene dort angekommen waren und ihre Aufträge ausrichteten und zuletzt erklärten, wenn die Lakedämonier nicht'das Bündniß mit den Böotern lösen, ^würden, falls diese nicht dem Frie densvertrage beiträten,'so würden sie^selbst die. Argiver.und ideren, Freunde als Bundesgenossen annehmen;.-- da: setzten-der--Ephortz Xenares und die Uebrigen seiner Partei? es durch/ -daß i diezLakehämonier zur Antwort gaben, sie würden den Bund.mit den Bär-fern nicht auflösen. Indeß erneuerten ^ sie auf Bitten des. Nikias, den Friedenseid; denn dieser fürchtete, wenn er ganz unverrihctejer-kDinge wieder zurückkäme, so werde er.beim Volk in Ungnade kommen,:.waH denn auch-wirklich eintrat, da,er als der eigentliche Stifter des Frie-' dcns mit den Lakedämoniern galt. Da er. also zurückkehrte und die. Athener hörten , es.'sei in. Lakedämon gar nichts ausgerichtet worden, so. loderte sogleich ihr Zorn wieder auf, und in der Meinung betrage?: worden zu.sein-, ließen .sie die. anwesenden Argiver und ihre Freunde durch den Alkibiades vorladen, und. shclössen, mit ihnen das folgende Bündniß ab:
- 5.47.1
„Einen Friedensvertrass .aufshundert-Jahre ihcÄ^n geschlossen die Athener, mit' den Argivern, Mantineern und?Meern/ beide theile .für sich, selbst und-für.die Bundesgenossen^die unte? ihnen stehen, shne Arglist und .Gefährde, zu Wasser und zu.Land.? ?
- 5.47.2
.„Waffen tragennn feindlicher Absicht ^sollen weder die, Argiver; Eleer und'Mantineer "und ihre..Bundesgenossen gegen. die,Athener und die von ihnen beherrschten Bundesgenossen, noch rauch die.Athe-ner und ihre Bundesgenossen gegen die Argiver, Eleer.und Ma.nt.i- neer und ihre Bundesgenossen, aus keinerlei Art und:Weise", ' „Unter folgenden Bedingungen soll ein Waffenbund sein zwi? schen den.Athenern und den Argivern,- Eleern und. Mantineern,. auf hundert Jahre:"
- 5.47.3
„Wenn Feinde in das Gebiet der.Athener fallen, sollen Argiver,' Eleer und Mantineer nach Athen Züzug leisten, wieiihnen die Athener entbieten werden,^ so. stark..sie nur.immer können,'nach?b.estem Vermögen."
- 5.47.4
„Wenn aber die Angreifer-das Land verwüstet.haben.und dann wieder abziehen, so .soll ihr Staat von den-Argivern, Mantineern und Eleern und von den Athenern als Feind betrachtet und von allen diesen Staaten gezüchtigt werden, und.es soll-nicht einer einzelnen Stadt erlaubt sein mit dem feindlichen Staate Frieden zu schließen, wenn es nicht Alle zusammen beschließen. Es sollen aber auch die Athener nach Argos und Mantinea'und Elis Zuzug leisten, wenn Feinde das Gebiet der Eleer oder Mantineer-angreisen, so wie diese Städte entbieten werden, so stark sie nur können, nach bestem Vermögen. Wenn die Angreifer aber das. Land verwüsten und dann wieder abziehen, so soll ihr Staat.von den Athenern und von den Argivern, Mantineern und Eleern als Feind betrachtet und von all. diesen Städten gezüchtigt werden; und es soll nicht erlaubt sein, mit dem feindlichen Staate Frieden zu schließen; wenn nicht alle Städte insgesammt es beschließen."
- 5.47.5
,,Kein Theil soll irgend Einem bewaffneten Durchzug zum Zwecke des Kriegs durch sein eigenes oder der unter ihm stehenden Bundesgenossen Gebiet erlauben, auch nicht zur See, wenn micht alle Staaten beschlossen haben, daß der Durchzug geschehen könne, Athener und Argiver, Mantineer und Eleer."
- 5.47.6
„Den Hülfstruppen soll diejenige Stadt, welche sie abschickt, Lebensmittel bis aus dreißig Tage liesern, von der Zeit an, wo.selbe das Gebiet derjenigen Stadt betreten, welche die Hülse verlangt hat; und-auf dem Rückzüge wieder ebenso. Sollten-jene Truppen aber länger gebraucht werden, so soll der Staat, welcher sie abgeschickt hat, ihnen auch den Lebensunterhalt liefern,- jedem Schwerbewaffneten und leichten-Soldaten und Bogenschützen drei Aeginetische Obolen für jeden Tag, den Reitern aber eine Aeginetische Drachme 39).
- 5.47.7
„Die Stadt, welche den Zuzug verlangt hat, soll auch die Anführung haben, wenn der Krieg aus ihrem eigenen Gebiete geführt wird. Wenn aber die Verbündeten beschlossen haben, irgendwohin einen gemeinsamen Feldzug zu unternehmen, so sollen an der Führung Alle in gleicher Weise Theil haben."
- 5.47.8
„Den Vertrag beschwören sollen die Athener für sich "und ihre Bundesgenossen; die Argiver?aber-und Mantineer und Eleer und deren Bundesgenossen sollen einzeln schwören, jede Stadt für sich. ES'soll aber jeder:Staat den Eid schwören, der.nah cdem heimischen Brauche bei ihnen -der höchste ist, mit makellosen Opfern. Der Schwur soll aber so lauten: „„Ich will diesen Bund gemäß den Verträgen wahrhaftig und in Treuen und ohne Arglist halten und, ihn aus keine Art und Weise übertreten."" Den Eid.leisten sollen:' zu Athen der Rath und die städtischen Oberbehörden, und den Eid abnehmen sollen die Prytanen; zu Argos der Rath und die Achtziger und die Artynen, den Eid abnehmen sollen die Achtziger; zu Mantinea die Volksoberen und der Rath und die übrigen Oberbehörden, den Eid abnehmen sollen die Theoren und die Kriegsobersten; in Elis die Volksoberen und die Beamten und, die Sechshunderter. den Eid abnehmen sollen die Volksobern und die Gesetzeswarte Zur Erneuerung des EideS sollen die Athener nach Elis und nach Mantinea und Argos kommen, dreißig Tage vor den Olympischen Spielen; die Argiver, Eleer und Mantineer sollen nach Athen kommen, zehn Tage vor den großen Panathenäen" ^
- 5.47.9
„Den Friedensvertrag und den beschworenen Waffenbund sollen die Athener aus eine tseinerne Säule in ihrer Stadt schreiben, die Argiver aus dem Markte im Tempel des Apollo, die Mantineer im Tempel des ZeuS auf dem Markte, und auch zu Olympia sollen sie auf gemeinsame Kosten bei den nächsten Olympischen Spielen eine eherne Säule setzen."
- 5.47.10
„Wenn aber den verbündeten Städten gut dünken sollte, verbessernde Zusätze zu diesen Verträgen zu machen, so soll das erlaubt sein, wenn alle Städte nach gemeinsamer Berathung darüber Beschluß gefaßt haben."
- 5.48.1
Dieser Friedensvertrag und Waffenbund wurde abgeschlossen, ohne daß deßhalb der zwischen den Lakedämoniern und den Athenern von einem von beiden Theilen wäre aufgekündigt worden. Die Korinther aber, obgleich sie Bundesgenossen der Argiver waren, betheiligten sich nicht bei dem Vertrage; ja sie hatten sogar vordem nicht mitgeschworen, als Eleer, Argiver und Mantineer das Bündniß schlössen, daß sie mit Einen und denselben Krieg führen und Frieden haben wollten, sondern vorgeschützt, es genüge das frühere Waffenbündniß, wonach sie einander Hülfe leisten sollten, ohne daß ein Theil den andern bei einem Angriffskrieg zu unterstützen brauchte. So entfernten sich die Korinther von ihren Bundesgenossen und näherten sich den Lakedämoniern wieder'
- 5.49.1
Die Olympischen Spiele^dieses Sommers waren diejenigen, bei welchen der Arkadier Androsthenes zum ersten Mal im Pankration siegte. Die Lakedämonier aber waren durch die Eleer vom Heiligthum ausgeschlossen worden, so daß'sie weder am Opfer'noch an'den'Weltkäwpsen Theil nehmen konnten, da sie die Buße nicht bezahlt hatten, zu welcher.die Eleer nach dem'Olympischen Recht sie verurtheilten, weil sie ihre Festung Phyrkos mit den Waffeivangegrissen^und in das ihnen gehörige Lepreon während der Olympischen Waffenruhe eine Besatzung Geharnischter gelegt hätten? Die Strafsumme betrug zwei Tausend Minen, zwei Minen für-jeden Geharnischten, wie das'Gesetz bestimmt^). Die Lakedämonier'aber ließen durch Gesandte Gegenbeschwerde führen und behaupteten, damals, als sie ihre Schwerbewaffneten ausschickten'/ sei die^ Waffenruhe noch nicht in Lakedämon angesagt gewesen. Die Eleer aber sagten, bei ihnen sei die Waffenruhe schon in Kraft' gewesen, — sie lassen dieselbe nämlich unter ihnen selbst zuerst ausrufen^ und während sie sich selbst ruhig verhielten'und, als im Schutze des Gottesfriedens, nichts Feindliches erwarteten, hätten jene ihnen hinterrücks Unrecht zugefügt. Dagegen nun führten die Lakedämonier an, wenn die Eleer geglaubt hätten, von ihnen bereits Unrecht erlitten zu haben, so sei eS ja überflüssig gewesen, noch den Frieden in Lakedämon ansagen zu lassen; aber doch hätten sie das gethan, weil sie eben jenes nicht geglaubt hätten, und sie'selbst'hätten auch seitdem nach keiner Seite mehr Feindseligkeiten gegen sie unternommen. Die Eleer aber blieben bei ihren ersten Worten und sagten, daß sie sich nicht überzeugen könnten, als hätten jene kein Unrecht gethan; würden sie ihnen aber Lepreon zurückgeben, so wollten sie ihnen ihren eigenen Antheil an dem Strafgeld erlassen und'auch, was davon für den, Gott entfalle, selbst für sie bezahlen.
- 5.50.1
Als aber die Lakedämonier darauf nicht eingingen, so änderten sie ihre Forderung dahin, jene brauchten Lepreon nicht Herauszugeben, wenn sie nicht wollten, sie sollten aber an den Altar des Olympischen Zeus treten, wenn sie zum Feste zugelassen sein wollten, und im Angesicht aller Hellenen einen Eid sHwören, daß sie die Strafsumme später gewissenhaft erlegen würden. Da die Lakedämonier aber auch hierauf nicht eingingen, so wurden sie von dem Feste ausgeschlossen und verrichteten das Opfer zu Hause; die übrigen Hellenen aber mit Ausnahme der Lepreaten waren durch Gesandtschaften vertreten. Gleichwohl waren die Eleer in Furcht, jene möchten den Zulaß zum Opfer mit Gewalt erzwingen, und ließen ihre junge Mannschaft unter Waffen Wache halten. Auch von Argos und Mantinea war Zuzug gekommen, Tausend Mann aus jeder Stadt, und auch von Seiten der Athener Reiter, welche, so lang das Fest dauerte, in Argos standen. Trotzdem schwebte die versammelte Menge in großer Furcht, die Lakedämonier möchten bewaffnet kommen, zumal auch Lichas, des Arkesilaös Sohn, der Lakedämonier, beim Wettkampfe von den Stabträgern Schläge erhalten hatte. Sein Gespann nämlich hatte den Sieg davon getragen, es wurde aber trotzdem das böotische Gemeinwesen als Sieger ausgerufen / da jener zur Theilnahme am Wettkampfe nicht berechtigt war. Da trat er nun auf den Kampfplatz hervor und bekränzte seinen Wagenlenkers um damit zu zeigen, daß daS Gespann ihm gehöret Darüber geriethen nun Alle noch mehr in Furcht und glaubten, es werde etwas Unerwartetes eintreten. Die Lakedämonier verhielten sich indessen ruhig, und so ging das Fest vorüber. Nach Korinth aber kamen nach den Olympien die Argiver und ihre Verbündeten mit dem Ersuchen, zu ihnen zu treten: Es waren auch von den Lakedämoniern Gesandte zugegen, und obgleich viel hinüber und herüber unterhandelt wurde, so kam eS doch zu keinem Ziel, sondern über ein eingetretenes Erd- beben löste sich die Versammlung auf und Jeder ging nach Hause. Damit war der Sommer zu Ende.
- 5.51.1
In dem folgenden Winter kam es zum Kampfe zwischen den Herakleoten in der Trachinischen Landschaft und den Aenianen und Dolopern und Meliern und andern Thessalern. Denn diese Nachbarstämme waren der Stadt feindlich, da die Befestigung des Platzes nur gegen ihr Gebiet gerichtet war. Schon sogleich nach Gründung der Stadt hatten sie sich gegen dieselbe feindselig gezeigt, indem sie ihr Schaden zufügten, wo sie nur konnten; und damals besiegten sie in der Schlackt die Herakleoten, und auch Xenares, des Knidis Sohn, der Lakedämonische Befehlshaber der Stadt, fiel und mit ihm viele andere Herakleoten. So ging der Winter und mit ihm das zwölfte Jahr dieses Krieges zu Ende.
- 5.52.1
Im folgenden Sommer, gleich zu Anfang, übernahmen die Böoter Heraklea, das durch diese Niederlage sehr herabgekommen war, und schickten den Lakedämonier Hegesippidas, weil er sein Befehlshaöeramt schlecht verwaltet hatte, weg. Sie übernahmen den Platz aber deßhalb, weil sie bei der gefährdeten Stellung der Lakedämonier im Peloponnes befürchteten, die Athener möchten ihn vorweg nehmen. Gleichwohl nahmen ihnen die Lakedämonier dieß übel auf.
- 5.52.2
Im selben Sommer kam auch Alkibiades, des Kleinias Sohn, Feldherr der Athener, unterstützt von den Argivern und den Bundesgenossen, mit einer geringen Zahl Athenischer Schwerbewaffneten und Bogenschützen, wozu er noch von den dortigen Bundesgenossen einige Mannschaft nahm, in den Peloponnes und traf, indem er denselben durchzog, die nöthigen Einrichtungen in Betreff des Waffenbundes und überredete auch die Paträer, ihre Mauern bis an's Meer hinab zu verlängern. Auch hatte er selbst den Plan zu einer neuen Festung am Achaischen Rhion; allein die Korinther und Sikyonier und wem sonst die Befestigung zum Schaden gereicht hätte, eilten herbei und verhinderten dieselbe.
- 5.53.1
In demselben Sommer kam eS auch zum Kampfe zwischen den Epidauriern und den Argivern, angeblich wegen des Opfers für den Pythischen Apollo, welches den Epidauriern für die Benützung von Weidegeländen oblag, das sie aber nicht abgeführt hatten. Es l haben nämlich die Argiver das meiste Recht an den betreffenden Tempelz aber auch ohne diesen Vorwand hätte es wohl dem Alkibiades und den Argivern vortheilhaft geshcienen, Epidauros wo möglich an sich zu ziehen, einmal um die Korinther zwingen zu können, sich ruhig zu verhalten, und dann weil sie glaubten, daß es in diesem Falle den Athenern möglich wäre, von Aegina aus auf kürzerem Wege Zuzug zu leisten als mit Umschiffung des Skylläischen Vorgebirges. Indessen rüsteten sich die Argiver, in ihrem eigenen Namen zur Eintreibunq des Opfers in Epidauros einzufallen.
- 5.54.1
Um dieselbe Zeit zogen aber auch die Laledämomer mit gesammter Macht zu Felde gegen Leuktra, das an der Gränze gegen das Lykäon zu liegt. Ihr König Agis, des Archidamos Sohn, führte sie an. Es wußte aber Keiner, wohin der Zug gehe, — auch die Städte nicht, welche Zuzug geleistet hatten. Da ihnen aber das Opfer an der Gränze nicht glücklich ausfiel, so zogen sie wieder nach Hause und sagten den Bundesgenossen an, sie sollten sich nach dem kommenden Monat, — dem Karneios nämlich, der bei den Donern ein heiliger Mond ist, — zu einem Feldzug bereit halten. Nach dem Rückzüge jener aber zogen die Argiver noch am vierten Tage vor dem Beginn des Karneios aus, rückten diesen Tag über vor und verwüsteten dann die ganze Zeit durch das Epidaurische Gebiet durch ununterbrochene Einfälle. Die Epidaurier riefen nun ihre Bundesgenossen zu Hülfe, allein die Einen schützten den (heiligen) Monat vor, und die Andern rückten zwar bis an die'Epidaurische Gränze/ verhielten sich dann aber unthätig^' ' '' ' 'i ' ^ .
- 5.55.1
Während nun die Argiver im Epidaurischen tsanden, waren, von den'Athenern aufgefordert^ Gesandtshcaften der Städte in Mantinea zusammengetreten, und als'es'zum Reden kam, "erklärte der Korinther Euphamidas, „die Reden stimmten nicht zu den^Thaten; denn sie säßen dahier des Friedens wegen'bei einander, die Epidaurier'aber'mit ihren^Bündesgenossen und die Argiver stünden sich'einander-in'Waffen gegenüber;" es wäre zuerst Pflicht^ daß von-beider? Parteien Männer dorthin gingen und die Heere nach Hause schickten; dann könne man wieder vom Frieden reden." Damit fand.er Beifall, und so gingen denn Abgeordnete hin und bewogen die Argiver zum Abzug aus Epidauria. Danach, kamen sie am selben Orte wieder zusammen, konnten aber auch jetzt Nichts vereinbaren, sondern die Argiver fielen wiederum in Epidauria ein und verwüsteten das Land. Es waren aber auch die Lakedämonier gegen Karyä ausmarschirt, da ihnen jedoch auch dießmal die Opfer an der Gränze nicht glücklich ausfielen, so zogen sie wieder nach Hause zurück. Die Argiver aber, nachdem sie ungefähr den dritten Theil von Epidauria verwüstet hatten, zogen wieder nach Hause ab. Auch von den Athenern war ein Zuzug von Tausend Schwerbewaffneten unter des Alkibiades Führung zu ihnen gestoßen; nachdem sie aber erfahren, daß die Lakedämonier ihren Feldzug beendigt, hätten. und daß man ihrer nicht mehr bedürfe, so gingen sie wieder heim. Und damit war dieser Sommer zu Ende.
- 5.56.1
In dem folgenden Winter brachten die Lakedämonier, ohne haß die Athener darum merkten, aus dem Seewege drei Hundert Mann unter Anführung des Agefippidas als Besatzung nach Epidauros. Da schickten die Argiver nach Athen und führten Beschwerde, es sei ja im Vertrage bestimmt, daß kein Theil Feinden den Durchzug durch sein Gebiet erlauben dürfe, und doch hätten sie jenen die Seefahrt gestattet; wenn nun die Athener nicht die Messenier und Heloten zum Schaden der Lakedämonier nach Pylos brächten, so würden sie selbst glauben Unrecht erlitten zu haben. Die Athener nun, überredet von Alkibiades, schrieben auf die Lakonische Säule unten an:^ „Die Lakedämonier haben die Eide nicht gehalten", und brachten auch die Heloten von Krania nach Pylos um Plünderungszüge zu unternehmen, sonst aber verhielten sie sich ruhig.
- 5.56.2
In diesem Winter dauerte der Krieg zwischen Argivern und Epidauriern fort, zu einer förmlichen Schlacht aber kam es nicht, sondern eS wurden nur Hinterhalte gelegt und Ueberfälle veranstaltet, bei welchen, wie eS sich gerade traf, von beiden Seiten Einige sielen.
- 5.56.3
Zu Ende des Winters, schon gegen Frühlings Anfang, erschie. nen die Argiver mit Sturmleitern vor Epidauros, in der Meinung die Stadt mit Gewalt nehmen zu können, da sie des Krieges wegen von Vertheidigern entblößt, sei; sie mußten aber unverrichteter Dinge wieder abziehen.- So. ging der Winter zu Ende und mit ihm das dreizehnte Jahr dieses Krieges.
- 5.57.1
'In der Mitte des daraus folgenden Sommers, da die verbündeten Epidanrier in Bedrängniß waren,.nnd der übrige Peloponnes theils schon abgefallen war, theils nicht in der besten Verfassung, so dachten die Lakedämonier, wenn sie nicht schnell Maßregeln treffen würden, so werde das Uebel noch größere Fortschritte machen, und zogen deßhalb selbst und mit den Heloten in gesaminter Macht-gegen Argos zu Aelde.' Anführer war Agis, des Archidamos Sohn, König der Lakedämonier. Mit ihnen zogen aus die Tegeaten und wer sonst von den?Arkadern mit den ^Lakedämoniern verbündet war.- Die Bundesgenossen vom übrigen Peloponnes und die von auswärts sammelten sich bei Phlius, von den Böotern nämlich fünf Tausend Geharnischte und ebensoviel? Leichtbewaffnete nebst fünf Hundert Reitern, ein jeder mit einem Neitgenossen von den Korinthern aber zwei Tausend Geharnischte und die Uebrigen nach Vermögen; die Phliasier aber mit gesammter Macht, da dieß Heer in ihrem Gebiete stand.
- 5.58.1
Die Argiver ^abcr hatten schon von vorn herein von den Rüstungen der Lakedämonier Kenntniß Erhalten, und auch/daß diese jetzt gegen'Phlius marshcirten^ um sich dort mit den Andern zu'vereinigen, und so zogen auch-sie auS. Zu ihnen-waren gestoßen die Mantineer mit ihren Bundesgenossen und von den Eleern drei Tausend Schwerbewaffnete. Im Vorrücken nun trafen sie bei Methydrion in Arkadien auf-'dle Lakedämonier, und beide Theile besetzten einen Hügel. Da schickten sich denn die Argiver an; den Lakedämoniern, da sie noch vereinzelt seien ,'eine Schlacht'zu liefern ; Agis aber ließ sein Heer in der Nacht aufbrechen und marschirte, ohne daß die Argiver eS gewahr wurden, nach PhliuS zu den andern Bundesgenossen. Als die Argiver das bei Tagesanbruch merkten, zogen sie sich zuerst nach Argos' zurück und besetzten dann die Straße nach Ne mea, wo sie erwarteten, daß die Lakedämonier mit ihren Verbündeten Herabkommen würden. Agis wandte sich aber nicht nach der Seite, wo jene ihn erwarteten, sondern befahl den Lakedämoniern, Arkadiern und Epidauriern, mit ihm einen andern schwierigeren Weg einzuschlagen, und stieg so in die Arglvische Ebene hinab. Die Korinther und Pelleneer und Phliasier nahmen einen andern, auch steilen Weg; den Böotern aber und Megarern und Sikyoniern war besohlen, auf der Straße nach Nemea hinabzusteigen, wo die Argiver Stellung genommen hatten, damit wenn die Argiver gegen die Lakedämonier in der Ebene rücken sollten, sie ihnen mit der Reiterei, in den Rücken fallen könnten.
- 5.59.1
Nachdem Agis diese Befehle ertheilt, fiel er in die Ebene hinab und verwüstete Saminthos und andere Ortschaften; die Argiver aber, als sie dieß erfuhren, rückten schon bei Hellem Tage zur Abwehr aus Nemea heran und stießen auch mit dem Heere der Phliasier und Korinther zusammen, wobei sie den Phliasiern einige Leute tödtetenwährend ihnen selbst von den Korinthern nicht eben viel mehr getödtet wurden.. Die Böoter nun und die Megarer und Sie kyonier marschirten, wie ihnen befohlen war, auf Nemea zu, trafen aber die. Argiver nicht mehr dort, da diese, als sie in die,Ebene gekommen und die Verwüstung ihres Gebietes sahen, sich dort in Schlachtordnung ausgestellt hatten. Gegen sie schickten sich^nun^auch die Lakedämoyjer.zum, Kampfe an. ^ Die Argiver fanden sich aber mitten unter Feinden.eingeschlossen; denn in der Ebene waren sie durch, die Lakedämonier von ihrer eigenen Stadt abgeschnitten? vom Gebirge aber durch die Korinther, Phliasier und Pelleneer, und von Nemea her zeigten sich die Böoter , Sikyonier und Megarer.. Pferde aber hatten sie selbst.keine, denn die Athener waren von allen Bundesgenossen allein noch..nicht erschienen^- Die große Menge der Argiver. und ihrer Verbündeten sah aber die .Lage, nicht sür so gar gefährlich an, sondern es schien ihnen, der Kampf werde für. sie günstig ausfallen, und sie hätten ja dieLakedämonier hier im eigenen Lande und dicht vor ihrer Stadt abgefangen. Zwei Männer indessen von den Argivern, Thrasyllos ^nämlich, einer der fünf.Feldherrn^ und Alkiphron,. ejn.TtaatSgästfrennd der Lakedämonier, gingen, als die Heere schon nahe am Zusammenstoß waren-,^ zum:Agis und.beredetea ihn, es nicht zur Schlacht kommen zu lassen; denn die Argiver seien bereit, Recht zu geben und zu nehmen, wie es billig und Allen gerecht sei, falls die Lakedämonier gegen die Argiver Beschwerde hätten, und für die Zukunft wollten sie ein Bündniß schließen und Frieden haben unter einander.
- 5.60.1
Die aber von den Argivern solche Anträge machten, redeten nur auf ihre eigene Verantwortung und nicht auf Befehl des Volkes, und auch Agis nahm die Vorschläge ganz auf eigene Hand an, ohne sich mit Mehreren zu berathen; vielmehr machte er nur einem der mit ausgezogenen Beamten davon Mittheilung und schloß einen Waffenstillstand aus vier Monate ab, binnen welcher Frist jene das Versprechen erfüllen sollten. Auch führte er das Heer sogleich zurück, ohne einem der übrigen Bundesgenossen etwas zu sagen, und die Lakedämonier und die Verbündeten folgten zwar auch seiner Führung aus Achtung vor dem Gesetz, allein unter sich ließen sie viele Beschuldigungen gegen den Agis laut werden, da sie glaubten, die Gelegenheit zum Schlagen sei für sie sehr günstig gewesen, und obgleich die Feinde von allen Seiten von Reitern und Fußvolk eingeschlossen gewesen seien, so hätten sie selbst doch wieder abziehen müssen, ohne etwas solcher Rüstung Würdiges ausgeführt zu haben. Und in der That war dieß das schönste Hellenische Heer, das bis dahin vereinigt gewesen. Das war am besten zu sehen, so lange es in seiner ganzen Stärke in Nemea vereinigt stand, wo die Lakedämonier mit gesammter Macht erschienen und Arkader und Böoter und Korinther und Sikyonier und Pelleneer und Phliasier und Megarer, und zwar alle mit ihrer auserlesensten Mannschaft, — zum Kampfe nicht allein den Argivischen Bundesgenossen gewahcsen ershceinend, sondern auch noch Andern dazu, wenn sie am Platze gewesen wären; — das Heer also zog unter solcherlei Anschuldigung gegen den Agis wieder ab und zerstreute sich dann,, ein Jeder in seine Heimat.. §
- 5.60.2
Die Argiver aber beschuldigten ihrerseits die noch viel härter, welche ohne Auftrag der Menge den Waffenstillstand abgeschlossen hatten, denn auch sie waren der Meinung, es hätte sich für sie die Gelegenheit gar nicht besser treffen können, und doch seien ihnen die Lakedämonier wieder entwischt; der Kampf würde ja ganz in der Nähe ihrer eigenen Stadt und im Beisein so vieler und trefflicher Bundesgenossen Statt gefunden haben. Auch fingen sie aus dem Rückzüge bei Charadron, wo von ihnen die Rechtshändel des Feldzuges vordem Eintritt in die Stadt abgemacht werden, an, den Thrasyllos mit Steinen zu bewerfen. Zwar gelang es ihm selbst sich zu retten, indem er zu dem dortigen Altar floh,, sein Vermögen jedoch wurde eingezogen.
- 5.61.1
Als danach auch aus Athen ein Zuzug von Tausend Geharnischten und drei Hundert Reitern unter Führung des Laches und Nikostratos ershcien, trugen die Argiver gleichwohl Bedenken, den Waffenstillstand mit den Lakedämoniern zu, brechen, und hießen jene wieder abziehen. Auch ließen sie sie nicht vor die Volksversammlung, wo jene ihre Sache vertreten wollten, bis die Mantineer und Eleer — denn diese waren noch anwesend — sie durch ihr Drängen dazu zwangen. Da sagten nun die Athener, bei denen Alkibiades als Gesandter war, vor den Argivern und ihren Bundesgenossen, es sei -Unrecht einen Waffenstillstand ohne die andern Verbündeten auch nur abzuschließen, und jetzt, wo sie selbst zu so gelegener Zeit erschienen seien, müsse man erst recht zum Kriege greisen. Mit solchen Worten überredeten sie die Bundesgenossen und marschirten sogleich Alle, mit Ausnahme der Argiver, gegen das Arkadische Orchomenos; denn obgleich sich auch diese hatten umstimmen lassen, so blieben sie doch Anfangs zurück; später indessen rückten auch sie nach. Nun setzten sie sich Alle insgesammt um Orchomenos und belagerten und bekannten die Stadt, denn sie hatten sowohl andere Gründe den Platz zu gewinnen, als auch weil die Arkadischen Geißeln hier von den Lakedämoniern waren untergebracht worden. Die Orchomenier nun fürchteten bei der Schwäche ihrer Mauern und der großen Zahl der Angreifer, und da auch Niemand ihnen zu Hülfe kam, sie möchten noch zuvor unterliegen, und ergaben sich deßhalb unter der Bedingung, daß sie in den Bund aufgenommen würden, für sich selbst Geißeln an die Mantineer stellten und die auslieferten, welche die Lakedämonier bei ihnen in Verwahrung gegeben hatten.
- 5.62.1
Danach nun, als sie Orchomenos gewonnen hatten, beraths schlagten die Bundesgenossen unter sich, gegen welche der übrigen Städte man zuerst ziehen solle. Die Eleer nun verlangten, gegen Lepreon, die Mantineer aber gegen Tegea, und Argiver und Athener fielen den Mantineern zu. Da zogen nun die Eleer aus Zöi5n dar- über,' daßijene nicht den Marsch gegen Lepreon beschlossen hatten, < nach-Hause ab ,- die übrigen Verbündeten aber trafen in Mantinea ihre Anstalten zum Zuge gegen Tegea. Auch wären einige von den Tegeaten in der Stadt selbst bereit, ihnen dieselbe zu verrathen.
- 5.63.1
Die Lakedämonier aber,'als sie nach Abschluß des viermonatlichen Waffenstillstandes von Argos abgezogen waren, zürnten sehr auf Agis, daß er ihnen Argos nicht unterworfen habe, obwohl die Gelegenheit so günstig gewesen sei wie^ früher niemals; denn es sei nicht leicht, Tso viele und so treffliche Bundesgenossen'wieder zusammenzubekommen^ Als nun aber auch noch die Einnahme von Orchömenos gemeldet wurde, so erzürnten sie sich noch mehr und beschlossen in ihrer Erbitterung gegen ihre Gewohnheit allsogleich man solle des Agis Haus niederreißen -und ihn um Hundert Tausend Drachmen 48) tsrafen. Doch wandte er durch seine Bitten noch ab, daß eins oder das-andere geschah, indem er verhieß, durch eine tapfere That im Feldzug die'Schuld wieder gut zu machen; wenn aber nicht, so könnten sie dann thun, was sie wollten. Darauf hin nun schoben jene die Geldstrafe und das Niederreißen seines Hauses aus, machten aber bei-diesem Anlasse ein Gesetz, wies es früher bei ihnen nie gegolten hatte: sie wählten.ihm nämlich zehn Spartiatische Männer zu Beiräthen, ohne deren Gutheißen er nicht die Besugniß"haben sollte, ein Heer aus'der Stadt zu führen.
- 5.64.1
Da kam ihnen nun Botschaft von ihren Freunden in Tegea, wenn sie nicht schleunigst erschienen, so werde Tegea zu den Argivern und deren Bundesgenossen übergehen, ja es sei fast schon so gut wie übergegangen. Nun fand in Uebereile ein Hülfszug der Lakedämonier Statt/mit gesammter Macht, sowohl von ihnen selbst als von den Heloten, wie früher nie'einer geschehen war. Sie marschirten aber gegen das Orestheion in der Mänalischen Landschaft und ließen ihren Arkadischen Bundesgenossen ansagen, sie sollten sich sammeln und ihnen auf dem Fuße nach gegen Tegea ziehen. Sie selbst, als sie mit gesammter Macht bis zum Orestheion gekommen waren, entließen von hier aus den sechsten Theil ihrer Truppen nach Hause, darunter die Aeltesten und die Jüngsten, um die Heimat zu bewachen; mit dem übrigen Heere rückten sie nach Tegea. Nicht lange danach erschienen auch die Arkadischen Bundesgenossen. Auch sandten sie Botschaft nach Korinth und zu den Böotern und Phokiern und Lokrern, mit der Aufforderung, schleunig gegen Mantinea zu Hülfe zu ziehen. Doch kam diesen der Befehl zu plötzlich, und überdieß war es nicht leicht, das feindliche Gebiet zu durchziehen, wenn sie sich nicht erst sammelten und. auf einander warteten, denn dasselbe erstreckte sich in der ganzen Länge zwischen ihnen und den Lakedämoniern; gleichwohl beeilten sie sich möglichst. Die Lakedämonier indessen zogen die anwesenden Arkadischen Bundesgenossen an sich und machten einen Einfall in das Gebiet von Mantinea. Leim Herakleion schlugen sie ein Lager und verwüsteten das Land.
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Die Argiver und die Verbündeten, als sie jener ansichtig wurden, besetzten einen festen, schwer zugänglichen Ort und stellten sich wie zur Schlacht auf. Die Lakedämonier gingen nun sogleich aus sie los, und schon waren sie ihnen bis auf Stein- oder Speerwurfsweite nahe gekommen, da rief.Einer von den Aelteren, als er sah, wie sie auf die starke Stellung losgingen, dem Agis zu: er denke ein Uebel durch ein anderes Uebel zu heilen, —^womit er sagen wollte, der jetzige unzeitige Eifer solle wohl den. getadelten Rückzug auS Argos wieder gut machen. , Und jener, sei es nun dieses Zurufs wegen, oder daß ihm von selbst plötzlich ein anderer Gedanke kaut,- führte, das Heer in Eile wieder zurück, bevor es zum Zusammenstoß gekommen war. Nun ging er wieder in das Gebiet, von Tegea und leitete das Wasser in das Mantineische hin ab.,j Wenn dieß nämlich geschieht, sei es nun, daß die Wasserströmung nach dem einen oder dem anderen Gebiet hin geleitet wird, so gerathen die Mantineer und Tegeaten jedesmal unter einander in Kampf, da,sehr viel Schaden angerichtet wird. Auf diese Weise wollte er die Argiver und ihre Verbündeten von dem Hügel herablocken, indem er dachte, sie würden zur Verhütung der Wasserableitung, wenn sie davon erführen, schon herunterkommen, und dann' wollte er die Schlacht in der Ebene lie^ fern. Diesen Tag über blieb er daselbst und leitete die Gewässer ab. Die Argiver nun und ihre Verbündeten waren über den plötzlichen Rückzug jener zuerst ganz betroffen und wußten nicht, was sie daraus, machen sollten; dann aber, als jene im Rückmarsch ihnen bereits aus dem Auge kamen und sie selbst immer noch ruhig stehen blieben ohne zu verfolgen, so beschuldigten sie wieder'um^ihre Feldherren, sie'hätten früher schon bei Argos die Lakedämonier-so schön in der Falle gehabt und sie entwishcenlassen, und jetzt, wo sie von selbst davonliefen, verfolge sie Keiner,' sondern man lasse jene in aller Ruhe ihre Hautsalviren, während man'sie selbst verrathe. - Die Feldherrn nun geriethen darüber für-den Augenblick in Verlegenheit, danach aber führten sie das Heer von dem Hügel in die Ebene hinab und lagerten"isch dort, bereit den Feind anzugreifen.
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Am folgenden Tag stellten sich die Argiver und ihre Verbündeten wieder in Ordnung auf, um jenen eine Schlacht-zu liefern, wenn sie auf sie stoßen sollten; die Lakedämonier aber marschirten von dem Wasser wieder nach ihrem alten Lager beim Herakleion, als sie plötzlich der Feinde ansichtig wurden, die vom Hügel her sich genähert hatten und alle schon in Schlachtlinie standen. Damals nun geriethen die Lakedämonier in die größte Bestürzung, deren sie sich erinnern, denn in kürzester Frist mußten sie-ihre Anstalten treffen. Und sogleich stellten sie sich,in aller Eile in ihre hergebrachte Schlachtordnung, so wie Agis, der König, Alles dem Gebrauche gemäß anordnete. Denn wenn der König im,Felde anführt, gehen alle Verfehle ivon ihm aus: er sagt, was geschehen soll, den Unterfeldherrn (Polemarchen),.die den Obristen (Lochagen), die den Hauptleuten (Pentekonteren), die den Rottenweibeln (Enomotarchen) und diese endlich den Rotten (Enomotien) -Und auch mündliche°Anweisangen, wenn solche nöthig befunden werden, machen denselben Weg und kommen schnell an die Truppe; denn das Heer der Lakedämonier besteht fast ganz aus'Befehlshabern.über andere Befehlshaber, so daß die Sorge um das, was geschehen soll, sehr Vielen am Herzen liegt.
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Damals nun standen auf ihrem linken Flügel die Skiriten, welche allein unter den Lakedämoniern immer diese Stellung haben; nächst ihnen die Soldaten des Brasidas, die in den Thrakischen Gränzlanden gefochten hatten, und bei ihnen die Neubürger; danach hatten die Lakedämonier selbst ihre Schaaren der Reihe nach aufgestellt und neben ihnen, von den-Arkadern die Heräer, danach die Mänalier, und aus.dem rechten Flügel die Tegeaten, und eine geringe Zahl Lakedämonier an der Spitze des Flügels; die Reiterei war auf beide Flügel vertheilt. Dieß war die Aufstellung der Lakedämonier; bei den Gegnern aber standen auf dem rechten Flügel die'Mantineer,weil auf ihrem Grund und Boden geschlagen wurde; neben ihnen die Bundesgenossen von den. Arkadern , danach die Tausend Mann Kerntruppen der Argiver, welche die Stadt seit langer Zeit auf öffentliche Kosten im Kriegswesen üben ließ 5"); an diese'reihten sich die übrigen Argiver und mit ihnen ihre Bundesgenossen, die Kleonäer und Orneaten, danach zuletzt an der Spitze des linken Flügels die Athener und bei ihnen ihre eigene. Reiterei.
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