Geschichte des Peloponnesischen Krieges
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Ich habe versucht, das Geschichtswerk des Thukydides in heutiges Deutsch zu übersetzen in der Weise, wie es der vortrefflichen Heilmannschen Übersetzung (Lemgo 1760) in der Sprache ihrer Zeit gelungen war. Sollte der geehrte Leser die Sprache nicht so fließend sinden, wie wir sie in guten deutschen Büchern gewohnt sind, so bitte ich ihn zu bedenken, daß er eben eine Übersetzung vor sich hat, und daß der Übersetzer bei aller Freiheit, die er sich im einzelnen gestatten darf, in der Hauptsache denn doch an die Eigenart des fremden Idioms gebunden bleibt. Dazu die Hindernisse, welche die vielfach unverdeutschbaren militärischen und politischen Bezeichnungen des Altertums auf Schritt und Tritt bereiten. Eine gewisse Schwierigkeit bildet die Wiedergabe der Orts- und Eigennamen. Noch Ranke wählte in seiner Weltgeschichte bei den bekannteren Namen die Form, in der sie durch die Vermittelung der lateini schen Literatur auf uns gekommen sind. Neuerdings ist es mehr und mehr üblich geworden, sich an die ursprüngliche griechische Form zu halten. Einen Zimon oder Pisistratus kann man in der Übersetzung eines griechischen Schriftstellers dem Leser nicht wohl mehr bieten, und ich habe deshalb im allgemeinen die griechischen Namen in der bei uns hergebrachten Aussprache beibehalten. Indessen wird man darin doch nicht so weit gehen dürfen, wie es jetzt in philologischen Fachschriften hin und wieder geschieht. ES gibt eine Anzahl Namen, bei denen uns die latinisierte Form nun einmal sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen ist. DaS gewohnte Troja, Delphi, Platää, die Thebaner, Lakedämonier usw. würde sich die Mehrzahl der Leser ungern nehmen lassen. Eine feste Grenze freilich gibt eS in dieser Hinsicht nicht. ES ist schließlich Geschmackssache, wie man sie ziehen will. So schien eS mir daS beste, im Zweifel zu schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen war. Bei den alteingebürgerten deutschen Namen wie Homer, Korinth, Ägypten usw. hatte eS selbstvertsändlich zu bewenden.
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Furcht Spartas vor der wachsenden Macht Athens bezeichnet Thukydides als die Ursache des Peloponnefischen Krieges. Wir verstehen heute, was das sagen will. Aber auch sonst gibt der Peloponnesische Krieg, in dem sich Griechenland politisch ver blutete, Anlaß zu Vergleichungen mit dem gegenwärtigen Welt kriege. Die Betrachtungen, welche Thukydides in seinen Reden den handelnden Personen in den Mund legt, erscheinen unS manchmal wie für die Gegenwart geschrieben. Und wenn er sein Werk mit Recht ein Buch für immer nennt, so können wir es noch in einem ganz besonderen Sinne ein Buch für heute nennen. Unter diesen Umständen dürfte eine Übersetzung grade jetzt wohl angebracht und willkommen sein.
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Hildesheim, im Mai 1917
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v. Dr. Th. Braun
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Jhukydides, der Geschichtschreiber des Peloponnesischen Krieges, wurde etwa um 460 v. Ch. zu Athen geboren. Er war der Sohn des Oleros (I V104) und der Hegesipyle, welche, wie auch der Vater, einem alten thrakischen Königsgeschlechte angehörte, und durch die er mit dem Hause des Miltiades zu sammenhing. Über seinen Bildungsgang fehlt es an zuver lässigen Nachrichten; wahrscheinlich sind der damals in Athen tätige Philosoph Anaxagoras aus Klazomenai und der von ihm Buch Vlll Kap. 68 erwähnte Redner Antiphon seine Lehrer gewesen. Thukydides war athenischer Bürger und als Besitzer von Goldbergwerken im thrakischen Küstenlande in jener Gegend ein einflußreicher Mann. Er durchlebte den ganzen Krieg und wurde im zweiten Kriegsjahre (430) Augenzeuge der damals in Athen auftretenden furchtbaren Pest, an der er selbst er krankte, der er aber nicht erlag. Im achten Kriegsjahre (424) war er Feldherr und befehligte ein athenisches Geschwader bei Thasos an der thrakischen Küste. Von der athenischen Partei in dem damals durch den Lakedämonier Brasidas bedrohten Amphipolis zu Hilfe gerufen, kam er zu spät, um den Verlust der Stadt selbst abzuwenden, doch gelang eS ihm, wenigstens den Hafenplatz Eion zu retten (IV 104, 106, 107). Infolge dessen mußte er in die Verbannung gehen und zwanzig Jahre außer Landes leben. Dadurch fand er Gelegenheit, sich die Dinge auch auf peloponnesischer Seite anzusehen und sich ein unbefangenes Urteil über die Verhältnisse hüben und drüben zu bilden (V 26). Im Jahre 404 wurde er aus der Verbannung zurück-gerufen und kehrte nach Athen zurück. Er starb wenige Jahre nach Beendigung des Krieges, angeblich durch Mörder hand, und seine Asche wurde in der Kimonischen Familiengruft in Athen beigesetzt.
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Gleich bei Beginn des Krieges faßte er den Plan, dessen Ge schichte zu schreiben, und machte sich damit an die Arbeit (l 1). Über die Zeit der Entstehung der einzelnen Teile deS Werkes sind die Ansichten geteilt, und eS würde zu weit führen, darauf hier näher einzugehen. Anscheinend ist es zum Teil schon im Laufe des Krieges, zum Teil erst nach dessen Beendigung von ihm verfaßt worden. Nach einer geschichtlichen Einleitung im ersten Buche behandelt das zweite, dritte, vierte und fünfte Buch bis Kapitel 20 den ersten, zehnjährigen Krieg, daS fünfte, sechste und siebente die Zwischenzeit vom sogenannten Frieden des Nikias (421) bis zum Ausgange des Sizilischen Feldzuges (413), das achte, nur bis zum Jahre 411 vollendete, die Geschichte des sogenannten Dekeleiischen Krieges (413—401). Die Ereig nisse werden darin annalistisch, Jahr für Jahr, nach Sommer und Winter erzählt. Mit dem einundzwanzigsten Kriegsjahre bricht das Werk ab. Die Einteilung in Bücher rührt nicht von Thukydides selbst her, sondern stammt wahrscheinlich von einem alexandrinischen Gelehrten.
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In alter Zeit war es lediglich die Dichtung, welche die Er eignisse der Vergangenheit der Nachwelt überlieferte. Im sechsten Jahrhundert aber begannen die ionische« Logo graphen Nachrichten darüber zu sammeln und sie in Prosa aufzuzeichnen. Nach dem Perserkriege verfaßte dann Herodot, „der Vater der Geschichte", das erste wirkliche Geschichts werk. In dem dorischen Halikarnaß um 500 geboren, ge storben wohl 424 in Tburioi in Italien, schreibt auch er noch in ionischer Mundart und erzählt in naiv-liebenswürdiger Weise mit epischer Breite von Menschen und Dingen. Aber erst mit seinem Nachfolger, dem attischen Thukydides, beginnt in Griechenland eine streng wissenshcaftliche kritische Historio graphie.
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Thukydides teilt den alten Götterglauben nicht mehr, aber er glaubt an eine über den menschlichen Dingen waltende höhere Macht, die Tyche, wie er sie nennt, und das will doch sagen: an eine göttliche Vorsehung (ll 64). Den Orakeln gegenüber verhält er sich skeptisch, und an den Einfluß von Erdbeben, Mondfintsernissen und dergleichen auf den Gang der Ereig nisse glaubt er nicht. „Er erblickt daS historische Motiv in der Beschaffenheit der Menschennatur. Der Mensch selbst, besonders in seinen Lastern und Leiden, ist der Mittelpunkt seiner Geschichte." Er geht den Dingen sorgfältig auf den Grund und befleißigt sich strenger Wahrhaftigkeit. Thukydides, nicht zu verwehcseln mit dem gleichnamigen, I 117 erwähnten Gegner des Perikles, ist Aristokrat, aber kein eng herziger Parteimann. Er bewundert Perikles, preist die Größe und Blüte Athens unter seiner Verwaltung und beklagt die spätere Ausartung der Demokratie und daS verderbliche dema gogische Treiben seiner Nachfolger. Aber die oligarchische Herrschaft in Athen (411) ist nicht nach seinem Sinne, und er erklärt die nach deren Sturz erfolgte, auf eine vernünftige Mischung von Oligarchie und Demokratie hinauskommende Staatsveränderung für die wohlerwogenste, welche bei seinen Lebzeiten eingeführt sei (Vlll 97). Die Härte der Herrschaft der Athener und die Rücksichtslosigkeit ihrer Machtpolitik ver kennt er nicht, nimmt aber, wie seine Zeitgenossen überhaupt, daran keinen Anstoß, überzeugt, daß es nun eben unter Menschen nicht anders zugehe, und daß es die Lakedämonier jedenfalls nicht besser machen würden.
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Die der Erzählung eingefügten Reden sind, vielleicht mit einigen Ausnahmen, keine Geschichte, sondern von ihm selbst verfaßte rhetorische Kunstwerke, in denen er die jeweilige Situation beleuchtet und seine Ansichten als Historiker meisterhaft ent wickelt. Darum haben sie auch in der Form nichts Indivi duelles. „Die Ansichten des Historikers treten selbst als Historie auf. Thukydides war zugleich Redner und Geschichtschreiber. Seine Erzählung ist von aller Rhetorik frei, diese aber feiert in den Reden ihre großen Triumphe" (Ranke). Die ganze Geschichtschreibung des Altertums ist hierin bekanntlich auf seinen Bahnen gewandelt.
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Werfen wir schließlich einen Blick auf die Schreibweise des Thukydides, so steht diese formal nicht auf gleicher Höhe mit dem Inhalt seines Werkes. Die mit Hilfe der griechischen Partizipialkonstruktionen mögliche Zusammenschachtelung ver schiedener Gedankenreihen in denselben Satz ershcwert nicht selten das Verständnis, und die den Hauptsachen so vielfach angehängten Relativ- und Nachsätze dienen nach unserem Ge fühl dazu, deren unmittelbare Wirkung abzuschwächen. Zudem gestattet er sich in syntaktischer Hinsicht Freiheiten, um nicht zu sagen Nachläsisgkeiten, wie sie sich wenigstens der gebildete Deutsche selbst in mündlicher Rede nicht erlauben darf. Je höher wir den Wert des unsterblichen Werkes einschätzen und je mehr wir dem Verfasser unsere Bewunderung zollen, um so weniger haben wir Ursache, vor gewissen, doch auch ihm anhaftenden Schwächen die Augen zu verschließen. Eben diese aber machen es ihm möglich, so kurz und knapp zu schreiben, wie eS einer deutschen Übersetzung niemals gelingen wird.
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Erstes Buch
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Vorwort Man. 4). Älteste Zustande in Griechenland (2-8). Trojanischer Krieg (9-44). Zustände nach dem Trojanischen Kriege. Kolonien. Seefahrt. Landkriege (42-45). Vordringen der persischen Macht (46). Tyrannen in den griechischen Städten (17). Perserknege. Gegensatz zwischen Athen und Sparta (48, 49). Methode der Geschichtschreibung und Quellenforschung. Die Reden (80—22). Wichtigkeit, Ursache und Veranlassung des Pelo ponnesischen Krieges (23).
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Epidamn os. Krieg zwischen Korinth und Kerkyra, das sich um Hilfe nach Athen wendet (L4-34). Rede der Kerkyräer in Athen (32-36). Gegenrede der Korinther (37—43). Die Athener schließen ein Schutzbündnis mit Kerkyra und schicken ihre Schiffe zu Hilfe (44, 45). Die beiden Flotten (4S-48). Seeschlacht bei Sybota und deren Folgen (49-55).
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Potidäa. Es fallt von den Athenern ab und erhalt Hilfe von Korinth. König Perdikkas von Makedonien. Kämpfe bei Potidäa, das von den Arbeitern eingeschlossen und belagert wird (56-K6).
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Versammlung der Bundesgenossen in Sparta (67). Rede der Korinther, die zum Kriege gegen Athen Hetzen (68-70), der athenischen Gesandten (74—78), des Königs Archidamos (79-85) und des Ephoren Stenelaidas (86). Die Lakedämonier beschließen den Krieg (87). Die Furcht Spartas vor der wachsenden Macht Athens ist die Ursache des Krieges (88).
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Anwahcsen der athenischen Macht. Die Spartaner ziehen sich vom Perserkriege zurück, den die Athener fortsetzen. Eifersucht Spartas. Wieder aufbau der Mauern von Athen. Themistokles. Befestigung des Peiraieus (89-93). Pausanias als Oberfeldherr der Griechen zieht nach Cypern und Byzanz, das er erobert (94). Der Oberbefehl über die durch sein herrisches Auftreten erbitterten Bundesgenossen geht auf die Athener über (95, 96). Hegemonie der Athener (97). Deren glückliche Unteniehmungen gegen Eton, Skyros, Thasos und Naxos (98). Ihr Verhalten gegen die Bundes genossen (99). Sieg der Griechen unter Kimon am Eurymedon. Thasos und Thrakien (400). Dritter Messenischer Krieg. Megara tritt dem Athenischen Bunde bei (404-403). Athener in Ägypten. Inaros (404). Krieg mit Korinth und Agina (405, 406). Bau der langen Mauern (407). Spartaner in Böotien. Schlacht bei Tanagra (407, 408). Unglücklicher Ausgang des Feldzugs in Ägypten (409, um. Unternehmungen der Athener nach -Thessalien, dem Peloponues, Cypern, Böotien — Niederlage der Athener bei Koronaia — und nach Euboia. Einfall der Peloponnesier unter Pleistoanax nach Attika (111-114). Dreißigjähriger Friede zwischen Athen und Sparta (445).
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Samos fällt ab und wird von Perikles unterworfen (445-447). Eifersucht der Lakedämonier auf die Macht Athens (448).
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Neue Versammlung der Bundesgenossen m Sparta (449). Rede der Ko rinther (420-424). Sämtliche Bundesgenossen beschließenden Krieg (425). Die Spartaner verlangen von den Athenern die Sühne des Kylonischen Frevels (426,487), die Athener dagegen von ihnen die Sühne des beim Tode des Pausanias verübten Frevels gegen die Chalkioikos (128). Verrat und Ende des Pausanias (428-134). Die Spartaner ver langen auch die Bestrafung des Themistokles (435). Themistokles. Seine letzten Schicksale und sein Tod (436-438). Weitere Forderungen der Spartaner (43S). Sie werden von den Athenern auf Rat des Perikles — seine Rede (440-444) — abgelehnt. Abbruch der Verhandlungen. Krieg in Sicht (446, im.
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Zweites Buch
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Erstes Kriegsjahr (Kap. 4-46)
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Beginn des Peloponnesischen Krieges (4). Die Thebaner überfallen Platää (S-6). Sparta und Athen rüsten zum Kriege (7, 8). Bundesgenossen beider Teile (S). Die Peloponnesier sammeln sich auf dem Isthmus (40). Ansprache des Königs Archidamos (44). Der Versuch, durch Melesippos nochmals Verhandlungen anzuknüpfen, wird von den Athenern abgewiesen (42). Maß regeln und Ratschläge des Perikles. Er beweist den Athenern die Znläng lichteit ihrer Hilfsmittel und Streitkräfte (43). Auf seinen Rat ziehen die Athener vom Lande in die Stadt (44). Rückblick auf die älteren Zustände in Attika und die Einrichtungen des Theseus (45). Die Menschenmenge findet in der Stadt nur schwer'ein Unterkommen (46, 47). Erster Ein, fall der Peloponnesier nach Attika unter Archidamos. Sie ver wüsten das Land (48-24). Erbitterung darüber gegen Perikles, der aber fest bleibt (22). Ausfallsgefechte. Eine athenische Flotte nach dem Pelo ponnes (22, S3). Die Peloponnesier ziehen aus Attika wieder ab (23). Weitere Maßregeln der Athener und ihre Unternehmungen im Peloponnes. Brasidas rettet Merhone (24, 25). Zug der Athener gegen Lokris (26). Vertreibung der Agineten (27). Sonnenfinsternis (28). Bündnis der Athener mit dem Thrakerkönig Sitalkes und König Perdikkas (29). Die Athener erobern Sollion, Astakos und Kephallenia (30), fallen in Megaris ein (34) und besetzen die Insel Atalanta (32). Zug der Korinther nach Astakos (33). Feierliche Bestattung der Gefallenen in Athen (34). Grabrede des Perikles (35-46).
- front.3.14
Zweites Kriegsjahr (Kap. 47-70)
- front.3.15
Pest in Athen (47-54). Zweiter Einfall der Peloponnesier nach Attika (47, 55). Perikles' Seezug gegen den Peloponnes (56). Abzug der Peloponnesier aus Attika (57). Die Athener senden Ver stärkungen nach Potidäa (58). Ihr Unwille gegen Perikles (5S). Straf rede des Perikles (60-64). Perikles der große Staatsmann. Richtig keit seiner Politik, sein Tod, seine Nachfolger (65). Zug der Lakedämonier gegen Zakynthos (66). Spartanische Gesandte auf der Reise zum Perser- könige werden in Thrakien den Athenern ausgeliefert und in Athen ge tötet (67). Feldzug der Amprakier gegen das amphilochische Argos (68). Phormion bei Naupaktos. Melesandros' Fahrt nach Karten und Lykien (69). Potidäa ergibt sich den Athenern (70).
- front.3.16
Drittes Kriegsjahr (Kap. 71-103)
- front.3.17
Die Peloponnesier belagern Platää (71-78). Niederlage der Athener bei Spartolos (79). Unternehmungen der Peloponnesier in Akar nanien und ihre Niederlage bei Stratos (80-82). Phormion besiegt die peloponnesische Flotte im Ausgange des Korinthischen Meerbusens (83, 84). Vorbereitungen zu einer neuen Schlacht (85, 8K). Ansprache der pelo ponnesischen Befehlshaber (87) und Phormions (88, 8S) an die Mannschaft ihrer Flotten. Neue Schlacht, in der die Peloponnesier anfangs siegelt, dann aber von den Athenern geschlagen werden (88-92). Die Peloponnesier versuchen vom Isthmus und Megara aus einen Handstreich gegen den Peiraieus, kommen aber nur bis Salamis, von wo sie sich vor den Athenern wieder zurückziehen (93, 94). Feldzug des Thrakerkönigs Sitalkes gegen Perdikkas (95, us, 98). Das Odrysenreich des Sitalkes (97). Nachrichten über Makedonien (99, 100). Weiterer Verlauf des Feldzugs und Titalkes' Rückzug (101). Phormions Zug nach Akarnanien und seine Rückkehr nach Athen (102, 103).
- front.3.18
Drittes Buch
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Viertes Kriegsjahr (Kap- 1—2S)
- front.3.20
Dritter Einfall der Peloponnesier nach Attika (1). Lesbos mit Ausnahme von Methymna fällt von den Athenern ab; diese schicken eine Flotte nach Mytilene und schließen es von der Seeseite ein (2-6). Gleich zeitige Sendung einer Flotte nach dem Peloponnes, Oiniadai und Leukas (7). Gesandte der Mytilener, die sich um Hilfe nach Lakedämon gewandt, finden sich bei den Olympischen Spielen ein (8). Ihre dort gehaltene Rede (9-14). Aufnahme von Lesbos in den Peloponnesischen Bund (15). Eine athenische Flotte geht nach dem Peloponnes (16). Größe der damaligen athenischen Kriegsflotte (17). Kämpfe auf Lesbos (18). Die Athener schicken unter Paches Verstärkungen nach Mytilene (18). Mytilene von der Land- und Seeseite eingeschlossen (18). Erste Kriegssteuer in Athen. Eintreibung von Steuern auch von den Bundesgenossen. Dabei wird Lysikles von den Kariern überfallen und erschlagen (19). Ein Teil der belagerten Platäer schlägt sich durch und gelangt nach Athen (L0-L4). Sendung des Lake dämoniers Salaithos nach Mytilene (25).
- front.3.21
Fünftes Kriegsjahr (Kap. S6-88)
- front.3.22
Vierter Einfall der Peloponnesier nach Attika unter Kleo menes (26). Mytilene ergibt sich den Athenern (27, 28). Die peloponnesische Flotte unter Altides kommt für Mytilene zu spät, geht nach Ionien und von da zurück nach dem Peloponnes (2«, 29-33, 69). Paches verfolgt sie, erobert Notion (33-34) und schickt Salaithos und etwa tausend Mytilener als Gefangene nach Athen (35). Die Athener lassen Salaithos hinrichten und beschließen, alle erwachsenen Mytilener zu töten, bereuen aber ihren Beschluß und verhandeln darüber von neuem (36). Rede Kleons für den ersten Beschluß (37-40). Rede des Diodotos dagegen (41-48). Der Beschluß wird aufgehoben. Nur die von Paches nach Athen geschickten tausend Hauptschuldigen werden hingerichtet, nach Lesbos Kleruchen ge sandt (4S. 50). Nikias erobert und befestigt die Insel Minoa bei Megara (St). Platäa ergibt sich den Lakedämonier«. Rede der Platäer (53-58). Gegenrede der Thebaner (60-67). Alle Platäer werden getötet; ein Jahr nachher wird die Stadt gänzlich zerstört (68). Anschlag der Lakedämonier auf Kerkyra (69). Parteikämpfe in Kerkyra (70-75). Eine athenische Flotte unter Nikostratos trifft dort ein (75), bald nachher auch die pelo ponnesische Flotte unter Altidas (7k). Es kommt zur Schlackt (77, 78). Beim Erscheinen einer zweiten athenischen Flotte unter Eurymedon ziehen die Peloponnesier von Kerkyra ab (80, 84). Greueltaten in Kerkyra (8i). Infolge der Parteikämpfe in den Städten zunehmende sittliche Verwilderung in Griechenland (82-84). Kerkyräische Flüchtlinge beunruhigen vom Fest« lande aus die Insel. Sie landen dort und erbauen sich auf dem Berge Istone eine Burg (85). Die Athener schicken eine Flotte nach Sizilien (86). Neues Auftreten der Pest in Athen (87"). Zug der Athener in Sizilien nach den Äolischeu Inseln (88).
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Sechstes Kriegsjahr (Kap. 8S-tt6)
- front.3.25
Erdbeben nnd Überschwemmungen (89). Krieg in Sizilien. Der athenische Feldherr Laches erobert Mylai nnd Messene (90). Die Athener schicken eine Flotte nach dem Peloponnes, eine andere nach Melos, wenden sich von da nach Böotien und siegen bei Tanagra (91). Die Lakedämonier gründen die Kolonie Herakleia in Trachis (92, 93). Demosthenes auf Leukas (94). Sein unglücklicher Feldzug gegen die Ätolier (94-98). Athener in Sizilien gegen Lokris (99). Erfolglose Unternehmung der Atolier und des Lake dämoniers Eurylochos gegen Naupaktos (101, 102). Weitere Kämpfe in Sizilien (103). Die Athener reinigen Delos (104). Kämpfe in Akarnanien. Siege des Demosthenes dort (505-114). Die Athener schicken Verstärkungen nach Sizilien (115). Ausbruch des Ätna (116).
- front.3.26
Viertes Buch
- front.3.28
Siebentes Kriegsjahr (Kap. l-.")!)
- front.3.29
Syraknser und Lokrer in Messene (i). Fünfter Einfall der Pelo ponnesier nach Attika unter Agis (2). Eine athenische Flotte geht nach Kerkyra und Sizilien (2). Demosthenes befestigt Pylos (S-S). Die Peloponnesier ziehen aus Attika ab (6). Die Athener unter Simonides nehmen Eion, können es aber nicht behaupten (7). Weitere Ereignisse bei Pylos (8, 9). Demosthenes' Ansprache an seine Leute (10). Ergebnislose Angriffe der Lakedämonier auf Pylos (11, 12). Sieg der iuzwischen von Zakynthos bei Pylos eingetroffenen athenischen Flotte. Spartaner auf der Insel Sphakteria eingeschlossen (13. 14). Waffenstillstand. Unterdessen gehen lakedämonische Gesandte zu Friedensverhandlungen nach Athen (15, 16). Rede der Gesandten in Athen (17-20). Die Athener gehen, vornehmlich auf Kleons Betreiben, auf die Fried ensvorschläge nicht ein, und die Gesandten reisen wieder ab (21, 22). Wiederaufnahme der Feindseligkeiten bei Pylos (23). Kämpfe in Sizilien (L4, 25). Die Athener bei Pylos leiden Not. Den Lakedämoniern gelingt es, Spbakteria mit Nahrungsmitteln zu versorgen (26). Kleon geht nach Pylos (27, 28). Die Athener landen auf Sphakteria und überwältigen die Besatzung, die sich ge fangen gibt. Kleon bringt die Gefangenen von der Insel nach Athen (29-39). Eindruck des Ereignisses in Griechenland (40). Pylos bleibt, nachdem beide Heere von dort abgezogen sind, in den Händen der Athener und wird durch Messenier aus Nanpaktos beseht (4t). Zug der Athener ins Korinthische, Sieg über die Korinther und weitere Landungen im Peloponnes (42-45). In Kerkyra neue Parteikampfe, in welche die Athener auf der Fahrt nach Sizilien eingreifen, und neue Greueltaten (46-48). Athener und Afarnanier bemächtigen sich Anaktorions (4S). Der persische Gesandte Artaphernes wird von den Athenern gefangen (S0). Die Chier schleifen auf Befehl der Athener ihre Stadtmauer (5t).
- front.3.30
Achtes Kriegsjahr (Kap. S2-116)
- front.3.31
Sonnenfinsternis nnd Erdbeben. Die mytilenischen Flüchtlinge nehmen Rhoiteion und Antandros (52). Die Athener nehmen Kythera und Thyrea. Maßregeln der durch ihr Unglück entmutigten Lakedämonier. Sie errichten, jetzt zuerst, auch eine Reiterei (53-57). Versammlung der Sitelioter in Gela (58). Rede des Hermotrates (59-64). Sie schließen unter sich Frieden. Auch die Athener treten ihm bei nnd ziehen von Sizilien ab (65). Die Athener erobern die langen Mauern von Megara und die Hafenstadt Nisaia (66-6S). Brasidas entsetzt Megara und zieht nach ergebnislosen Gefechten mit den Athenern in die Stadt ein (7t-7S). Einführung einer oligarchischen Verfassung in Megara (74). Die Athener nehmen Antandros wieder. Lamachos im Schwarzen Meere (75). Auschläge der Athener auf Siphai, Chaironeia und Delion (76-77).
- front.3.32
Brasidas zieht durch Thessalien nach Chalkidike (78-82) und mit Perdikkas gegen Arrhibaios (83). Er rückt vor Akanthos (84); seine Ansprache an die Einwohner (85-87). Akanthos fällt von den Athenern ab, bald nachher auch Stageiros (88). Ein Anschlag der Athener auf Siphai und Chalroneia mißlingt (89). Die Athener unter Hippotrates besetzen nnd befestigen Delion ; danach zieht ihr Heer wieder ab (SO). Das böotische Heer sammelt sich bei Tanagra (St). Rede des Böotarchen Pagondas (92). Es kommt zur Schlacht (93, 94). Hippotrates' Ansprache an sein Heer (95). Niederlage der Athener (96). Delion bleibt besetzt, wird aber bald nachher von den Böotiern genommen (97-t0t). Demosthenes' mißglückter Landungsversuch bei Simon. Sitalkes' Tod (t0t). Amphipolis und noch andere Städte gehen zu Brasidas über (tl)2-t08); danach auch die meisten Städte auf der Athos-Halbinsel (tV9). Brasidas erobert Torone (tt0-tt4) und die Feste Lekythos als, ach.
- front.3.33
Neuntes Kriegsjahr (Kap. 1t7-t35)
- front.3.34
Einjähriger Waffenstillstand zwischen Athen und Sparta (117-119). Friedensverhandlungen (119). Unterdessen gehen Skione und Mende zu Brasidas über. Deshalb neue Irrungen zwischen den Lake dämoniern nnd den Athenern. Die Athener rüsten gegen beide Städte (120-123). Perdikkas und Brasidas ziehen zum zweitenmal gegen Arrhi baios (124). Es kommt zum Rückzüge (125). Brafldas' Ansprache an sein Heer (126). Sein gefährdeter Rückzug (127, 128). Die Athener nehmen Mende wieder (12S, 130) und schließen Skione ein Ost, 133). Perdikkas, mit Brasidas zerfallen, geht zu den Athenern über nnd verhindert den Durchzug lakedamonischer Verstärkungen durch Thessalien (132). Die The baner schleifen die Mauern von Thespiai. Der Hera-Tempel in Argos brennt ab (133). Schlacht zwischen den Mantineern und Tegeern (134). Brafldas' mißglückte? Handstreich gegen Potidäa (13b).
- front.4.1
Fünftes Buch
- front.4.2
Zehntes KriegSjahr (Kap. 1-24)
- front.4.3
Ablauf des Waffenstillstandes. Die Delier zur Auswanderung gezwungen Man. 1). Kleon geht mit einem Heere nach der thrakischen Küste unter Segel, erobert Torone und wendet sich gegen Amphipolis E, 3). Eine athenische Gesandtschaft unter Phaiax geht nach Sizilien ( », 5). Nachdem Kleon und Brasidas sich eine Zeitlang gegenübergestanden, kommt es zur Schlacht bei Amphipolis («-L). Brasidas Rede an sein Heer (9). Niederlage der Athener. Brasidas fällt, Kleon wird ans der Flucht erschlagen (10,11). Beide Teile sind geneigt, Frieden zu schließen. Spartanische, unter Ramphias nach Thrakien entsandte Verstärkungen kehren in Thessalien wieder um (12-15). In Sparta ist vornehmlich König Pleistoanar, in Athen Nikias für den Frieden (1«).- Friedensschluß (17-20). Urkunde (18). Verhandlungen über die Räumung von Amphipolis (21). Böotien, Korinth, Elis und Megara nehmen den Frieden nickt an (17-22); infolgedessen Bündnis zwischen Sparta und Athen (23). Urkunde (23). Die Gefangenen von Sphakteria herausgegeben (24).
- front.4.4
Elftes KriegSjahr (Kap. 25-39)
- front.4.5
Zustände nach dem Friedensschluß. Bemerkungen über die siebeuund zwanzigjährige Dauer des ganzen Krieges (25, 26). Auf Anregung der Korinther snchen die Argeier im Gegensatz zu Sparta und Athen einen Bund der dazu geneigten Staaten zustande zu bringen (27, 28). Mantinea tritt dem Bunde bei. Auch andere peloponnesische Staaten zeigen sich dazu ge neigt (2v). Erfolgloser Versuch der Lakedämonier, Korinth zur Annahme des Friedens zu bewegen (30). Elis, Korinth und die Chalkidier treten dem Argeiischen Bunde bei (31). Die Athener erobern Skione und führen die Delier auf ihre Insel zurück (32). Krieg zwischen Lokris und Phokls. Tegea und die Böotier lehnen es ab, dem Argeiischen Bunde beiznlreten (32). Die Lakedämonier befreien die Parrhasier von der Herrschaft der Mantineer (33). Sie lassen die Heloten, welche unter Brasidas gedient, frei. Ihr Argwohn gegen die auf Sphakteria in Gefangenschaft geratenen Spartiaten (34). Thyssos von den Diern erobert. Irrungen und Verhandlungen zwischen Athen nnd Sparta über die Erfüllung der Friedeusbedingungen (35). Treibereien der Ephoren Kleobulos und Xenares gegen den Frieden (36). Verhandlungen über ein Bündnis zwischen Argos und den Böotiern (37,38). Bündnis zwischen Lakedämonier» nnd Böotiern (37,38). Panakton geschleift(3S).
- front.4.6
Zwölftes Kriegsjahr (Kap. 40—51)
- front.4.7
Verhandlungen zwischen Argeiern und Lakedämonier» über ein Bündnis (40, 41). In Athen Verstimmung gegen die Lakedämonier (42). Auch hier suchen es die Gegner des Friedens zum Bruch zu treiben, insbesondere Altibiades, dem es gelingt, ein Bündnis mit Argos, Elis nnd Mantinea zustande zu bringen (43-46). Urkunde un. Korintb tritt ihm nicht bei (18 Die Lakedänlonier werden durch die Eleer von den olympischen Spielen au geschlossen (49, 50). In Trachis Kämpfe zwischen Herakleia und den Nachbarstämmen (51).
- front.4.9
Dreizehntes Kriegsjahr (Kap. SS—SV)
- front.4.10
Die Böotier besehen Herakleia. AlkibiadeS an der Spike eines Heeres der Verbündeten im Pelopounes (SS). Krieg zwischen Argos nnd Epidaurvs. Die Lakedämonier ziehen gegen Karyai und schicken eine Besatzung nach Epi dauros. Die Athener erklären den Frieden für gebrochen (53-56).
- front.4.12
Vierzehntes Kriegsjahr Mars. 57-81)
- front.4.13
Feldzug der Lakedamonier nnd ihrer Bundesgenossen unter König Agio gegen Argos (57). Auch die Argeier und ihre Bundesgenossen erscheinen im Felde (58, SS). Agis schließt einen viermonatlichen Waffenstillstand und zieht ab (6(1). Die argeiiscben Verbündeten erobern Orchomenos und rüsten gegen Tegea (61, 68). In Sparta Unwille gegen Agis wegen des Abzugs aus Argos (63). Neuer Feldzug der Lakedämonier unter Agis gegen Argos, der die Verbündeten in der Schlacht bei Mantinea besiegt («4-74). Inzwischen sind die Epidanrier nach Argos eingefallen; darauf wird Epi danros belagert (75). Friede und dann auch Bündnis zwischen Argos und den Lakedämoniern (76, 78). Die Urkunden (77, 79). Die Chalkidier und Perdikkas schließen sich dem Bündnis an. Abzug der Atheuer von Epi dauros (80). Auch Mantinea bequemt sich zum Frieden mit den Lake dämoniern. Unter deren Einfluß Einführung oligarchiscber Verfassungen in Sikyon nnd Argos (8t).
- front.4.15
Fünfzehntes Kriegsjahr (Kap. 8L 83)
- front.4.16
In Argos Sieg der Volkspartei und Wiederanschlnß an Athen. Bau langer Mauern von Argos bis an die See (82). Zug der Lakedämonier nach Argos, der Argeier nach Phlius. Feindschaft zwischen Athen und Perdikkas (83).
- front.4.18
Sechzehntes Kriegsjahr Man. 84-VI Kap. 7)
- front.4.19
Zug der Athener nach Melos, das sich ihnen nicht unterwerfen will (84). Verhandlungen mit den Meliern (85-413) bleiben erfolglos, ind die Stadt wird eingeschlossen (114). Kleinere Unternehmungen der Argeier, Athener, Lakedamonier ind Korinther (115). Ausfülle der Melier. Die Athener schicken Verstärkungen nach Vieles, das sich auf Gnade und Ungnade er geben muß (115, 116).
- front.4.20
Sechstes Buch
- front.4.21
Die Athener beabsichtigen einen neuen Zug nach Sizilien, um die Insel zu unterwerfen. Größe, Bevölkerung und Besiedelung von Sizilien (1-5). Egesta, im Kriege mit Selinus, bittet die Athener um Hilfe. Die Athener schicken Gesandte nach Egesta (6). Ereignisse in Argolis und in Make donien (7).
- front.4.22
Siebzehntes Kriegsjahr (Kap. 8-V3)
- front.4.23
Die Athener beschließen, eine Flotte nach Sizilien zu schicken, und Alkibiades, Nikias und Lamachos werden zu Feldherren ge wählt (8). In einer zweiten Versammlung widerrät Nikias der Unter nehmung (8). Seine Rede (S-14). Alkibiades aber tritt dafür ein. Alki biades' Lebensweise und hochfiiegende Pläne (IS). Seine Rede (15-18). Nitias sucht die Athener durch Hinweis auf die großen Anforderungen eines solchen Unternehmens von ihrem Vorhaben abzubringen (19). Seine Rede (20-23) aber bewirkt das Gegenteil. Es bleibt bei dem ersten Beschluß (24), und die Rüstungen beginnen (25, 2«). Verstümmelung der Hermen. Darüber große Aufregung (27). Alkibiades, des Frevels wegen beschuldigt, weigert sich abzufahren, bevor darüber gerichtlich entschieden. Auf Betreibe« seiner Gegner wird jedoch die Untersuchung ausgesetzt und beschlossen, er solle sofort abfahren (28, 2S). Die Flotte, groß und prächtig wie keine zuvor, geht nach Sizilien unter Segel (30, 31). Auf die Nachricht davon kommt es in Syrakus zu Verhandlungen ; man will an die Sache noch nicht glauben, bereitet sich aber für alle Fälle auf einen Angriff vor (33-41). Die athenische Flotte sammelt sich bei Kerkyra (42). - Stärke der Streitkräfte (43). - Sie geht nach Italien hinüber und legt bei Rhegion an (44). Auch Syrakus rüstet jetzt eifrig zum Kriege (4S). Kriegsrat der Athener. Meinungs verschiedenheiten der drei Feldherren (46-47). Alkibiades rät, sich zunächst mit den Städten ins Benehmen zu setzen und dann erst Syrakus und Selinus anzugreifen. Lamachos tritt ihm bei (48-50). Naxos und Katana schließen sich den Athenern an-, Kamarina weist sie ab (50-52). Nach einer vor läufigen Landung bei Syrakus gehen sie mit der ganzen Flotte nach Katana (52). Hier war inzwischen die Salaminia eingetroffen, um Alkibiades nach Athen abzuholen, wo man nachträglich doch noch eine Untersuchung wegen des Hermenfrevels und Verspottung der Mysterien gegen ihn eingeleitet hatte (53). - Rückblick auf die Herrschaft der Peisistratiden und die Tyrannen mörder Harmodios und Aristogeiton (54-59). - Auf der Fahrt nach Athen entkommt Alkibiades bei Thnrioi der Salaminia und gelangt nach dem Pelo ponnes. In Athen wird er abwesend zum Tode verurteilt («0, «1). Die Athener in Sizilien erobern Hykkara. Nikias in Egesta. Vergeblicher Versuch auf.hybla (62). Die Athener landen bei Syrakus und schlagen dort ein Lager auf (63-66). Es kommt zur Schlacht (67). Nikias' Ansprache au sein Heer (68). Die Athener siegen, ziehen sich dann aber nach Katana zurück (69-71). In Syrakus werden nach einer Rede des Hermokrates-neue Feldherren gewählt, auch Gesandte von dort um Hilfe nach Korinth und Sparta geschickt (72, 73). Nach einem vergeblichen Versuch auf Messene überwintern die Athener in Naxos und erbitten sich Geld und Reiterei aus Athen (74). Die Syrakuser befestigen ihre Stadt und verbrennen das Lager der Athener bei Katana. Beide Teile suchen Kamarina auf ihre Seite zu ziehen. Rede des Hermokrates (76-80) uud des Atheners Enphemos (82-87). Kamarina bleibt neutral (88). Verhandlungen der Athener mit den Sitelern. Karthagern und Thyrsemen. Die syraknsiscken Gesandten bringen ihr Anliegen in Korinth und darauf auch in Sparta vor, wo auch Alkibiades für sie eintritt (88). Seine Rede, worin er deu Lakedämoniern zugleich zur Befestigung von Dekeleia rät (89-SL). Die Lakedämonier be schließen, Dekeleia zu befestigen und den Syrakusern Golippo? als Feld herrn mit einer Flotte zu Hilfe zu schicken. Aue Athen sendet man Geld ind Reiter nach Sizilien (S3).
- front.4.25
Achtzehntes Kriegsjahr Nov. 94-V1I 18)
- front.4.26
In Sizilien vershciedene Unternehmungen der inzwischen nach Katana zurückgekehrten Athener (94). Kleinere kriegerische Ereignisse im Peloponnes. Aufstand der Demokraten in Thespiai (95). Die Athener überraschen die Syrakuser durch ihr plönliches Erscheinen von Katana her, erobern Epipolai (9«, 97) und beginnen Syrakus mit einer Mauer einzuschließen (98). Die Syrakuser suchen vergeblich die Fortsetzung der Arbeit durch den Bau einer Quermauer zu verhindern. Es kommt zu einer Schlacht, in der Lamachoo fällt (99-101). Erfolgloser Ausfall der Syrakuser (102). Die Athener schließen die Stadt von Epipolai bis an die See mit einer doppelten Mauer ein. In Syrakus neigt man bereits zum Frieden und knüpft mit Nikias Verhandlungen an (103). Unterdessen trifft Gylippos au der Küste Italiens ein (104). Im Peloponnes fallen die Lakedämonier den Argeiern inS Land, denen die Athener zu Hilfe kommen, und darauf die Argeier in das Gebiet von Phlins ein (105).
- front.4.27
Siebentes Buch
- front.4.28
Gylippos fährt von Tarent nach Himera und bricht von dort mit seinem Heere zu Lande nach Syrakus auf (1, L). Die Syrakuser, durch den in zwischen mit seinem Schiffe bei ihnen eingetroffenen Korinther GongyloS er mutigt, gehen ihm entgegen. Er langt bei Epipolai an, nimmt mit den Syrakusern den Kampf gegen die Werke der Athener auf und erobert Lab dalon (3). Die Syrakuser bauen eine neue O.uermauer. Nikias befestigt das Plemmyrion (4). Gylippos, in einem ersten Gefechte geschlagen, besiegt in einem zweiten die Athener, und die Mauer der Syrakuser wird fertig (5, 6). Die korinthische Flotte kommt an. Gylippos bietet in Sizilien Truppen auf (7). Nikias berichtet nach Athen über seine bedenkliche Lage und bittet um Vertsärkungen (8). Der athenische Feldherr Euetion zieht mit Per dikkas gegen Amphipolis (9). Nikias' Abgesandte kommen in Athen an nnd überbringen seinen Bericht (10). Dessen Wortlaut (11-15). Demotshenes nnd Eurymedon werden neben Nikias zu Feldherren ernannt. Eurymedon geht sofort mit zehn Schiffen nach Sizilien ab; Demosthenes soll mit weiteren Verstärkungen nachkommen (16). Vorsichtsmaßregeln der Athener gegen überseeische Unternehmungen der Korinther (17). Die Lakedämonier rüsten sich zum Einfall nach^lttika nnd zur Befestigung von Dekeleia (1?).
- front.4.30
Neunzehntes Kriegsjahr (Kap. lv-VIII 6)
- front.4.31
Die Lakedämonier fallen nach Attika ein und befestigen Dekeleia. Aus dem Peloponnes wird schweres Fußvolk nach Sizilien ge sandt (19). Die Athener schicken Charikles mit einer Flotte nach dem Pelo ponnes. Demosthenes geht nach Sizilien ab, soll aber zunächst Charikles bei seinen Unternehmungen an der lakonischen Küste unterstützen (20). Gylippos erobert das Plemmyrion. Die syraknsische Flotte wird besiegt. Syraknsische Schiffe in den italischen Gewässern. Weitere Gefechte im Hafen von Syrakus (21-25).
- front.4.32
Demosthenes vereinigt sich mit Charikles. Nachdem sie an der lakonischen Küste Kythera gegenüber einen Platz befestigt, fährt Demotshenes weiter nach Kerkyra, und Charikles kehrt nach Athen zurück (26). Dreizehnhundert für Demostheues bestimmte Thraker kommen zu spät in Athen an und werden wieder nach Hause geschickt. Trotz der Feinde in Dekeleia und der ihnen von dort drohenden Gefahren führen dir Athener den Krieg immer noch mit wunderbarer Kraft und Kühnheit (27, 28). Auf dem Rückwege überfallen die Thraker die böotische Stadt Mykalessos und richten dort ein furchtbares Blutbad an, werden dann aber von den Böotiern verfolgt und znm Teil niedergemacht (29, 30). Demotshenes verstärkt sich in Kerkyra und trifft mit Enrymedon, der von Sizilien zurückkommt, dort zusammen. Zur Ver stärkung des athenischen Geschwaders bei Naupaktos gegenüber der korinthi schen Flotte geben sie zehn Schiffe ab und bieten in Kerkyra und Akar nanien Truppen auf (3t). Sikelioteu, welche den Syraknsern zu Hilfe ziehen, werden unterwegs von Sikelern überfallen (32). Die Syraknser erhalten Verstärkungen aus verschiedenen Städten Siziliens, die jetzt bis ans das neutrale Akragas fast alle zu ihnen halten. Demosthenes und Eurymedon kommen in Italien an und finden dort bei mehreren Orten Unterstützung (H3). Unentschiedene Seeschlacht zwischen Athenern und Korinthern bei Erineos in Achaia (34). Während Demotshenes und Enrymedon noch in Italien ver weilen (35), rüsten sich die Syrakuser von neuem znm Angriff, und es kommt im Hafen zu Kämpfen, die mit einer Niederlage der Athener enden (36-4(). Demotshenes und Eurymedon kommen mit ihrer Flotte und dem neuen Heere bei Syrakus an (42). Sie greifen Epipolai an, und es kommt zu einer nächtlichen Schlacht, in der die Athener schließlich besiegt werden und schwere Verluste erleiden (43-43). Sendung der Syraknser nach Akragas. Gylippos bereist die Wischen Städte, nm weitere Verstärkungen aufzu bieten (46). Unter den athenischen Feldherren sind die Meinungen geteilt, was in ihrer schwierigen Lage zu tun. Demosthenes und Eurymedon raten zu sofortigem Aufbrnch, Nikias aber ist für Fortsetzung der Belagerung. So kommt es zu keinem Entschluß, und darüber verstreicht die Zeit (47-4S). Gylippos bringt Verstärkungen mit. Die Athener beschließen, in der Stille abzuziehen-, da aber eine Mondfinsternis eintritt, wird die Abfahrt ver schoben (50). Die Syraknser nehmen den Kampf von neuem auf; es kommt zu Lande zu einem kleinen Gefechte und am Tage darauf zu einer großen Seeschlacht, in der die Athener unterliegen. Eurymedon fällt (St, 52). Ein Angriff des Gylippos auf das athenische Lager wird abgeschlagen (53, IV. Mutlosigkeit der Athener. Um sie nicht entkommen zu lassen, wollen die Syraknser die Hafeneinfahrt sperren (56). Aufzählung der Verbündeten der Athener und der Syrakuser (57, 58). Die Syrakuser sperren die Hafen einfahrt (5S). Die Athener geben ihre höhergelegenen Werke ans, ziehen sich in der Nähe der Schiffe zusammen und beschließen, es zunächst nochmal auf eine Seeschlacht ankommen zn lassen (60). Ansprache des Nikias (6t-64V Auch die Syrakuser bereiten sich zur Schlacht vor (65). Ansprache der svra tusischen Feldherren (««-68). Weitere Ansprache des Nikias («»). See schlacht und Niederlage der Athener (70, 7t). Sie beschließen, zu Lande abzuziehen (72). Den Syrakusern gelingt es, ihren Abzug zn verzögen» und ihnen inzwischen die Wege zu verlegen (73, 74). Abzug der Athener. Dumpfe Verzweiflung und herzzerreißende Szenen (75). Nikias sucht den Mut der Seinigen zu beleben ( 76, 77). Die Athener erzwingen den Über gang über den Anapos und sehen ihren Marsch unter beständigen Gefechten mit den Syrakusern fort (78, 79), schlagen dann aber einen anderen Weg in der Richtung auf Gela und Kamarina ein und überschreiten den Kaky« paris (80). Die Syrakuser nehmen die Verfolgung auf. Demost Heues mit seinem Heeresteil ergibt sich (81, 82). Nikias, der inzwischen den Erineos überschritten, erreicht den Asinaros, wo es zu einer blutigen Schlackt kommt, nach der Nikias sich mit seinem Heere an Gylippos ergibt (83-85). Die gefangenen Athener werden in die Steinbrüche gebracht, Nikias und De» mosthenes hingerichtet (86). Trauriges Los der Gefangenen in den Stein- brüchen Dieser sizilisch e Feldzng das folgenschwerste Ereignis des ganzen Krieges, ja der griechischen Geschichte etwa.
- front.4.33
Achtes Buch
- front.4.34
Infolge der Nachrichten ans Sizilien große Bestürzung in Athen und all gemeine Bewegung in Griechenland (1, 2). Die Lakedämonier richten sich auf einen Frühjahrsfeldzug ein und nötigen die Bundesgenossen, Schiffe zu stellen (3). Auch die Athener rüsten zum Kriege ( l). Die Euboier und die Lesbier wenden sich an König Agis, um von den Athenern abzufallen, die Chier und die Erythraier zu demselben Zweck nach Lakedämon selbst. Zugleich sucht Tissaphernes, aber anch Pharnabazos mit den Lakedämoniern anzu knüpfen. Diese beschließen, zuerst Chios zu inter stützen (5, O.
- front.4.36
Zwanzigstes Kriegsjahr (Kap. 7-60)
- front.4.37
Auch schicken sie eine Flotte nach Chios ab, die jedoch von den Athenern verfolgt und in dem Hafen Peiraios im Korinthischen eingeschlossen wird (7-11). Alkibiades geht mit dem Lakedämonier Chalkidens und fünf Schiffen nach Chios (12). Die peloponnesischen Schiffe kommen aus Sizilien nach Korinth zurück (13). Alkibiades und Chalkideus erscheinen plötzlich vor Chios. Chios, Erythrai und Klazomenai fallen von Athen ab (14). Die Athener schicken eine Flotte nach Chios (15). Teos fallt von Athen ab (1«); ebenso Milet (17). Erstes Bündnis zwischen den Lakedämonier» und dem Perserkönige (18). Die Athener unter Diomedou nehmen den Chiern vier Schiffe. Die Chier bringen Lebedos und Erai zum Abfall (1K). Die im Peiraios eingeschlossene peloponnesische Flotte entkommt nach Kenchraiai und soll von da unter Astyochos' Befehl sogleich wieder nach Ionien abgehen. Diomedon trifft ein Abkommen mit Teos und greift Erai vergeblich an (10). Sieg der Volkspartei in Samos (21). Erfolglose Unter nehmung der Chier und der Lakedämonier unter Astyochos gegen Lesbos. Klazomenai schließt sich den Athenern wieder an (22, 23). Die Athener landen bei Milet. Chalkidens fällt. Siege der Athener in Chios. Zustände und Stimmungen in Chios (24). Landung und stegreiche Kämpfe neuer athenischer Streitkräfte unter Phrynichos bei Milet (25). Nach Ankunft einer großen Flotte aus Sizilien und dem Peloponnes ziehen die Athener nach Samos ab (2«, 27). Die Peloponnesier, mit Tissaphernes vereint, erobern Iasos, nehmen Amorgos gefangen und liefern ihn Tissaphernes aus (28). Irrungen zwischen Tissaphernes und den Peloponnesiern wegen Zahlung des Soldes (29). Weitere Unternehmungen der Athener gegen Chios und Milet (30). Astyochos greift Pteleon und danach Klazomenai vergeblich au (3t), will den Lesbiern zum Abfall verhelfen, findet aber dabei bei den Chiern und dem lakedämonischen Feldherrn Pedaritos keine Unterstützung (32). Astyochos begibt sich zur Übernahme des Oberbefehls von Chios nach Milet. Die athenische Flotte wird auf der Fahrt von Samos nach Chios durch einen Sturm verschlagen (33, 34). Der Lakedämonier Hippokrates geht mit einer Flotte vom Peloponnes nach Knidos, das von Athen abgefallen ist. Die Athener nehmen ihm sechs Schiffe weg, greifen aber Knidos vergeblich an und gehen darauf zurück nach Samos (35). Die Lakedämonier schließen mit Tissaphernes einen neuen Vertrag (36). Urkunde (37). Die Athener landen auf Chios und befestigen Delphinion (38). Die Lakedämonier senden aus dem Peloponnes eine Flotte unter Antisthenes und mit ihm elf als Beirat für Astyochos bestimmte Spartiaten nach Ionien. Aus Furcht vor den Athenern aber fährt Antisthenes nach Kauuos (29). Die Chier und Pedaritos bitten Astyochos um Hilfe (40). Der wendet sich jedoch zunächst nach Kannos und vereinigt sich, nachdem er unterwegs Kos verwüstet, Knidos angelaufen und die athenische Flotte unter Charminos in die Flucht geschlagen, mit Antisthenes bei Knidos (41, 42). Unzufriedenheit der Lakedämonicr, insbesondere des Lichas, mit den früher von Chalkideus und Therimeues mit den Persern abgeschlossenen Verträgen. Streit darüber mit Tissaphernes (43). Zug der Peloponnesier nach Rhodos, das zu ihnen übergeht (44). Alkibiades wird den Lakedämoniern verdächtig, begibt sich zu Tissaphernes und arbeitet bei ihm gegen die Peloponnesier, wobei er zu gleich auf seine Znrückberufung nach Athen und den Sturz der Demokratie bedacht ist (45-47). Oligarchische Bestrebungen unter den Athenern in Samos, denen Phrynichos entgegentritt (48). Da er damit nicht durch dringt, setzt er Astyochos brieflich von den Plänen des Alkibiades in Kenntnis nnd erbietet sich, ihm zur Vernichtung des athenischen Heeres in Samos die Hand zu bieten. Astyochos aber teilt seine Briefe Alkibiades mit, und die Sache kommt in Samos aus. Trotzdem bleibt PhnMchos' Stellung im Heere unerschüttert, und er selbst läßt Samos befestigen (4S-5t). Alki biades bemüht sich, Tissaphernes auf die Seite der Athener zu ziehen (52 ). Peisaudros und die mit ihm nach Athen gesandten Abgeordneten des Heeres in Samos wirken auch dort für die Oligarchie und die Zurückberufung des Alkibiades (53). Sie werden von da zu Tissaphernes uud Alkibiades ge sandt, um mit ihnen das Geeignete zu verabreden. Phrynichos ind Skiro nides werden ihres Amts enthoben uud statt ihrer Diomedou und Leon zu Feldherren ernannt (54). Zug der Athener nach Rhodos nnd siegreiche Ge fechte in Chios, in denen Pedaritos fällt (55). Ergebnislose Verhandlungen der athenischen Gesandten mit Tissaphernes (56). Tissaphernes schließt mit den Lakedämoniern einen dritten Vertrag (57) - Urkunde (S8) - und ist anscheinend bereit, ihn zu erfüllen (S9X Die Böotier be mächtigen sich der Stadt Oropos. Die Peloponnesier in Rhodos wollen Chios zu Hilfe kommen, gelangen aber nur bis Milet (SO).
- front.4.39
Einundzwanzigftes 5^riegsjahr l^ap. S1 lVV)
- front.4.40
Der Spartiate Dertylidas geht nach dem Hellespont. Kriegerische Ereig nisse in Chios (St). Derkylidas bringt Abydos und ^ampsakos zum Abfall. Lampsakos wird von Strombichides, der mit einer Flotte von Chios kommt, wieder unterworfen (62). Die peloponuesische Flotte unter Astyochos greift Samos an, zieht aber wieder ab. Peisandros und seine Anhänger versuchen in Samos ein oligarchisches Regiment aufzurichten. Sie beschließen, Alki biades ganz aus dem Spiel zu lassen und auf eigene Hand vorzugehen. Peisandros wird nach Athen, Diotrephes nach Vorderthrakien geschickt, um für die Oligarchie zu wirken. Thasos fällt von den Athenern ab (63, «4). In Athen haben die Freunde des Peisandros schon vorgearbeitet, Androkles, einen Führer der Volkspartei, ermordet und einen Antrag angekündigt, wo nach das Stimmrecht in der Volksversammlung nur fünftausend Bürgern belassen werden soll (6S). Die oligarchische Partei ist immer mächtiger ge worden, das Volk eingeschüchtert (66). Auf Antrag des Peisandros be schließt eine Volksversammlung weitgehende Verfassnngsändernngen, ins' besondere die Einsetzung des Rats der Vierhundert («7). Neben Peisandros gehören namentlich Antiphon, Phrynichos und Theramenes zu den eifrigsten Vorkämpfern der Oligarchie («8). Die Vierhundert werden auf dem Rar hause eingeführt, richten sich dort ein und führen seitdem ein gewaltsames Regiment. Sie suchen mit Agis Verhandlungen anzuknüpfen, der darauf jedoch zunächst nicht eingeht, ja sogar einen freilich erfolglosen Angriff auf die Stadt unternimmt (69-71). Der Versuch, in Samos ein oligarchisches Regiment aufzurichten, mißglückt, nnd das Heer in Samos unter Führung von Teon und Diomedon, Thrasybulos uud Thrasylos erklärt sich für die Deine- kratie (72-77). Astyochos unternimmt eine Fahrt nach Mykale, zieht sich aber vor der vom Hellespont kommenden Flotte des Strombichides nach Milet zurück (78, 79). Die Peloponnesicr in Milet schicken vierzig Schiffe an Pharnabazos. Byzanz fällt von den Athenern ab (8v). Alkibiades, durch Thrasybulos zurückgerufen, kommt nach Samos und wird dort vom Heere zum Oberfeldherrn gewählt (81, sei. Zunehmende Verstimmung gegen Tissaphernes und Astyochos im Heere bei Milet. Es kommt zu offener Empörung und Gewalttätigkeiten (83, sei. Mindaros trifft als Nachfolger des Astyochos in Milet ein und übernimmt den Oberbefehl. Astyochos fährt nach Lakedämon ab (83). Inzwischen kommen Gesandte der Vierhundert nach Samos und suchen das Heer zu beschwichtigen und zu gewinnen, werden aber von Alkibiades mit der Ant wort abgefertigt, daß er die Wiedereinsetzung des Rates der Fünfhundert verlange (86). Ttssapherues begibt sich nach Aspendos, angeblich um die phönizische Flotte zu holen, wohin ihm Alkibiades folgt. Die Flotte kommt aber nickt (87, 88). Die Vierhundert suchen Fühlung mit den Lakedämoniern und wollen Frieden schließen. Sie befestigen Entioneia am Eingange des Peiraieus. In Athen wachsende Opposition gegen das oligarchische Regi« ment. Theramenes und Aristokrates an der Spike der Unzufriedenen. Phrynichos wird ermordet. Bei Entioneia kommt es zu gewalttätigen Auf tritten. Eine peloponnesische Flotte nähert sich dem Peiraieus, geht aber weiter nach Eretria und besiegt die sich ihr hier entgegenstellende Flotte der Athener. Bestürzung darüber in Athen (89-96). Die Athener setzen die Vierhundert ab, übertragen die Regierung auf die Fünf tausend, rufen Alkibiades zurück und das Heer in Samos zu Hilfe (97). Die Häupter der Oligarchie flüchten nach Dekeleia-, nur Aristarchos bemächtigt sich Oinoes durch Überlistung der athenischen Be sahung und liefert es den Böotiern aus (98). Mindaros macht sich auf Ersuchen des Pharnabazos von Milet nach dem Hellespont auf (99). Unter nehmungen der Athener auf Lesbos (100). Mindaros gelangt glücklich nach dem Hellespont (101), verfolgt und besiegt das aus Sestos entflohene athenische Geschwader (102). Die gesamte peloponnesische Flotte fährt nach Elaius und von da nach Abydos. Die Athener von Lesbos kommen ihren Landsleuten am Hellespont zu Hilfe (103). Thrasylos und Thrasybulos besiegen die peloponnesische Flotte bei Kynos-Sema (104-106). Die Athener gewinnen das abgefallene Kyzikos wieder (107). Alkibiades kommt nach Samos zurück. Tissaphernes reist nach Ionien uud will sich von da nach dem Hellespont begeben, um die Lakedämonier wegen ihres Verhaltens gegenüber seinem Unterstatthalter Arsakos zur Rede zu stellen und sich selbst vor ihnen zu rechtfertigen. Er kommt zunächst nach Ephesos (108, 10S).
- 1.1.1
Thukydides aus Athen hat den Krieg beschrieben, welchen die Peloponnesier und die Athener miteinander geführt haben. Er hat damit gleich bei Ausbruch des Krieges angefangen, indem er voraussah, daß er groß und denkwürdiger werden würde als alle früheren Kriege, da beide Teile schwer gerüstet hinein gingen und auch die übrigen griechischen Staaten entweder gleich Partei ergriffen oder doch gewillt waren, es bei erster Gelegenheit zu tun. In der Tat hat denn auch dieser Krieg nicht nur die Griechen, sondern auch einen Teil der Barbaren, ich möchte sagen der Menschheit, aufs tiefste erschüttert. Über das, was sich vor ihm oder in noch älterer Zeit zugetragen, habe ich mir bei der Größe des Zeitraums zwar kein sicheres Urteil bilden können, aber auf Grund meiner doch recht weit zurückgreifenden Forshcungen die Überzeugung gewonnen, daß Begebenheiten von besonderer Wichtigkeit bis dahin nicht vor gekommen waren, weder im Kriege noch überhaupt.
- 1.2.1
Offenbar nämlich hatte das heutige Griechenland noch lange keine fest ansässige Bevölkerung, vielmehr war es in älterer Zeit nichts Ungewöhnliches, daß ein Stamm seinen Wohnsitz wechselte und den alten ohn? l weiteres aufgab, wenn er von einem zahlreicheren Volke gedrängt wurde. Handel gab es nicht, auch keinen gesicherten Verkehr, weder zu Lande noch zur See. Man lebte von der Hand in den Mund und dachte nicht daran, Reichtümer zu sammeln oder das Land sorgfältiger zu bebauen, da man nie wissen konnte, ob nicht ein anderer kommen und alles nehmen würde, zumal die Wohnsitze nicht befestigt waren. Was man zum täglichen Leben nötig hatte, war eben überall zu haben, und so wanderte man unbedenklich aus. Darum aber ist eS auch damals zu großen Städten oder höherem Wohlstand nicht gekommen. Von solchen Wanderungen aber wurden die fruchtbarsten Länder am meisten betroffen, so daS heutige Thessalien, Böotien, der größte Teil deS Pelo ponneS mit Ausnahme von Arkadien, und die sonst besonders gesegneten Gegenden. Denn grade die bei der Ergiebigkeit ihres Bodens schon zu einem gewissen Wohlstände gelangten, infolgedessen aber auch in innere Zerwürfnisse geratenen und dadurch in ihrer Widerstandekraft geschwächten Länder waren es, welche die Begehrlichkeit fremder Stämme am meisten reizten. Attika dagegen mit seinem mageren Boden, wo seit ältester Zeit keine inneren Kämpfe vorgekommen waren, hat stets dieselbe Bevölkerung gehabt, und besonders hierauf kann ich mich für meine Ansicht berufen, daß die übrigen Länder eben der Wanderungen wegen nicht zu gleicher Blüte gelangt sind. Denn die kräftigsten Bewohner anderer griechischer Länder, wenn sie durch Krieg oder innere Unruhen zum Auswandern gezwungen waren, wandten sich nach Athen, wo sie sich sicher fühlten, wurden hier Bürger und vermehrten so die Einwohner zahl der Stadt dergestalt, daß die Athener nachmals sogar Kolonien nach Jonien aussenden mußten, weil in Attika kein Platz mehr war.
- 1.3.1
Wie schwach es in alter Zeit mit den Kräften bestellt war, entnehme ich namentlich auch daraus, daß es vor dem Troja nischen Kriege offenbar noch zu keinen gemeinsamen Unter nehmungen der Hellenen gekommen ist. Meiner Meinung nach gab es damals auch diesen Gesamtnamen noch gar nicht; und er scheint vor Hellen, dem Sohne Deukalions, überhaupt nicht vorgekommen zu sein. Vielmehr führten die einzelnen Völker schaften, so namentlich die Pelasger, alle noch ihre besonderen Namen. Erst als Hellen und seine Söhne in der Phthiotis mächtig geworden und dann auch von anderen Städten zu Hilfe gerufen worden waren, wurde es mehr und mehr üblich, auch die übrigen schlechtweg Hellenen zu nennen, wenn es auch gewiß längerer Zeit bedurft hat, bis der Name für alle Geltung gewann. Der beste Beweis dafür ist Homer; denn obgleich dieser erst lange nach dem Trojanischen Kriege lebte, so ge braucht er den Namen Hellenen doch nirgends als Gesamt bezeichnung, sondern nennt niemand so außer Achills Lands leuten aus der Phthiotis, also eben nur jene ursprünglichen Hellenen. Meint er sie alle, so nennt er sie in seinen Gedichten Danaer, Argeier oder Achäer. Ja auch von Barbaren redet er noch nicht, und nach meiner Meinung eben deshalb nicht, weil man die Hellenen als solche noch durch keinen Gesamt namen von ihnen unterschied. Diese Völkerschaften aber,mochten nun bloß einzelne von ihnen oder schon alle, soweit sie eine Sprache redeten, den Namen Hellenen führen, schwach und ohne Zusammenhang unter sich, wie sie waren, haben vor dem Trojanischen Kriege nichts Gemeinsames unternommen und sich auch zu diesem Zuge erst verbunden, nachdem sie mit der See schon vertrauter geworden waren.
- 1.4.1
Der Erste, von dem wir hören, daß er eine Flotte gehabt, ist Minos. Seine Herrschaft erstreckte sich über den größten Teil der heutigen Griechischen See und die Kykladen, die er zumeist erst selbst besiedelte und nach. Vertreibung der Karer der Botmäßigkeit seiner Söhne unterstellte. Gewiß hat er auch den Seeräubern möglichst das Handwerk gelegt, um sich den Bezug seiner Einkünfte zu sichern.
- 1.5.1
Die alten Griechen nämlich und die Barbaren auf den Inseln und in den Küstenländern legten sich, nachdem sie auch über See in lebhafteren Verkehr miteinander getreten waren, als bald auf den Seeraub, wobei die Mächtigsten, teils um eigenen Gewinstes willen, teils um auch den Armeren Unterhalt zu verschaffen, die Führung übernahmen. Sie überfielen die un befestigten, noch aus einzelnen Ortschaften bestehenden Städte und plünderten sie, ja, das bildete gradezu ihren Haupterwerbs zweig. Auch galten solche Raubzüge nicht etwa für schimpflich, sondern eher für Heldentaten. Gibt es doch auf dem Festlande auch jetzt noch Gegenden, wo man sich darauf was zugute tut, wie denn auch bei den alten Dichtern an Seefahrer bei ihrer Ankunft regelmäßig die Frage gerichtet wird, ob sie Räuber seien, ohne daß sie selbst daran Anstoß nehmen oder die Fra genden ihnen damit einen Vorwnrf machen wollen. Übrigens war daS Räuberwesen auf dem festen Lande nicht minder im Schwange. Bis auf den heutigen Tag herrscht ja in Griechen land vielfach noch die alte Wohnweise, so bei den ozolischen Lokrern, den Ätoliern, den Akarnaniern und in den ihnen be nachbarten Landesteilen, und das bei der dortigen Bevölkerung immer noch übliche Waffentragen ist ein Rest des alten Räuber wesens.
- 1.6.1
Damals, wo die Wohnsitze unbefestigt und die Straßen unsicher waren, war es in Griechenland ganz allgemein, Waffen zu tragen; auch im gewöhnlichen Leben ging man, wie die Barbaren, immer bewaffnet. Und eben daraus, daß das in solchen Gegenden Griechenlands, wo sich die alte Wohnweise erhalten hat, auch jetzt noch Sitte ist, können wir schließen, daß sie früher allgemein gewesen sein wird. Mit die Ersten, welche das Waffentragen aufgaben und eine bequemere, beinah üppige Lebensweise annahmen, waren die Athener. Es ist so lange noch nicht her, daß hier die älteren Herren der besseren Stände, verwöhnt wie sie waren, leinene Unterkleider trugen und das Haar auf dem Kopfe mit der goldenen Cikade auf steckten. Bei unseren ionischen Vettern haben sich die älteren Leute noch länger so getragen. Die heutige schlichte Tracht ist erst bei den Lakedämoniern aufgekommen, wo sich die Lebens weise der Reichen dem Zuscknitt der Gesamtheit überhaupt am meisten angepaßt hat. Bei ihnen wurde es auch zuerst Sitte, sich beim Turnen nackt auszuziehen und vor aller Augen den bloßen Leib mit Ä einzureiben. Auch bei den olympischen Spielen traten die Wettkämpfer früher mit einem Schamgürtel auf, und erst vor wenigen Jahren ist das abgekommen. Wo bei den Barbaren, namentlich den Asiaten, heutzutage Faust oder Ringkämpfe gehalten werden, wird immer noch ein solcher Gürtel getragen. So ließe sich auch sonst wohl noch manches anführen, worin die altgriechischen Sitten mit denen der heutigen Barbaren übereinstimmten.
- 1.7.1
Die erst aus jüngerer Zeit stammenden Städte, wo man sich schon besser auf die Schiffahrt verstand und reicher ge worden war, wurden mit Mauern umgeben und unmittelbar an der See oder auch auf Landengen angelegt, um hier den Handel bequemer betreiben und die Machtstellung den Nach barn gegenüber um so eher behaupten zu können. Die alten Städte auf den Inseln wie auf dem Festlande dagegen wurden meist in einiger Entfernung von der See gegründet der be ständigen Räubereien wegen, welche man untereinander, nament lich aber gegen die selbst nicht seefahrende Bevölkerung an der Wasserkante verübte, und so liegen sie auch jetzt immer noch weiter im Binnenlande.
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Die ärgsten Räuber aber waren die Inselbewohner, Karer und Phönizier, die ja doch auf den meisten Inseln ihre Nieder lassungen hatten. DaS zeigte sich auch, als die Athener im Laufe dieses Krieges Delos reinigten und die Särge der früher dort Verstorbenen von der Insel entfernen ließen, indem sich dabei herausstellte, daß über die Hälfte Karer gewesen, waS man an der Beschaffenheit der in den Gräbern gefundenen Waffen und an der bei den Karern noch jetzt üblichen Be stattungSweise erkennen konnte. Seit der Entstehung der See macht des Minos aber konnte sich die Schiffahrt ungehinderter entwickeln; denn er vertrieb die Räuber von den Inseln und besetzte die meisten von ihnen selbst mit Ansiedlern. Auch die Küstenbevölkerung wurde jetzt wohlhabender, klebte fester an der Scholle und war hie und da schon reich genug, ihre Städte mit Mauern zu umgeben. Da jeder auf seinen Vorteil bedacht war, ließen sich die Schwachen den Druck der Mächtigen ge fallen, die Mächtigen und Reichen aber unterwarfen sich die kleinen Städte. Das etwa die Zustände der Griechen, als sie den Zug nach Troja unternahmen.
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Nach meiner Meinung hat Agamemnon die übrigen durch seine Übermacht, und nicht weil er sie als Freier der Helena durch ihren TyndareoS geleisteten Eid am Bande hatte, zu diesem Zuge vermocht. Sagen doch auch die besten Kenner der alten peloponnesischen Geschichte, daß PelopS durch den Reich tum, mit dem er bei seiner Ankunft aus Asien unter der ärm lichen Bevölkerung aufgetreten, so mächtig geworden und das Land sogar nach ihm, dem Fremdling, benannt sei, seine Nach kommen aber ihre Macht dann noch erweitert hätten. Euryftheus nämlich habe vor seinem Auszuge den Bruder seiner Mutter, den damals nach der Ermordung des EhrysippoS vor seinem Vater flüchtigen Atreus, als einen Angehörigen seines HauseS zum Reichsverweser in Mykene bestellt. Als er dann in Attika im Kampfe gegen die Herakliden gefallen und nicht zurück gekehrt sei, habe sich Atreus die Herrschaft über Mpkene und das ganze Reich des Eurystheus selbst angeeignet, und die Mykener seien damit auch einverstanden gewesen, teils aus Furcht vor den Herakliden, teils weil sie Atreus, der es über dies verstanden, sich bei den Leuten beliebt zu machen, die nötige Kraft zugetraut hätten, und so seien die Pelopiden den Persiden über den Kopf gewachsen. So hat auch Agamemnon als Erbe dieser Macht und dabei im Besitz einer den anderen überlegenen Flotte die Griechen denn doch wohl mehr auS Furcht als aus Liebe zu ihm zur Heerfolge bewogen. Denn er tritt nicht nur selbst mit den meisten Schiffen auf, sondern versieht damit auch die Arkadier, wie uns Homer sagt, wenn man den überhaupt als Beweis gelten lassen will, der ihn dann auch in der Erzählung von der Vererbung des Zepters „über viele Inseln und ganz Argos" herrschen läßt. Inseln aber hätte er, abgesehen von den doch wohl nur wenigen in un mittelbarer Nähe der Küste, nicht beherrschen können, wenn er nicht eine ansehnliche Flotte gehabt. Auch aus diesem Zuge können wir auf die früheren Zustände in Griechenland schließen.
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Wollte man daraus, daß Mykene nur klein war und von manchen der damaligen Städte jetzt kaum noch die Rede ist, folgern, der Zug könne so groß nicht gewesen sein, wie Dichtung und Sage uns glauben machen wollen, so wäre das mehr alS gewagt. Wenn jetzt die Hauptstadt der Lakedämonier zerstört würde und nichts von ihr übrigbliebe als die Tempel und die Fundamente der Baulichkeiten, so würde man in späterer Zeit kaum glauben, daß die Macht der Lakedämonier deren Ruf entsprochen habe. Gegenwärtig sind sie Herren von zwei Fünfteln des Peloponnes und Vormacht nicht nur der ganzen Halbinsel, sondern auch zahlreicher auswärtiger Bundes genossen. Trotzdem könnte es scheinen, daß ihre Macht nicht so groß gewesen, weil die Stadt keine stolzen Tempel und Prachtbauten hatte und nicht zusammenhängend gebaut war, sondern nach altgriechischer Weise aus einzelnen Ortschaften bestand. Umgekehrt, wenn es Athen so ginge, würde man an gesichts der erhaltenen Reste der Stadt glauben, die Macht der Athener sei noch mal so groß gewesen, wie sie wirklich ist. Wir dürfen uns also dadurch nicht irremachen lassen und müssen mehr die wirkliche Macht als das bloße Aussehen der Städte in Betracht ziehen. So ist es wohl glaublich, daß jeneS Kriegsheer größer gewesen ist als alle früheren. Mit heurigen Verhältnissen freilich darf man es nicht vergleichen. Denn selbst wenn wir Homer, der als Dichter natürlich eher noch etwaS übertreibt, auch hier wieder als Zeugen gelten lassen wollen, so hat es damit nicht allzuviel auf sich gehabt. Nach ihm hatten von den zwölfhundert Schiffen die der Böotier je hundert- zwanzig, die des Philoktetes je fünfzig Mann an Bord, womit er meiner Meinung nach die größten und die kleinsten anführen will; wenigstens wird die Größe der übrigen bei Aufzählung der Schiffe nicht angegeben. Daß die ganze Mannschaft zu gleich mit dem Ruder und mit der Waffe diente, sehen wir bei ihm an PhilokteteS' Schiffen, wo er sagt, daß die Ruder knechte alle auch Bogenschützen gewesen seien. Außer der Mannschaft aber werden sich, abgesehen von den Königen und einigen hochgestellten Personen, sicher nicht allzuviel? an Bord befunden haben, schon weil man Waffen und sonstigen Kriegs bedarf mitnehmen mußte, und die Schiffe kein Verdeck hatten, sondern noch wie die alten Seeräuberschiffe gebaut waren. Nimmt man hiernach den Durchschnitt zwischen den größten und den kleinsten Schiffen, so ist die Zahl derer, welche den Zug mitgemacht, für eine Unternehmung ganz Griechenlands offenbar nicht sehr groß gewesen.
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Schuld daran war nicht, daß es an Menschen, sondern daß es an Geld fehlte. Weil man die Leute nicht ernähren konnte, mußte man mit einem kleinen Heere zu Felde ziehen, so wie man hoffen durfte, es während deS Krieges in Feindes land erhalten zu können. Nachdem die Griechen gleich bei ihrer Ankunft einen Sieg erfochten hatten - sonst hätten sie ja ihr Lager nicht befestigen können -, haben sie von ihrer ganzen Macht ja nicht mal mehr Gebrauch gemacht, sondern sich auS Mangel an Lebensmitteln auch mit Landbau auf dem Chersones und mit Seeraub befaßt. Darum konnten ihnen auch bei solcher Zersplitterung ihrer Kräfte die Troer um so eher die zehn Jahre widerstehen; denn den ihnen jeweilig gegen über befindlichen Kräften waren sie voll gewachsen. Hätten die Griechen genug zu leben gehabt und, statt Seeraub und Landbau zu treiben, den Krieg mit vereinten Kräften ununter brochen fortgeführt, so hätten sie die Troer leicht besiegen und ihre Stadt nehmen können; haben sie sich doch trotz solcher Zersplitterung selbst mit dem noch zur Stelle befindlichen Bruch teil ihrer Kräfte ihnen gegenüber behauptet. Auch würden sie Troja wohl schneller und leichter erobert haben, wenn sie eS förmlich belagert hätten. Aber aus Mangel an Geld war man damals zu schwach zu größeren Unternehmungen, und selbst dieser über alle früheren Kriege berühmt gewordene Trojanische Krieg ist bei Lichte besehen doch lange nicht das gewesen, wozu ihn Sage und Dichtung jetzt bei unS gemacht haben.
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Auch nach dem Trojanischen Kriege gab es in Griechen land immer noch Wanderungen und Neusiedelungen, so daß es sich nicht ruhig entwickeln konnte. Da die Griechen nicht so bald von Troja zurückkehrten, kam eS in den Städten viel fach zu inneren Kämpfen und Umwälzungen und infolgedessen zu Auswanderungen und zur Gründung neuer Städte. So haben sich die jetzigen Böotier, nachdem sie sechzig Jahr nach der Eroberung Trojas von den Thessalern aus Arne verdrängt worden waren, im heutigen Böotien niedergelassen, das vor her das Kadmeiische Land hieß. Ein Zweig wohnte freilich auch schon vorher in diesem Lande, und ihm gehörten die Böotier an, die mit nach Troja zogen. Achtzig Jahr nach jenem Zeitpunkt nahmen die Dorier mit den Herakliden den Peloponnes in Besitz. Nachdem Griechenland endlich zu Ruhe gekommen war und das Wandern aufgehört hatte, sandte es Kolonien aus; die Athener besiedelten Jonien und die Mehr zahl der Inseln, die Peloponnesier den größten Teil von Italien und Sizilien sowie einige andere Gegenden in Griechenland. Alle diese Gründungen aber fallen erst in die Zeit nach dem Trojanischen Kriege.
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Als das Land kräftiger und mit der Zeit immer reicher geworden war, gerieten die Städte, deren Einnahmen auch gewachsen waren, unter die Herrschaft von Tyrannen, während es früher ein erbliches Königtum mit bestimmten Ehrenrechten gegeben hatte. Jetzt warf man sich in Griechenland auf die See und baute Schiffe. Zuerst sollen die Korinther die Schiff- fahrt schon annähernd in jetziger Weise betrieben haben, in Korinth auch die ersten Trieren in Griechenland gebaut sein. Angeblich hat auch ein Schiffsbauer aus Korinth, Ameinokles, den Samiern vier Schiffe gebaut. Seit AmeinokleS' Ankunft!' auf Samos bis zum Ende dieses Krieges sind ungefähr drei-i: hundert Jahr. Die älteste Seeschlacht, von der wir wissen, hat zwischen Korinthern und Kerkyräern stattgefunden, und von da bis zu demselben Zeitpunkt sind ungefähr zweihundert- sechzig Jahr. Bei seiner Lage auf dem Isthmus war Korinth von jeher ein Handelsplatz. Da die Griechen in alter Zeit mehr zu Lande als zur See verkehrten und der ganze Verkehr von und nach dem Peloponnes über Korinth ging, so wurde dies eine reiche Stadt, wie es ja auch schon bei den alten Dichtern das reiche Korinth heißt. Als dann der Verkehr zur See bei den Griechen zunahm, legten die Korinther mit ihren Schiffen den Seeräubern das Handwerk, und so wurde ihre für den Land- und Seehandel gleich günstig gelegene Stadt noch reicher und mächtiger. Später, zur Zeit des Kyros, des ersten Perserkönigs, und seines Sohnes Kambyses, hatten auch die Jonier eine ansehnliche Flotte und beherrschten damit während ihres Krieges mit Kyros eine Zeitlang die dortigen Gewässer. Auch Polykrates, der zu Kambyses' Zeit Tyrann von Samos war, besaß eine starke Flotte, womit er verschiedene Inseln unterwarf, namentlich auch Rheneia eroberte, das er dann dem delifchen Apollon weihte. Endlich haben auch die Phokäer, die sich in Massalia niederließen, die Karthager in einer Seeschlacht besiegt.
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Das waren zu der Zeit die vornehmsten Seemächte. Aber obgleich damals seit dem Trojanischen Kriege schon viele Menschenalter vergangen waren, hatten auch sie erst wenig Trieren, sondern fuhren noch immer mit dem langen Fnnf zigruderer wie zur Zeit jenes Krieges. Kurz vor den Perser kriegen und dem Tode des Dareios, der nach Kambyses in Persien regierte, hatten dann aber die Tyrannen in Sizilien und die Kerkyräer bereits zahlreiche Tricren, und daS waren in der letzten Zeit vor dem Zuge des Xerxes die bedeutendsten griechischen Seemächte. Denn waS die Agineten, die Athener und etwa noch einige andere an Schiffen besaßen, war nicht der Rede wert, und dazu waren es meist nur Funfzigruderer. Ja selbst die Schiffe, welche die Athener später Ar den Krieg mit Agina und den damals auch schon drohenden Perserkrieg auf Rat des Themistokles bauten und mit denen sie nachher auch ihre Schlachten schlugen, hatten noch kein volles Verdeck.
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So stand es in den ältesten und den folgenden Zeiten bei den Griechen um die Seefahrt. Immerhin sind alle, die sich darauf legten, durch Erwerbung von Reichtümern und Ausdehnung ihrer Herrschaft beträchtlich vorangekommen; denn mit Hilfe ihrer Flotten unterwarfen sie sich die Inseln, nament lich wenn ihnen ihr eigenes Gebiet nicht genügte. Zu Lande aber ist es niemals zu einem Kriege gekommen, durch den die Machtverhältnisse auch nur einigermaßen verrückt worden wären. Freilich führte man auch zu Lande Kriege genug, aber immer nur Grenzkriege gegen seine Nachbarn. Auf auswärtige Unter nehmungen aber, um in fernen Ländern Eroberungen zu machen, ließ man sich in Griechenland nicht ein. Abhängige Bundes genossen, deren Kräfte man dazu hätte aufbieten können, hatten auch die größeren Staaten noch nicht, und ebensowenig dachten diese daran, sich auf gleichem Fuße zu gemeinsamen Unter nehmungen zu verbinden. Man führte wohl Krieg, aber jeder nur auf eigene Hand mit seinen Nachbarn. Nur etwa in dem Kriege zwischen Chalkis und Eretria haben die übrigen Griechen schon in alter Zeit mal Partei ergriffen und sich am Kampfe beteiligt.
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Ihrem weiteren Wachstum aber stellte sich bald dies, bald jenes Hindernis in den Weg. So den Joniern, die schon zu hoher Blüte gelangt waren, die Persermacht unter Kyros, der, nachdem er das Reich des Kroisos vom Halys bis an die See unterworfen, nun auch über sie hereinbrach und der Freiheit ihrer Städte auf dem Festlande ein Ende machte, worauf dann später Dareios mit seiner phönizischen Flotte auch die Inseln unterwarf.
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Die Tyrannen in den griechischen Städten waren nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, und ihre Politik lief wesent lich auf die Sorge für ihre Person und ihre Familie und die Befestigung ihrer Stellung hinaus. Auf größere Unternehmungen haben sie sich nicht eingelassen, höchstens daß mal einer einen Krieg gegen seine Nachbarn führte. Nur in Sizilien haben sie es allerdings zu bedeutender Macht gebracht. So ist Griechen land aus mancherlei Gründen längere Zeit nicht vorangekommen. Gemeinsame größere Unternehmungen machte man nicht, und in den einzelnen Städten fehlte es an Unternehmungsgeist.
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Schließlich wurde dann aber der TyranniS in Athen und den übrigen, meist schon länger von Tyrannen beherrschten griechischen Städten durch die Lakedämonier, mit Ausnahme! von Sizilien, fast überall ein Ende gemacht. In Lakedämon hat es seit der Einwanderung seiner jetzigen dorischen Bevöl kerung, obgleich dort, soviel wir wissen, die inneren Kämpfe kaum jemals abrissen, von jeher gute Gesetze und niemals Tyrannen gegeben. Etwas über vierhundert Jahr sind es ungefähr bis zu Ende dieses Krieges, daß die Lakedämonier ^ immer dieselbe Verfassung gehabt haben, und dem verdanken sie ihren Einfluß auch auf die Verfassung anderer Staaten. Wenige Jahre nach der Vertreibung der Tyrannen aus Griechen land wurde zwischen Persern und Athenern die Schlacht bei Marathon geschlagen. Zehn Jahr später unternahm der Perserkönig dann nochmals jenen gewaltigen Zug zur Unter werfung Griechenlands. Angesichts dieser großen Gefahr über nahmen die Lakedämonier als die Mächtigsten die Führung der verbündeten griechischen Heere, die Athener aber entschlossen sich, bei Ankunft der Perser ihre Stadt zu verlassen und sich mit Hab und Gut auf die Schiffe zu begeben und von nun an ihr Heil auf dem Wasser zu suchen. Aber schon bald. nachdem sie die Angriffe der Perser mit vereinten Kräften abgewiesen hatten, schieden sich die Griechen, sowohl die bis herigen Bundesgenossen wie die früheren Untertanen des Königs, in zwei Parteien, von denen die eine sich den Athenern, die andere den Lakedämoniern anschloß. Denn daS waren jetzt entschieden die beiden ersten Mächte, die eine zur See, die andere zu Lande. Eine Zeitlang hielt die alte Waffenbrüder schaft noch vor, dann aber zerfielen beide miteinander, und es kam zwischen ihnen und ihren Bundesgenossen zum Kriege. Wo immer es seitdem in Griechenland Händel gab, schloß man sich jetzt ohne weiteres einem von ihnen an. So haben . sie in der ganzen Zeit von den Perserkriegen bis zu diesem Kriege bald Verträge miteinander geschlossen, bald unter sich oder auch mit aufsässigen Bundesgenossen Krieg geführt und dabei Gelegenheit gehabt, ihr Kriegswesen zu vervollkommnen, und unter mancherlei Gefahren eine vortreffliche Schule für den Krieg durchgemacht.
- 1.19.1
Die Lakedämonier benutzten ihre Vormachtstellung nicht dazu, ihre Bundesgenossen zu besteuern, beschränkten sich viel mehr darauf, sie überall in ihrem Sinne zur Einführung olig archischer Verfassungen zu nötigen. Die Athener aber über nahmen mit der Zeit die Schiffe ihrer Bundesgenossen, mit Ausnahme der Chier und Lesbier, für eigene Rechnung, schlugen die Leistung eines jeden zu Gelde an und machten eine Steuer daraus. Infolgedessen waren Fe in der Lage, für sich allein so stark gerüstet in diesen Krieg zu gehen, wie sie das vorher, auch als der Bund noch in voller Blüte stand, nie gewesen waren.
- 1.20.1
Das ist es, was ich über die ältere Zeit ermittelt habe. Man darf aber ja nicht jeder uns überlieferten Nachricht gleich Glauben schenken. Denn die Menschen sind nur zu geneigt, alles, was man ihnen von älteren Zeiten erzählt, ohne weiteres für Wahrheit zu nehmen, selbst wenn es sich dabei um die eigene Heimat handelt. So glaubt man zum Beispiel in Athen allgemein, daß Hipparchos Tyrann gewesen, als er von Harmodios und Aristogeiton ermordet wurde, und weiß nicht, daß damals Hippias als ältester Sohn des Peisistratos regierte, Hipparchos und Thessalos aber nur seine Brüder waren. Da aber Harmodios und Aristogeiton an dem Tage, als sie die Tat grade ausführen wollten, Verdacht schöpften, daß der Plan von einem ihrer Mitwisser verraten und Hippias bereits gewarnt sei, so ließen sie diesen leben, und um wenigstens nicht umsonst gefangen und gehangen zu werden, ermordeten sie Hipparchos, der ihnen beim Leokorion, wo er den Pan athenäenzug ordnete, zufällig in den Weg kam. Auch anderswo hat man in Griechenland über Dinge, die nicht etwa der grauen Vorzeit, sondern noch ganz der Gegenwart angehören, vielfach falsche Vorstellungen; so glaubt man zum Beispiel, daß in Lakedämon jeder der beiden Könige bei der Abstimmung nicht nur eine, sondern zwei Stimmen habe, und daß es dort eine Pitanatische Schar gebe, die es nie gegeben hat. Die meisten Menschen geben sich gar nicht die Mühe, zu unter suchen, ob es mit einer Sache auch seine Richtigkeit hat, sondern essen eben den Brei, wie er ihnen vorgesetzt wird.
- 1.21.1
Bei alledem wird man meine Darstellung der Ereignisse auf Grund der beigebrachten Beweise unbedenklich für glaub würdiger halten dürfen als das, was Dichter mit poetischer Übertreibung davon gesungen, oder Logographen, um ihrer Erzählung größeren Reiz zu geben, wohl auch mal auf Kosten der Wahrheit daraus gemacht oder an unglaubwürdigen und gradezu fabelhaften alten Geschichten darüber zusammengetragen haben. Denn darauf kann man sich verlassen, daß ich, soweit das für jene alten Zeiten überhaupt möglich war, nur aus den besten Quellen geschöpft habe. Nun pflegen die Menschen freilich jeden Krieg, den sie eben jetzt selbst zu führen haben, für den wichtigsten zu halten und erst, wenn er vorbei ist, auch die Vergangenheit wieder besser zu würdigen. Aber an gesichts der Tatsachen kann denn doch kein Zweifel darüber sein, daß der jetzige Krieg auch wirklich bedeutender gewesen ist als alle früheren.
- 1.22.1
Die verschiedenen Reden, so wie sie vor Beginn oder im Laufe des Krieges gehalten sind, wörtlich wiederzugeben, war nicht wohl möglich, mochte ich sie nun selbst mit angehört oder durch Dritte Kenntnis davon erhalten haben. Ich gebe sie deshalb so, wie sie der betreffende Redner nach meiner Auffassung unter den jeweiligen Umständen hätte halten müssen, schließe mich dabei jedoch dem Gedankengange der wirklich gehaltenen Rede so eng wie möglich an. Die Begebenheiten des Krieges selbst habe ich nicht aufs Geratewohl oder nach Gutdünken aufgezeichnet, sondern ich habe nur Dinge auf genommen, die mir entweder aus eigener Anschauung bekannt waren oder über die ich bei anderen die sorgfältigsten Er kundigungen eingezogen hatte. Es war nicht immer leicht, den Sachen auf den Grund zu kommen, weil die Berichte der Augenzeugen darüber verschieden lauteten, je nachdem ihr Parteistandpunkt dabei mitsprach oder auch ihr Gedächtnis sie im Stich ließ. So wird das Buch seines nüchternen Inhalts wegen manchem Leser vielleicht langweilig vorkommen. Mir soll es genügen, wenn auch nur diejenigen, welche wissen möchten, wie es gewesen ist und mehr oder weniger zu allen Zeiten in der Welt zugehen wird, es für ein nützliches Buch halten. Dem Verfasser war es um ein Werk von dauerndem Wert, nicht um einen augenblicklichen Erfolg bei der Leserwelt zu tun.
- 1.23.1
Bis dahin war der Perserkrieg das wichtigste Ereignis gewesen, und doch war in ihm schon nach je zwei Schlachten zu Lande und zur See die Entscheidung gekommen. Dieser Krieg dagegen hat sehr lange gedauert, und Griechenland hat in ihm Leiden durchgemacht wie nie zuvor in einer gleichen Spanne Zeit. Niemals waren so viele Städte erobert und zerstört, sei es durch Barbaren, sei es durch die kriegführenden Mächte selbst - einige von ihnen wurden auch nach ihrer Einnahme mit anderen Einwohnern besetzt -, niemals so viel Menschen von Haus und Hof vertrieben und entweder durch den Krieg selbst oder in Parteikämpfen ums Leben gekommen. Dinge, von denen man bis dahin zwar wohl gehört, aber kaum jemals selbst was erlebt hatte, waren jetzt an der Tagesordnung. Gewaltige Erdbeben, die sich über einen großen Teil der Erde erstreckten, Sonnenfinsternisse, welche häufiger eintraten, als man sich dessen von früher erinnerte, Zeiten großer Dürre mit Hungersnot im Gefolge, vor allem aber die furchtbare Pest, welche die Menschen so massenhaft hinraffte, das alles stellte sich in diesem Kriege miteinander ein. Den aber begannen die Athener und die Peloponnesier mit dem Bruch des dreißig- jährigen Friedens, den sie nach der Unterwerfung von Euboia miteinander geschlossen hatten. Um von vornherein der Frage zu begegnen, wie es in Griechenland zu einem so furchtbaren Kriege kommen konnte, führe ich zuerst die Ursachen und die Streitigkeiten an, welche den Bruch herbeiführten. Der eigent liche Grund, so wenig von ihm die Rede gewesen ist, war nach meiner Überzeugung die Furcht der Lakedämonier vor der wachsenden Macht Athens, die sie zum Kriege trieb. Die Gründe aber, worauf sich beide Teile für den Rücktritt vom Vertrage und den Wiederbeginn des Krieges vor der Welt beriefen, waren folgende.
- 1.24.1
Epidamnos ist eine Stadt, die man bei der Einfahrt in den Ionischen Meerbusen zur Rechten hat. Das Hinterland wird von Barbaren, den Taulautiern, einer illyrischen Völker schaft, bewohnt. Die Stadt ist eine Kolonie von Kerkyra und wurde gegründet unter Führung des Phalios, Eratokleides' Sohns, eines Herakliden aus Korinth, den man dazu, wie daS ja in solchem Fall alter Brauch war, aus der Mutterstadt berufen hatte. Doch waren auch einige Korinther und sonstige Angehörige des dorischen Stammes an der Gründung be teiligt. Im Laufe der Zeit war Epidamnos eine große und volkreiche Stadt geworden, dann aber hatte sie, angeblich nach langen inneren Kämpfen, in einem Kriege mit den benachbarten Barbaren schwere Verluste erlitten und ihre frühere Macht gutenteils eingebüßt. Kurz vor dem Ausbruch dieses Krieges Vertrieb das Volk die Aristokraten aus der Stadt, die sich darauf zu den Barbaren begaben und im Verein mit ihnen die Einwohner zu Wasser und zu Lande beraubten. In dieser ihrer Bedrängnis schickten die Epidamnier in der Stadt Ge sandte nach Kerkyra mit der Bitte, als ihre Mutterstadt möge sie sie in ihrer Not nicht im Stich lassen, sondern einen Aus gleich zwischen ihnen und ihren vertriebenen Landsleuten herbeiführen und den Krieg mit den Barbaren beizulegen suchen. Die Gesandten trugen auch ihre Bitte im Heratempel in Kerkyra als Schutzflehende vor, fanden aber damit kein Gehör und mußten unverrichteter Sache wieder abziehen.
- 1.25.1
Als die Epidamnier sahen, daß auf Hilfe von Kerkyra nicht zu rechnen war, und sich nicht zu helfen wußten, schickten sie nach Delphi, um den Gott zu befragen, ob sie sich Korinth als ihrer Mutterstadt übergeben und versuchen sollten, von dort Hilfe zu erhalten. Der Gott riet ihnen auch, das zu tun und sich unter die Führung der Korinther zu stellen. Sie wandten sich also nach Korinth, um sich nach dem Ausspruch des Orakels dort als Tochterstadt zu übergeben, wiesen darauf hin, daß der Gründer ihrer Stadt aus Korinth gewesen sei, und baten, sie in der Not nicht im Stich zu lassen, sondern sich ihrer anzunehmen. Die Korinther erklärten sich dazu auch bereit, da sie Epidamnos mit Fug und Recht so gut als eine Kolonie von Korinth wie von Kerkyra ansehen zu können glaubten. Zudem haßten sie die Kerkyräer, die es als ihr Pflanzvolk an der schuldigen Rücksicht gegen sie fehlen ließen. Denn man gab ihnen dort bei festlichen Gelegenheiten nicht die schuldigen Ehren, ließ auch keinem Korinther den Vortritt beim Opfer, wie das in Kolonien sonst üblich ist, sondern behandelte sie von oben herab, weil man sich damals als Geldmacht den reichsten Griechenstädten an die Seite stellte, für den Krieg besser als andere gerüstet war und sich zuweilen rühmen konnte, die stärkste Flotte zu besitzen. Denn wie ihre Insel schon ehe mals von dem berühmten Seevolke der Phäaken bewohnt ge . Wesen war, so hatten sich auch die Kerkyräer besonders auf die Flotte gelegt und es zur See zu hoher Macht gebracht; denn bei Beginn des Krieges hatten sie nicht weniger als hundertundzwanzig Trieren.
- 1.26.1
War das alles den Korinthern ein Dorn im Auge, so schickten sie jetzt die erbetene Hilfe nicht mehr wie gern nach Epidamnos, stellten jedem frei, sich dort anzusiedeln, und ließen eine Anzahl bewaffneter Amprakier, Leukadier und eigener Landeskinder zur Besetzung dorthin ziehen. Der Zug ging zu Lande nach Apollonia, einer korinthischen Kolonie, aus Furcht, die Kerkyräer könnten ihm den Seeweg verlegen. Die Kerkyräer aber waren außer sich, als sie von der Ankunft der neuen An siedler und der Truppen in Epidamnos und der Übergabe der Kolonie an die Korinther hörten. Sofort sandten sie fünfund zwanzig Schiffe und bald nachher noch ein zweites Geschwader nach Epidamnos und verlangten drohend die Wiederaufnahme der Vertriebenen sowie die Ausweisung der korinthischen Be satzung und der neuen Ansiedler. - Die aus Epidamnos ver triebenen Aristokraten hatten sich nämlich inzwischen nach Ker kyra begeben und hier bei den Gräbern der Vorfahren und der Stammverwandtschaft um ihre Zurückführung gebeten. - Die Epidamnier aber wollten von alledem nichts hören. Und nun eröffneten die Kerkyräer, denen sich jetzt auch die Illyrier angeschlossen hatten, in Gemeinschaft mit den Vertriebenen, deren Wiederaufnahme sie verlangten, mit vierzig Schiffen die Feindseligkeiten gegen Epidamnos. Sie legten sich vor die Stadt und boten sowohl den Epidamniern selbst wie den Fremden freien Abzug an, widrigenfalls sie alS Feinde behandelt werden würden. Als davon kein Gebrauch gemacht wurde, begannen sie, die Stadt, die auf einer Landzunge liegt, förmlich zu be lagern.
- 1.27.1
Sobald die Korinther durch Boten aus Epidamnos die Nachricht von der Belagerung erhalten hatten, rüsteten sie zum Kriege. Zugleich ließen sie öffentlich bekanntmachen, daß in Epidamnos eine Kolonie gegründet werden solle und jedem freigestellt werde, sich dabei zu gleichem Recht zu beteiligen. Wer keine Lust habe, gleich mitzufahren, und sich doch an der Gründung beteiligen wolle, könne zu Hause bleiben, habe solchen- falls aber fünfzig korinthische Drachmen zu hinterlegen. Auch fanden sich Leute genug, die entweder gleich mitfahren oder das Geld einzahlen wollten. Mit Rücksicht auf etwaige Hinder nisse, die ihnen auf der Fahrt von seiten der Kerkyräer be reitet werden könnten, erbaten sie sich von Megara Schiffe zum Geleit. Megara stellte auch acht Schiffe, die sie geleiten sollten, und ebenso Paleis auf Kephallenia vier. Epidauros, an das sie sich auch gewandt hatten, stellte fünf, Hermione eins, Trotzen zwei, Leukas zehn und Amprakia acht. Theben und Phlius ersuchten sie um Geld, Elis um Geld und leere Schiffe. In Korinth selbst aber wurden dreißig Schiffe und dreitausend Hopliten eingestellt.
- 1.28.1
Als die Kerkyräer von diesen Rüstungen hörten, begaben sie sich mit lakedämonischen und sikyonischen Gesandten, deren gute Dienste sie erbeten hatten, nach Korinth und verlangten von den Korinthern die Abberufung der Besatzung und der Kolonisten aus Epidamnos; denn in Epidamnos hätten sie nichts zu schaffen. Sollten indes auch sie dort Ansprüche zu haben vermeinen, so möge die Sache einigen Städten im Pelo ponnes, über die man sich beiderseits vereinigt, zu schiedsrichter licher Entscheidung überwiesen werden, und wem die Kolonie dann zugesprochen werden würde, dem solle sie gehören. Auch sei es ihnen recht, wenn die Entscheidung dem Delphischen Orakel überlassen würde. Nur Krieg sollten sie darüber nicht anfangen, sonst würden auch sie gezwungen sein, sich anderswo nach neuen Freunden umzusehen, und zwar notgedrungen grade solchen, die den Korinthern recht unbequem sein würden. Die Korinther erwiderten ihnen, wenn sie ihre Schiffe und die Barbaren von Epidamnos zurückzögen, wollten sie sich die Sache weiter überlegen, vor Aufhebung der Belagerung aber würde es unter ihrer Würde sein, mit ihnen zu prozessieren. Dem gegenüber erklärten die Kerkyräer, dazu seien sie bereit, falls auch die Korinther ihre Leute aus Epidamnos zurückzögen; übrigens hätten sie auch nichts dagegen, wenn beide Teile in ihren jetzigen Stellungen blieben und bis zu richterlicher Ent scheidung der Sache einen Waffenstillstand schlössen.
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